HOME

BUNDESPARTEITAG: Traum von Kanzlerkandidatur für Möllemann geplatzt

Schlappe für Jürgen Möllemann: Mit großer Mehrheit hat der Bundesparteitag der FDP die Aufstellung eines eigenen Kanzlerkandidaten abgelehnt.

Die FDP lehnt die Aufstellung eines eigenen Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2002 ab. Auf dem Parteitag in Düsseldorf stimmte eine große Mehrheit von rund 72 Prozent für einen Antrag des neuen Parteivorsitzenden Guido Westerwelle, auf einen eigenen Kanzlerkandidaten zu verzichten. Damit setzte sich Westerwelle gegen den nordrhein-westfälischen FDP-Chef Jürgen Möllemann durch, der sich vehement für diese Idee stark gemacht hatte.

»Strategie 18 Prozent« wird umgesetzt

In allen anderen Eckpunkten folgte der Parteitag dagegen der von Möllemann entworfenen »Strategie 18 Prozent«. Danach wird die FDP ohne Koalitionsaussage in den Wahlkampf 2002 ziehen und als Wahlziel 18 Prozent vorgeben. Dies hatte auch Westerwelle unterstützt. »Unser Ziel heißt 18 Prozent«, steht in dem Papier. Die FDP müsse so stark werden, dass »ohne sie keine Regierungsbildung möglich wird«.

Möllemann zeigte sich trotz des Verzichts auf einen Kanzlerkandidaten zufrieden. »Fußballerisch ausgedrückt habe ich gewonnen - mit einem Gegentor.« Westerwelle lobte Möllemann und dankte ihm für seinen Einsatz für die Wahlstrategie.

Schlagabtausch vor Abstimmung

Zuvor hatten sich Westerwelle und Möllemann ein Rededuell geliefert. In einer leidenschaftlichen Plädoyer warb Möllemann für seine umstrittene Forderung nach einem FDP-Kanzlerkandidaten. Dagegen warnte Westerwelle die Delegierten, die FDP könne damit an Glaubwürdigkeit verlieren. Wenn man 18 Prozent anstrebe, »dann weiß man auch, dass man mit 18 Prozent nicht den Kanzler stellen wird«.

Eigener Vorschlag Westerwelles

Der neue Parteichef Westerwelle verlangte eine klare Entscheidung der Delegierten zum Kanzlerkandidaten. »Ich bin dafür, dass man hier klar Schiff macht«, sagte er und unterbreitete einen eigenen Vorschlag: Er will zur nächsten Bundestagswahl lieber einen »Spitzenkandidaten« nominiert sehen. Laut Vorlage des Parteichefs soll die FDP »nicht für einen anderen Kanzlerkandidaten, sondern für unseren eigenen Spitzenkandidaten und für unser eigenes Spitzenteam« werben.

Pieper ruft zu Geschlossenheit auf

In ihrer Antrittsrede rief die neue FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper die Liberalen auf, alle Kräfte auf die Bundestagswahl 2002 zu konzentrieren. »Wenn wir das schaffen, werden wir unser Ziel erreichen - 18 Prozent für die Bundestagswahl.« Wie Westerwelle bekräftigte Pieper, die FDP solle eine Partei für das ganze Volk sein und drittstärkste Kraft in Deutschland werden. »Räumen wir mit den Vorurteilen auf, wir seien nur wählbar für bestimmte Einkommensschichten.«

Westerwelle neuer Parteichef

Wie erwartet, hatten die Delegierten gestern den bisherigen FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle zum neuen Parteivorsitrzenden gewählt. Er erhielt satte 89,4 Prozent der Stimmen. Der 39- jährige löste damit nach sechs Jahren Wolfgang Gerhardt ab, der sich auf den Fraktionsvorsitz im Bundestag beschränkt. Westerwelle ist der jüngste FDP-Parteichef im Nachkriegsdeutschland.

Streit zwischen Möllemann und Döring

Am Vorabend hatten Möllemann und der baden-württembergische FDP-Chef Walter Döring versucht, ihren Streit beizulegen. Döring hatte Möllemann wegen dessen Kanzlerkandidaten-Ambitionen als »größenwahnsinnig« bezeichnet. Nun sprach der baden-württembergische Wirtschaftsminister von einer »sehr guten und offenen Aussprache«. Mehrere Delegierte kritisierten in der Aussprache den Stil der Auseinandersetzung zwischen den beiden Kontrahenten. Der scheidende Parteichef Gerhardt bat um uneingeschränkte Unterstützung für seinen Nachfolger Westerwelle. Die Delegierten dankten Gerhardt mit lang anhaltendem Beifall für seine sechsjährige Arbeit an der Spitze der FDP.