Berlin vertraulich! Die rote Heidi bleibt cool


In der SPD herrscht Unmut über das Treffen von Heidemarie Wieczorek-Zeul mit dem Dalai Lama. Doch wirft das die "rote Heidi" aus der Bahn? Nein. Denn: Frauen müssten sich in der "Männerdomäne Politik" was trauen. Und so mancher müsse sich erst einmal als richtiger Genosse bewähren.
Von Hans Peter Schütz

Wer da glaubt, Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul könnte beeindruckt sein von der SPD-Kritik, dass sie jetzt den Dalai Lama in Berlin getroffen hat, weiß so gut wie nichts von der "roten Heidi". Weder als Genosse noch als Außenpolitiker dürfte Außenminister Frank-Walter Steinmeier sie beeindrucken oder gar gängeln können. "Ob der ihr Gespräch mit dem Dalai Lama als Affront gegen ihn qualifiziert oder nicht, das ist ihr völlig egal. Der müsse sich erst mal als richtiger Genosse bewähren, denkt sie", sagt einer ihrer Mitarbeiter.

Da ist viel dran. Als Steinmeier 1975 in die SPD eintrat und jahrzehntelang passiv blieb, war Wieczorek-Zeul bereits Bundesvorsitzende der Jungsozialisten, die erste Frau in dieser Funktion. Zehn Jahre lang saß sie im Europaparlament, ehe sie 1987 in den Bundestag wechselte. Inzwischen ist sie die dienstälteste Bundesministerin im Kabinett Merkel.

Stets hat die Frau aus dem linken Bezirksverband Hessen-Süd nach der Devise Politik gemacht "Frauen müssen sich auch was trauen". Das hat die gelernte Lehrerin mehr als einmal in ihrem politischen Leben knallhart praktiziert. Indem sie etwa gegen Rudolf Scharping und Gerhard Schröder einst (erfolglos) um den SPD-Vorsitz kandidiert hat. Als "Sparhans" Eichel ihr den Entwicklungshilfeetat zusammenstreichen wollte, drohte sie ihm und Kanzler Schröder mit dem Rücktritt. Und vor Steinmeier hat sie ohnehin keinen Respekt. Als Israel 2006 den Libanon angriff, nannte sie die Aktion "völkerrechtlich völlig inakzeptabel", was wiederum im Auswärtigen Amt heftigstes Nervenflattern verursachte.

Gerne sagt sie auch: "Ein Teil der Normalität ist, dass die SPD immer eine Männerdomäne gewesen ist." Dagegen macht sie oft mobil. Etwa indem sie massiv Andrea Nahles unterstützte, als die im Herbst 2005 gegen den vom damaligen SPD-Chef Franz Müntefering als neuen Generalsekretär vorgesehenen Kajo Wasserhövel kandidierte und gewann. Und als Entwicklungshilfeministerin lässt sie sich von den SPD-Außenpolitikern gleich gar nichts sagen. "Wir Entwicklungshelfer sind doch nicht der Blinddarm der Diplomatie."

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Wenn der Erwin Huber mit dem Oskar Lafontaine diskutiert, wie es vergangene Woche in der TV-Sendung "Hart aber fair" geschah, müsste es da nicht richtig knallen? Nichts dergleichen fand statt. Die beiden verstanden sich glänzend, lachten während der Sendung viel miteinander. Ihren Höhepunkt erreichte die Lachnummer, als stern-Chefredakteur Hans-Ulrich Jörges die Frage beantworten musste, wem er das Geld anvertrauen würde, käme er plötzlich in den Besitz von 50.000 Euro. Dem Huber natürlich, sagte Jörges, denn "er ist nicht so blöd, wie er immer hingestellt wird". Der CSU-Chef war entzückt über das Kompliment. Hinterher feierte er daher fröhlich mit Lafontaine und Jörges auf der Dachterrasse des Kölner WDR-Studios weiter. Er mit Rotwein, denn von dem Kölsch, mit dem sich Lafontaine und Jörges beim nächtlichen Blick auf den erleuchteten Kölner Dom stärkten, hält der geborene Bayer Huber nichts.

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Zu einer schwierigen Reise ist jetzt Natascha Seeger, die Pressesprecherin der Berliner CSU-Landesgruppe, aufgebrochen. Sie besucht zusammen mit CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer den Iran. Um sich entsprechend einzukleiden, betrat Seeger zuvor ein Damen-Spezialgeschäft für Übergrößen in Berlin. Sie benötige dringend ein Jackett der Größe 50, orderte dort Seeger, die im Normalfall locker in Größe 38 bis 40 passt. Aber um Ramsauer bei seinen politischen Terminen im Iran überhaupt begleiten zu dürfen, hatte die iranische Botschaft in Berlin ihr vorgeschrieben, sie müsse mit einem Jackett antreten, das ihr deutlich bis unterhalb der Knie reiche, bedecktes Haar sei sowieso vorgeschrieben. Christiane Schwarte, Pressesprecherin der CDU-Fraktion, amüsierte sich sehr über die Kollegin. "Wenn Natascha zurück ist aus dem Iran, muss sie unbedingt einmal so in die Sitzung der CDU/CSU-Fraktion kommen. Damit die Herren sehen, was sie uns in ihren Diensten alles zumuten."

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Als ein "Monster", das in seine Schranken verwiesen werden müsste, hat bekanntlich Horst Köhler die moderne Finanzwelt im Interview mit dem stern bezeichnet. Ihm persönlich hat die internationale Bankenkrise offenbar aber nicht geschadet. Weil er als ehemaliger Finanz-Staatssekretär, Sparkassenpräsident und Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) schon amtiert hat und sich in globalen Geldgeschäften glänzend auskennt? Mitnichten. Finanzchef der Familie Köhler ist nämlich seine Ehefrau. Und sie hat alle Geldanlagen der Familie in den vergangenen Monaten heil durch die Währungsturbulenzen der Welt gebracht. Köhlers Kompliment: "Sie hat ihre Sache gut gemacht und kein Geld verloren."


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