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Berlin³ zum CDU-Parteitag: S'Annegret aus dem Saarland schlug Merz in seiner vermeintlichen Paradedisziplin

Saarland statt Sauerland. Annegret Kramp-Karrenbauer ist neue CDU-Chefin. Sie muss die Partei nun mit sich selbst versöhnen. Das wird nicht ganz einfach sein.

Annnegret Kramp-Karrenbauer: Reden halten kann sie - mit ihrer Art überzeugte sie die letzten Unentschlossenen

Annnegret Kramp-Karrenbauer: Reden halten kann sie - mit ihrer Art überzeugte sie die letzten Unentschlossenen

AFP

Annegret Kramp-Karrenbauer also. Ein Name, der klingt wie Panzerketten, die über Kopfsteinpflaster rasseln. So hat es der Kabarettist Dietmar Wischmeyer kürzlich formuliert. Man wird sich an diesen Namen gewöhnen müssen, national und womöglich bald international. Denn AKK ist neue CDU-Chefin. Hat damit seit diesem Freitag die Pole Position für das Rennen um die nächste Kanzlerschaft. Und wird dereinst, wer weiß, wer weiß, womöglich mal Angela Merkel als "mächtigste Frau der Welt" ablösen. Das US-Magazin "Forbes" hat die, so muss man es nun ja sagen, EX-CDU-Chefin und amtierende Kanzlerin soeben noch einmal dazu ausgerufen.

S`Annegret aus dem Saarland. Hätte man mal nicht gedacht. Eine Frau, zäh und zielstrebig, die jenseits der an der CDU-interessierten Blase immer ein wenig unter dem Radar durchgelaufen ist. Ministerpräsidentin im Saarland, gewiss. Aber eben im Saarland. CDU-Generalsekretärin, stimmt. Dienerin ihrer Partei. Aber eben auch Merkel-Vertraute, und das in einer Partei, die mit Merkel zunehmend fremdelte. Das sind nicht die allerbesten Voraussetzungen für eine Machtübernahme.

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AKK schlägt vermeintleichen Großrhetoriker Merz

Aber AKK war (und ist es immer noch!) zielstrebig, sie war konsequent, sie hat Wahlen gewonnen. Und reden kann sie auch. Das wissen nun alle die, die die neue CDU-Chefin an diesem Freitag im direkten Vergleich mit dem vermeintlichen Großrhetoriker Friedrich Merz haben verfolgen können. AKK schaffte es mit einer mit persönlichen Elementen gespickten, bisweilen emotionalen Rede, den Teil der unentschlossenen Delegierten zu gewinnen, die Merz mit seinem drögen Referatsleiter-Vortrag verprellte.

Am Ende gewann die Saarländerin im zweiten Wahlgang gegen den Sauerländer mit 517 gegen 482 Stimmen. Ihr Angebot an Merz, künftig weiter an gehobener Stelle in der Partei mitzuarbeiten, pendelte dieser sofort aus. Merz ist ein Mann des Ganz oder Gar nicht. Es wird in der Zukunft beim Gar nicht bleiben.

Kramp-Karrenbauer: Herausforderungen und ein schweres Päckchen

Für die Partei, die AKK wieder zu Volksparteien-adäquater Größe führen will, brechen nun, mit ihrer Wahl, nicht die allereinfachsten Zeiten an. Das liegt auch daran, dass der Riss, der mit diesem Wahlergebnis durch die CDU geht, nicht so ohne weiteres zu kitten sein wird. Kramp-Karrenbauer, auch im neuen Amt immer noch Merkel-Vertraute, wird beweisen müssen, dass sie jenen Teil der CDU dauerhaft hinter sich versammeln kann, der insbesondere in der Migrationsfrage mit dem Merkel-Kurs so sehr fremdelte. Dass jemand wie Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble mit seinem Votum, Merz sei der Beste für dieses Land, die Situation nicht eben vereinfacht hat, liegt auf der Hand. AKK hat ein schweres Päckchen zu tragen.

Und Merkel? Hat nun erstmal Atempause. Dass die Kanzlerin, die in diesen Tagen so entspannt wie lange nicht wirkt, nun wieder etwas Karenzzeit gewonnen hat bei ihrem unermüdlichen Bestreben, die Welt zu retten, ist mindestens mal ein Kollateraleffekt.

Friedrich Merz aber wird in der Rückschau auf das Jahr nur die Rolle bleiben, die er für sich so gar nicht vorgesehen hatte: Eine Randfigur in einer Welt, die dann doch nicht nach seinen Regeln funktionieren will.