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Berlin vertraulich! Gauck und seine Herzdame


Heiraten muss Gauck, trompetet Sittenwächter Norbert Geis, CSU. Ein seltsames Verlangen - denn sein Parteichef hat sogar ein uneheliches Kind. Die Republik ist bunt, das Bundespräsidialamt inbegriffen.
Von Hans Peter Schütz

Dass der erzkonservative CSU-Familienpolitiker Norbert Geis den kommenden Bundespräsidenten Joachim Gauck aufgefordert hat, nun aber alsbald "seine persönlichen Verhältnisse zu ordnen" und zu heiraten, ist vergangene Woche in der Berliner Polit-Szene herzlich belacht worden. Wenn ausgerechnet die CSU sich daran störe, dass die künftige First Lady der Republik, die Journalistin Daniela Schadt, seit zwölf Jahren eine Beziehung ohne Trauschein zu Gauck habe, dann müsse man sagen: "Kleinkarierter, spießiger geht es nimmer!" So der Kommentar der bayerischen SPD-Bundestagsabgeordneten Gabriele Fograscher gegenüber stern.de. Außerdem sei daran zu erinnern, dass CSU-Politiker sogar allenthalben uneheliche Kinder gezeugt hätten. Zum Beispiel der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, der mit Anette Fröhlich, der Mitarbeiterin des früheren CDU-Generalsekretärs Laurenz Meyer, eine Tochter hat. Oder auch Markus Söder, bayerischer Finanzminister, der bekanntlich ebenfalls außer der Reihe für Nachwuchs gesorgt hat. Zudem sei die Frage erlaubt, weshalb der CSU-Mann Geis sich nie zu den privaten Verhältnissen von Ex-Bundespräsident Christian Wulff geäußert habe. Der habe sich, obwohl Katholik, sogar scheiden lassen. Dazu habe man von Geis, "einem Familienpolitiker aus dem 18. Jahrhundert, keinen Pieps gehört", so Fograscher. Ebenso wenig dazu, dass auch Angela Merkel früher in "wilder" Ehe mit ihrem heutigen Ehemann Joachim Sauer zusammengelebt hat.

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Was Geis vor allem übersieht: Dieser eheliche "Sünder" Horst Seehofer amtiert bis zur Wahl von Gauck zum Stolz der CSU vorübergehend als Bundespräsident. Und der Säulenheilige der Partei, Franz-Josef Strauß, verlor in einem New Yorker Etablissement angeblich sogar mal die Brieftasche.

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Aus dem Blickwinkel seiner privaten Beziehung zu "Dani" (Schadt) betrachtet, stimmt auch das Argument der Linkenchefin Gesine Lötzsch nicht, Gauck sei ein "Kandidat der kalten Herzen", den ihre Partei deshalb nicht mittragen könne. Denn bei Dani scheint Gaucks Herz ruckzuck gefühlsmäßig gelodert zu haben. Vor zwölf Jahren hielt er einen Vortrag in Nürnberg, dann trank er mit "Dani" ein paar Gläschen Wein - und schon war er in einer Ost-West-Verbindung entflammt. Geschieden ist Gaucks alte Ehe, aus der vier Kinder stammen, bis heute nicht. Aber schon vor zwei Jahren, als er gegen Wulff kandidierte, sagte Gauck, Scheidung und ordentliche Heirat seien nicht ausgeschlossen.

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Ist Gauck überhaupt der richtige Mann im Amt des Präsidenten? Berliner Spötter bezweifeln das. Ein guter Präsident, sagen sie, müsse zwei, drei gute Reden im Jahr halten. Das könne Pfarrer Gauck niemals: "Er wird mindestens 50 Predigen halten wollen."

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Berliner Journalisten müssen auch lernen: Mit wie vielen "o" schreibt sich Joachim Gauck? Antwort: Mit mindestens zwei, vielleicht auch drei. Denn in seinem Heimatort, dem Ostseebad Wustrow nahe seinem Geburtsort Rostock, rufen ihn die alten Freunde "Joochen". Oder auch "Jooochen".

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Familie Wulff ist weggezogen aus der Pücklerstraße 14 im vornehmen Berliner Viertel Dahlem. Sozusagen mit Kind und Kegel. Rund 900.000 Euro hatte der präsidiale Umbau der edlen Villa gekostet, die einst Kanzler Gerhard Schröder und danach Ex-Präsident Horst Köhler beherbergte. Im ersten Stock hatten sich die Wulffs eine Privatwohnung mit zwei kleinen Kinderzimmern einbauen lassen, im Dach ein Besuchszimmer für Wulff-Tochter Annalena aus dessen erster Ehe. Alles vorbei.

Denn ob Gauck dorthin zieht, ist offen. Noch lebt er in Berlin-Schöneberg in einem Mehrfamilienhaus im Jugendstil. Offen ist auch, ob er weiterhin zu seiner Friseurin Marie Henriette Schlack kommt, die ihm bislang alle vier, fünf Wochen sein "sehr schönes Haar" geschnitten hat. Sie verrät auch, was viele wissen wollen: "Er färbt es nicht." Er werde ihr treu bleiben, hat ihr Gauck vor zwei Jahren schon versprochen, gleichgültig, in welchem Amt er sei. Die Wulffs müssen sich derweil in Großburgwedel eingewöhnen, in jenem Klinkerhaus, dessen Finanzierung dazu beigetragen hat, dass er sein Amt verlor.


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