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ARD-Deutschlandtrend: Nach Asylstreit: Seehofer verliert massiv an Ansehen - Niemand mit Regierung "sehr zufrieden"

Finden Sie, dass die Bundesregierung gute Arbeit macht? Dann gehören Sie zu einer absoluten Minderheit. Nach dem Asylstreit ist das Ansehen der Koalition laut ARD-Deutschlandtrend auf einem Tiefpunkt.

Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein spricht bei der Landtagssitzung

Der Asylstreit hat das Ansehen der Bundesregierung in der Bevölkerung ramponiert. 78 Prozent sind nach dem neuen ARD-"Deutschlandtrend" gar nicht oder weniger zufrieden mit der Arbeit des Kabinetts von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Der Anteil der Unzufriedenen stieg in der Erhebung von Infratest dimap im Vergleich zum Juni um 15 Prozentpunkte, wie der WDR mitteilte. Zufrieden mit der Arbeit der Bundesregierung sind nur noch 21 Prozent der Befragten (minus 14). Sehr zufrieden ist tatsächlich niemand mehr (0 Prozent, -2)

Der unionsinterne Streit um die Zurückweisung von Flüchtlingen schadet Innenminister Horst Seehofer (CSU) wesentlich mehr als Kanzlerin Merkel: Während diese nur 2 Punkte an Zustimmung verliert und auf 48 Prozent kommt, sacken die Werte für den CSU-Chef um 16 Punkte auf nun 27 Prozent ab - der niedrigste Wert, der für Seehofer im ARD-"Deutschlandtrend" jemals gemessen wurde. Drei Viertel der Befragten (73 Prozent) finden, dass Seehofer die Union mit seinem Verhalten geschwächt habe. Das Gros (70 beziehungsweise 66 Prozent) meint auch, dass CDU und CSU keinen gemeinsamen Kurs haben und Merkel die Union nicht mehr richtig im Griff hat.

Nach Asylstreit bisher geringster Rückhalt für Groko

Bei all' dem geht es offkundig nicht um die Sache. Während das Ansehen der Unionspolitiker deutlich gelitten hat, wird die Einrichtung sogenannter Transitzentren an der deutsch-österreichischen Grenze - ein Haupt-Streitpunkt während des Asylstreits - eher positiv gesehen. 61 Prozent der Befragten finden diese richtig, 34 Prozent nicht. Nach dem inzwischen vorliegenden Asylpapier der Koalition allerdings "gibt es keinerlei Lager", wie SPD-Chefin Andrea Nahles am Donnerstagabend betonte. Das Thema nervt die meisten Menschen ohnehin zusehends: Mehr als die Hälfte (56 Prozent) gab an, dass das Thema Asyl und Flüchtlinge in der aktuellen politischen Debatte zu viel Raum einnehme.

Wäre am Sonntag Bundestagswahl, käme die Union auf 30 Prozent (minus 1), die SPD unverändert auf 18 Prozent. "Mit zusammen 48 Prozent ist es der geringste Rückhalt in der Wahlbevölkerung, der bisher für Union und SPD gemeinsam im ARD-"Deutschlandtrend" gemessen wurde", hieß es. Mit 16 beziehungsweise 14 Prozent könnten AfD und Grüne je einen Punkt gutmachen. Die Linke verlöre einen Punkt auf 9 Prozent. Die FDP bliebe mit unverändert 8 Prozent kleinste Bundestagsfraktion.

"Bayernmonitor": CSU legt zu

Anders scheint die Stimmungslage in Bayern zu sein. Laut dem "Bayernmonitor" der "Augsburger Allgemeinen" und von "Spiegel online" legt die CSU im Vergleich zum Vormonat um 1,4 Prozentpunkte zu und liegt nun bei 42,5 Prozent. Parteichef Horst Seehofer und seine Mitstreiter werden dies als Bestätigung ihres Kurses sehen. Von der mit Macht angestrebten absoluten Mehrheit sind die Christsozialen allerdings immer noch weit entfernt. Die anderen Parteien liegen in der "Sonntagsfrage" für die im Herbst anstehende Bayern-Wahl wie folgt:

SPD (13,7 Prozent), Grüne (13,2), AfD (13,1), Freier Wähler (6,0), FDP (5,2), Linke (2,8)

dho / DPA