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Rede in Dresden AfD-Mann Höcke löst mit Kritik am Holocaust-Gedenken Empörung aus

Der AfD-Mann Björn Höcke will eine Abkehr von der Kultur des Erinnerns an die Nazi-Verbrechen in Deutschland
Der AfD-Mann Björn Höcke will eine Abkehr von der Kultur des Erinnerns an die Nazi-Verbrechen in Deutschland
© Michael Reichel/DPA
AfD-Politiker Bjön Höcke hat eine Abkehr von der Kultur des Erinnerns an Nazi-Verbrechen in Deutschland gefordert und damit Empörung ausgelöst. Höcke reagiert mit einer Stellungnahme.

Eine Rede von AfD-Mann Björn Höcke sorgt für große Aufregung in den sozialen Netzwerken. Der thüringische Fraktionsvorsitzende der Partei sprach am Dienstagabend auf Einladung der Jungen Alternative in Dresden vor einem kleinen Publikum und übte massive Kritik am Holocaust-Gedenken der Deutschen. In seiner Rede, die als Video im Netz kursiert, forderte Höcke eine Abkehr von der Kultur des Erinnerns an die Nazi-Verbrechen in Deutschland. Der 44-Jährige sagte, Deutschland müsse eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" vollziehen. Die "dämliche Bewältigungspolitik" lähme die Gesellschaft und müsse ein Ende finden. "Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat", sagte Höcke in Anspielung auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin. SPD, Grüne und der Zentralrat der Juden in Deutschland kritisierten Höcke scharf.

Bis jetzt sei der deutsche Gemütszustand der "eines brutal besiegten Volkes". "Anstatt die nachwachsende Generation mit den großen Wohltätern, den bekannten, weltbewegenden Philosophen, den Musikern, den genialen Entdeckern und Erfindern in Berührung zu bringen, von denen wir ja so viele haben,...vielleicht mehr als jedes andere Volk auf dieser Welt..., und anstatt unsere Schüler in den Schulen mit dieser Geschichte in Berührung zu bringen, wird die Geschichte, die deutsche Geschichte, mies und lächerlich gemacht", sagte Höcke.

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Kritik von vielen Seiten

Der sächsische Grünen-Chef und Jurist Jürgen Kasek, der am Dienstag eine Protestkundgebung vor dem Veranstaltungsort angemeldet hatte, will die Rede Höckes prüfen und schließt eine Strafanzeige wegen des Verdachts der Volksverhetzung nicht aus. Es sei relativ deutlich, dass sich Höcke "im Stil des Nationalsozialismus" verfassungsfeindlich geäußert habe. Deshalb könne man ihn im Grunde auch nicht mehr als Rechtspopulisten bezeichnen. Wenn man bedenke, was das Bundesverfassungsgericht am Dienstag über die NPD gesagt habe, dann treffe das auch auf Höcke zu. Die Richter hatten der NPD verfassungsfeindliche Ziele bescheinigt, sie aber nicht verboten. 

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Diether Dehm hat wegen Höckes Äußerungen Strafanzeige gegen den AfD-Politiker gestellt. Dies teilte Dehm am Mittwoch in Berlin mit. Höcke zeige, dass "Geschichtsrevisionisten und rechtsextreme Chauvinisten" bei der AfD ihr neues Zuhause finden sollten, erklärte der Linken-Politiker.

SPD-Vize Ralf Stegner sprach auf dem Kurznachrichtendienst Twitter von einer "Hetz-Rede" und forderte: "Null Einfluss für das Neonazipack!" Die Grünen-Vorsitzende Simone Peter nannte die Rede des AfD-Politikers "unsäglich". "Die AfD muss sich unmissverständlich davon distanzieren und sich bei unseren jüdischen Freundinnen und Freunden entschuldigen."

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, zeigte sich schockiert. "Die AfD zeigt mit diesen antisemitischen und in höchstem Maße menschenfeindlichen Worten ihr wahres Gesicht", sagte Schuster. "Dass 70 Jahre nach der Schoah solche Aussagen eines Politikers in Deutschland möglich sind, hätte ich nicht zu glauben gewagt".

Höcke selbst reagierte am Mittwoch auf die Kritik und schrieb in einer Erklärung, die Unterstellung, er habe "das Holocaust-Gedenken der Deutschen kritisiert" sei eine "bösartige und bewusst verleumdende Interpretation". Zweifellos müssten Deutsche sich ihrer " immensen Schuld bewusst sein". Diese sei ein "Teil unserer Geschichte". Aber eben "nur ein Teil".

Björn Höcke: AfD sei "inhaltliche Fundalopposition"

Höcke nannte die AfD eine "inhaltliche Fundalopposition", deren Kampf erst zu Ende sei, wenn man "51 Prozent in diesem Land erreiche". Nur der "vollständige Sieg der AfD" könne "das Land retten". Die Bundesregierung sei zu einem "Regime mutiert" und Angela Merkel verglich er mit dem ehemaligen Staatschef der DDR, Erich Honecker. Die Armee des Landes sei "von einem Instrument der Landesverteidigung zu einer durchgegenderten, multikulturalisierten Eingreiftruppe in Diensten der USA verkommen".

Die Deutschen seien ein "tief gespaltenes Volk" und "durch den Gebürtenrückgang erstmals in ihrer Existenz betont". "Ich will euch als Mütter und Väter." Nur so könne "unser Volk" eine Zukunft haben. Seine Partei sei "die letzte friedliche Chance für unser Vaterland".

"Dresden-Bombardierung vergleichbar mit Hiroshima"

Die Bombardierung Dresdens zam Ende des Zweiten Weltkriegs verurteilte Höcke als "Kriegsverbrechen, vergleichbar mit den Atombomben-Abwürfen über Hiroshima und Nagasaki". Die Angriffe auf deutsche Städte seien Versuche gewesen, "die Deutschen ihrer Identität zu berauben, sie mit Stumpf und Stiel zu vernichten und ihre Wurzeln zu roden". 

Der Auftritt Höckes war bereits am Dienstagabend von Protesten begleitet worden. Gut 200 Menschen versammelten sich vor dem Dresdner Ballhaus Watzke, wo der AfD-Politiker auf Einladung der Jungen Alternative Dresdens sprach. Ordner der asyl- und ausländerfeindlichen Pegida-Bewegung hatten den Einlass übernommen. Die Proteste blieben friedlich.

fin mit Agentur DPA

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