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Analyse

Rückzug der CDU-Chefin: Warum AKK völlig zu Recht gescheitert ist – und was wir daraus lernen können

Der Rückzug von Annegret Kramp-Karrenbauer erschüttert die CDU. Dabei war der Eklat von Thüringen nicht der alleinige Grund. Die wichtigsten Leute der Partei haben der Vorsitzenden schon lange nicht mehr viel zugetraut.

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Das war es dann also für Annegret Kramp-Karrenbauer. Gepasst hatte der Vorsitz der großen Bundes-CDU in Berlin ohnehin nie zu der Saarländerin. Nicht durchsetzungsstark genug, sagten schon früh die Zweifler. Ungelenk. Blöde Klamotten. Kein Fettnäpfchen ausgelassen. Diese Kritik an Menschen aus der Provinz in der großen Politik ist nicht ganz neu. Sie trifft Männer wie Frauen. Linke wie Rechte. Dem Sozialdemokraten Kurt Beck ging es nicht anders als der Konservativen Kramp-Karrenbauer.

Helmut Kohl war vielleicht der letzte provinzielle Typ, der auf der großen Bühne echten Erfolg hatte. Das lag daran, dass er ein begnadeter Netzwerker und Vieltelefonierer war. Aber eben auch daran, dass die Welt noch nicht maximale Performance auf allen Kanälen forderte. 

Thüringen nicht alleiniger Grund für AKKs Sturz

Wenn heute etwas geschieht, muss sich der Politiker sofort äußern. Im Fernsehen, bei Twitter, überall. Die letzten Tage haben gezeigt, wie das funktioniert. CSU-Chef Markus Söder war – wenn auch unrasiert – in großartiger Form, ein Mann mit tollen Instinkten. Er hatte schon verstanden, was in Thüringen bei der AfD-gestützten Ministerpräsidentenwahl passiert war, als Christian Lindner und Annegret Kramp-Karrenbauer noch trudelten. Der FDP-Vorsitzende hat den Murks, den er anfangs verbreitete, dann irgendwie schöngeredet. Schadensbegrenzung, immerhin. Und AKK? Die fuhr nach Erfurt, sprach über Stunden mit den widerspenstigen Parteifreunden und reiste wieder ab, ohne sich durchgesetzt zu haben. Was war das? Der Beleg für ihre Unfähigkeit und Überforderung?

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Viel spricht dafür, dass eine CDU-Vorsitzende Angela Merkel den lieben Mike Mohring, den Anführer der Erfurter Wackelfraktion, zu sich nach Berlin bestellt hätte und ihm innerhalb von 30 Minuten aufgegangen wäre, dass es keine gute Idee ist, nicht zu tun, was sie verlangt. Basta. 

Natürlich waren die Erfurter Ereignisse nicht der alleinige Grund für AKKs Sturz. Sie waren das letzte Glied in einer langen Kette, die dazu führte, dass die wichtigsten Leute in der CDU der Vorsitzenden nicht mehr zutrauen, den Laden beieinander zu halten. Hinschauen lohnt sich trotzdem: Teile der CDU im Osten Deutschlands lassen sich nur noch durch massiven Druck davon abhalten, mit der AfD zu mauscheln. Diese Zusammenarbeit ist überall falsch und im AfD-Gau Thüringen besonders widerlich. Sie zu verhindern, ist die Aufgabe jeder Chefin der Bundes-CDU.

Die Distanz zwischen Wählern und Gewählten

Nur wie macht man das? Im Saarland, wo AKK sehr erfolgreich war, wird immer viel und lange geredet. Mag sein, dass das sogar im Kampf gegen Extremisten und Populisten keine schlechte Strategie ist. In der letzten Woche aber war der Druck auf sie groß, durchzugreifen. Sie selbst sprach davon, dass Lindner wohl der rechte Durchgriff auf seine Kameraden in Erfurt fehle. Es sah aus, als mühte sie sich, so zu agieren, wie man es von Top-Durchgreifern in Berlin erwartet. Hat nicht geklappt.  

Angela Merkel teilte dagegen auf einer Afrikareise mit, das Ergebnis der Ministerpräsidentenwahl müsse revidiert werden. Das irritierte viele Ostdeutsche, die sich an alte Zeiten erinnert fühlten. Wumms hatte es ohne Zweifel. Es kommt aber auch darauf an, welche Kollateralschäden  auf dem Weg zu einer Entscheidung in Kauf genommen werden. Nach fast 15 Jahren ihrer Kanzlerschaft ist der Frust über die politische Kaste so groß wie lange nicht. 

Die in mehr als einer Hinsicht überforderte AKK ist völlig zu Recht gescheitert. Aber vielleicht sollten wir kurz innehalten und uns fragen, ob wir daraus etwas lernen können. Auch für die Anforderungen, die wir an Politiker stellen. Für die Art, wie Debatten geführt werden. Und die Folgen, die das für die Distanz zwischen Wählern und Gewählten hat.