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Beck lässt Wutausbruch verteidigen: "Ein Politiker muss sich nicht alles gefallen lassen"

Kein eigenes Wort, keine Entschuldigung: Kurt Beck lässt seinen Wutausbruch gegenüber einem Bürger lieber von seiner Sprecherin rechtfertigen: "Wer austeilt, muss auch einstecken können."

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sieht keinen Grund, wegen seines Wutausbruchs gegenüber einem Bürger Reue zu zeigen. Im Gegenteil: "Ein Politiker muss sich nicht alles gefallen lassen", ließ Becks Sprecherin Monika Fuhr die "Bild"-Zeitung wissen. Der Mann habe Beck während eines Interviews angeschrien und dagegen habe sich dieser sich mit deutlichen Worten verwahrt, rechtfertigte die Sprecherin das Verhalten des Landesvaters, der sich selbst zu dem Vorfall nicht äußern will.

Geschehen war der Wutausbruch am Rande der Einheitsfeiern. Beck wollte dem Südwestrundfunk ein Interview zum Thema Bürgerbeteiligung geben, als ein Passant sich lautstark einmischte. "Wir Bayern bezahlen den Nürburgring ...", spielte der Mann auf die Pleite der traditionsreichen Rennstrecke an, "... und den Betzenberg." Diese Art der Bürgerbeteiligung war zuviel für den 63-Jährigen. Während er beim Thema Nürburgring noch professionell-ruhig blieb, rastete Beck nach Erwähnung des Betzenbergs, der Heimstatt seines Lieblingsclubs 1.FC Kaiserslautern, aus: "Können Sie mal das Maul halten, wenn ich ein Interview gebe?! Einfach das Maul halten!" Als der Kritiker sagte, er sei nur ehrlich, entgegnete Beck: "Sie sind nicht ehrlich, Sie sind dumm."

Beck will ohnehin zurücktreten

Becks Sprecherin dazu nun: "Wer austeilt, der muss auch einstecken können." Eine Maxime, nach der Beck schon einmal handelte. Ein Hartz-IV-Empfänger war Beck 2006 während einer Wahlkampfveranstaltung in Hessen angegangen, er sei mitverantwortlich dafür, dass er in Armut leben müsse. "Wenn Sie sich waschen und rasieren, haben Sie in drei Wochen einen Job", ließ Beck damals sein Gegenüber auflaufen und löste eine öffentliche Debatte aus.

Immerhin versprach der Politiker dem Langzeitarbeitslosen damals, sich nach erfolgter Körperpflege persönlich für eine Arbeitsstelle einzusetzen. Jetzt aber will Beck nichts von einem Entgegenkommen wissen. Ob dies damit zusammenhängt, dass sich die politische Karriere des Pfälzers dem Ende zuneigt? Seinen Rücktritt als Ministerpräsident hat er bereits verkündet, da kommt es womöglich nicht mehr buchstäblich auf jede Wählerstimme an.

dho/DPA / DPA
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