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CDU-Vorsitz in Nordrhein-Westfalen: Wird Umweltminister Norbert Röttgen kandidieren?

Armin Laschet bestreitet eine gezielte Demontage des Bundesumweltministers Norbert Röttgen im Kampf um den Vorsitz der nordrhein-westfälischen CDU. Bislang ist Laschet der einzige Bewerber um den Posten. Röttgen äußerte sich noch nicht über eine Kandidatur.

Eigentlich galt seine Kandidatur für den NRW-Landesvorsitz der CDU als sicher. Nun bläst Bundesumweltminister Röttgen massiv Wind ins Gesicht. Auch sein moderater Kurs in der Atompolitik geht vielen in der Union zu weit. Eine brenzlige Lage für den Karrieremenschen.

Norbert Röttgen hat schon so manchen Berg in seiner Karriere erklommen. Nun steht der Bundesumweltminister vor einer der schwersten Etappen seiner Laufbahn: Soll er an die Spitze der CDU in Nordrhein-Westfalen als Nachfolger von Jürgen Rüttgers klettern? Während der 45-Jährige an einem See in Kärnten Urlaub macht und seine Chancen an Rhein und Ruhr auslotet, hat sich nicht nur in NRW erheblicher Widerstand gegen ihn formiert. In der Union wächst auch der Unmut über seinen moderaten Kurs in der Atompolitik. Der Karrieremensch, der als Vertrauter von Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel gilt, steht vor schwierigen Entscheidungen.

Der Jurist ist ein Modernisierer seiner Partei. In der fast schon legendären "Pizza-Connection" traf er sich in Bonn mit Grünen- Politikern. Als Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag von 2005 bis 2009 erwarb er sich Ansehen und Sympathie unter den Abgeordneten von CDU und CSU. Nur 2006 sorgte er mit seinem Versuch für Empörung, neben der Abgeordnetentätigkeit Lobbyist zu werden. Schließlich verzichtete Röttgen auf den Posten als Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie.

Als Fraktionsgeschäftsführer habe Röttgen die Abgeordneten viel besser "mitgenommen" als in seiner vorherigen Funktion des rechtspolitischen Sprechers, heißt es in der Fraktion. Da habe er sich so manches Mal arrogant verhalten. Als Geschäftsführer habe er dann mit seiner Fähigkeit beeindruckt, schwierige Komplexe zu analysieren. Mit seinem Wechsel ins Umweltministerium habe es wieder einen "Rückfall in alte Zeiten" gegeben. So sei Röttgen mit seinem Vorstoß zu "moderaten" Laufzeitverlängerungen von etwa acht Jahren für die Atomkraftwerke vorgeprescht, ohne sich um Unterstützung der eigenen Partei zu kümmern. Seit Gerüchten über einen Putschversuch gegen Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) 2009 ist Röttgen in der Fraktionsspitze "unten durch", sagen Insider.

Der Widerstand gegen Röttgens Atompolitik nimmt zu. Baden- Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) wirft ihm vor, ständig gegen Absprachen zu schießen. Er legte ihm sogar schon den Rücktritt nah. Röttgen kontert: "Im Koalitionsvertrag haben wir festgelegt, dass es Laufzeitverlängerungen geben soll, insoweit sie notwendig sind als Brücke, bis die Kernenergie durch erneuerbare Energien ersetzt werden kann."

Nach der Wahlschlappe für Rüttgers bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai und dessen angekündigtem Rückzug als Landeschef liebäugelte Röttgen damit, die dort einflussreiche CDU zu führen. Mitten in die Urlaubsruhe platzte dann der Auftritt der drei Männer, die in NRW künftig den Ton angeben wollen. CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann präsentierte mit CDU-Generalsekretär Andreas Krautscheid den Kandidaten für den Spitzenposten: Armin Laschet. Das ist eine Kampfansage gegen Röttgen, zumal sie ihn kalt erwischte.

Röttgen grübelt noch. Das ist ein Manko des bisherigen CDU- Hoffnungsträgers: Er ist nicht bekannt für flammende Reden, seine Sprache ist nüchtern. Außerdem ist der gebürtige Rheinländer als Bundesumweltminister weit weg von NRW - vielleicht zu weit weg.

Für ihn haben sich bisher Ex-CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz und der CDU-Bundestagsabgeordnete Patrick Sensburg ausgesprochen. Ob das reicht? Röttgen setzt auf eine Mitgliederbefragung. "Wenn der Neuanfang gelingen soll, dann muss er von der gesamten Partei getragen sein", sagt er.

Das Rennen um den Posten des Bezirkschefs der CDU Mittelrhein hatte Röttgen 2009 für sich entschieden - gegen Krautscheid. Nun ist die Frage: Hat er auch gegen den Ex-NRW-Integrationsminister Laschet eine realistische Chance - oder wäre die Kandidatur ein zu hohes Risiko? Denn würde Röttgen antreten und verlieren, wäre seine Stellung in der Union empfindlich beschädigt. Gewinnt er, hätte der Reformer Rückenwind für seine weitere Karriere.

Marc-Oliver von Riegen und Kristina Dunz, DPA / DPA