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Altkanzlerin "Hätten schneller reagieren müssen": Merkel räumt Versäumnisse in Russland-Politik ein

Angela Merkel war von 2005 bis 2021 deutsche Bundeskanzlerin
Angela Merkel war von 2005 bis 2021 deutsche Bundeskanzlerin
© Carlos Costa / AFP
Lange hat sich Angela Merkel mit Selbstkritik an ihrer Russland-Politik zurückgehalten. In einem Interview räumt die Altkanzlerin nun ein, ihre Regierung hätte "schneller auf die Aggressivität Russlands reagieren müssen".

Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Versäumnisse bei der Abschreckungspolitik gegenüber Russland eingeräumt. "Wir hätten schneller auf die Aggressivität Russlands reagieren müssen", sagte Merkel der Wochenzeitung "Die Zeit" mit Blick auf die Besetzung der ukrainischen Halbinsel Krim im Jahr 2014. Damals hatten sich die Nato-Staaten darauf verständigt, zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben.

"Deutschland hat das Zwei-Prozent-Ziel trotz Erhöhung nicht erreicht", bedauerte Merkel. "Und auch ich habe nicht jeden Tag eine flammende Rede dafür gehalten."

Angela Merkel hält Nord Stream 2 nicht für einen Fehler

Im Zuge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine wurde immer mehr Kritik an der Russland-Politik der damaligen Kanzlerin laut. Speziell die Frage, wieso Merkel zugelassen hatte, dass Deutschland zunehmend abhängig von russischen Energieimporten geworden ist - auch mit Blick auf den Bau der deutsch-russischen Erdgas-Pipeline Nord Stream 2.

Die Genehmigung für die Pipeline hält die Altkanzlerin rückblickend aber nicht für einen Fehler. Ein Verbot des Projekts hätte "das Klima mit Russland gefährlich verschlechtert", sagte Merkel. Zudem sei die Abhängigkeit von russischem Gas nicht allein ein Resultat des gemeinsamen Pipeline-Projekts. Sie sei in erster Linie darauf zurückzuführen, dass weniger Gas aus Norwegen, Großbritannien und den Niederlanden geliefert worden sei.

les DPA

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