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Alternative für Deutschland Der Polit-Profi, die unbeholfenen Mitstreiter und die Alpenüberquerung


Die Alternative für Deutschland wird am 22. September in allen 16 Bundesländern antreten. In Umfragen lag sie zuletzt zwischen 2 und 3,5 Prozent. Beobachter sind besorgt über rechtspopulistische Töne.

Er übt schon mal: Mit verschränkten Armen posiert Bernd Lucke, der Gründer und Sprecher der #link;http://www.stern.de/politik/deutschland/alternative-fuer-deutschland-91675435t.html;Alternative für Deutschland (AfD)#, vor dem großen Saal der Bundespressekonferenz in Berlin. Dort, wo sich am Freitag zum Beispiel Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Fragen der Journalisten stellen wird. Für Lucke geht es allerdings weiter in einen kleineren Raum des Tagungszentrums, zur Präsentation inhaltlicher Leitlinien seiner Partei.

Die Partei, die den Austritt aus dem Euro propagiert und die etablierten Kräften das Fürchten lehren will, wird am 22. September in allen 16 Bundesländern zur Bundestagswahl antreten und außerdem in mehr als der Hälfte der Wahlkreise Direktkandidaten aufstellen. Er sei stolz darauf, dass die Partei, die erst im Februar ohne Personal und größere finanzielle Ressourcen angefangen habe, nun bereits so weit gekommen sei, erklärt der 50-jährige Wirtschaftsprofessor Lucke. Er war 33 Jahre Mitglied der CDU.

Keine Alternativen im Parteiprogramm

Die AfD gab bislang vor allem bekannt, die Europäischen Verträge so ändern zu wollen, dass jeder Staat aus dem Euro ausscheiden kann. Nun legt sie inhaltliche Positionen in den Bereichen Energie, Gesundheit und Verteidigung vor. Darin wird vor allem Kritik an Bestehendem aufgezeigt - Alternativen finden sich in den Unterlagen bislang kaum. Die Partei will unter anderem die Strukturreform der Bundeswehr auf den Prüfstand stellen, die Auslandseinsätze der Bundeswehr kritisch beleuchten, den Gesundheitsfonds abschaffen und für mehr Wettbewerb unter den gesetzlichen Krankenkassen eintreten.

Der für die Energiepolitik zuständige Stephan Boyens redet sich gegen die Erderwärmung und das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Rage. Der Kaufmann vergleicht die Energiewende mit einem Fußmarsch über die Alpen. "Allerdings schickt die Regierung die Bevölkerung in Flip-Flops über die Berge."

Der redegewandte Lucke fängt seinen ausufernden Kollegen geschmeidig wieder ein. Der regelmäßige Talkshow-Gast wirkt bereits wie ein Politprofi, er trifft die professionelle Tonlage sehr genau - seine Mitstreiter dagegen kommen noch etwas unbeholfener daher.

Anziehungspunkt für rechtspopulistische Neigungen

Der Düsseldorfer Sozialwissenschaftler Alexander Häusler, der sich mit dem Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus beschäftigt, hält die AfD trotz "Chaos und politischer Stümperei" für nicht ungefährlich. Es bestehe die Gefahr, dass diese Partei ein Anziehungspunkt für die hierzulande existenten rechtspopulistischen Einstellungen werde, sagte er in einem Interview.

Lucke antwortet auf die Frage, ob sich die AfD denn als Protestpartei sehe, folgendermaßen: Man sei eine Partei der Opposition, und da wolle man Mängel aufzeigen und Alternativen darlegen. "Wir stellen uns aber nicht grundsätzlich gegen das System, sondern wollen innerhalb des Systems für Veränderung sorgen."

juho/Kerstin Münstermann, DPA DPA

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