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CDU-Vorstand: Neue Männer für Merkel

Auch ohne Ole von Beusts Rückzug hat Angela Merkel bei der Rekrutierung von neuem Spitzenpersonal schon genug zu tun. Drei Stellvertreter müssen gesucht werden, die Suche läuft bereits auf vollen Touren.

Nach den Abgängen von nun sechs Ministerpräsidenten aus den eigenen Reihen stehen auch an der CDU-Spitze um Parteichefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel Veränderungen an. Die Vorsitzende muss sich nach dem Weggang von Christian Wulff in Niedersachsen, Roland Koch in Hessen und Jürgen Rüttgers in Nordrhein-Westfalen bis zum Parteitag im Herbst drei neue Stellvertreter suchen.

Die Abstimmung in den Landesverbänden läuft bereits auf Hochtouren, mehrere Namen kursieren. Weil die Christdemokraten stark föderal organisiert sind, erheben die Bundesländer mit den größten Landesverbänden - Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Hessen - traditionell Anspruch auf die Vize-Posten.

Seit der frühere niedersächsische Ministerpräsident Wulff Ende Juni ins Amt des Bundespräsidenten wechselte, ist sein Stuhl im Präsidium leer. Aus Niedersachsen könnten der neue Regierungschef David McAllister oder Arbeitsministerin Ursula von der Leyen an Merkels Seite rücken. Der erst 39-jährige Ministerpräsident könnte seiner Parteikollegin wegen ihrer größeren bundespolitischen Erfahrung den Vortritt lassen. Unklar ist, ob es bei der Parteibasis gut ankäme, wenn mit von der Leyen, Merkel und der einzig verbliebenen Parteivize, Bildungsministerin Annette Schavan, gleich drei Frauen an der CDU-Spitze stünden.

Unklare Lage in NRW

Als Nachfolger Kochs wird der neue hessische CDU-Chef und designierte Ministerpräsident Volker Bouffier gehandelt. Der langjährige hessische Innenminister ist bundespolitisch bislang kaum in Erscheinung getreten, im Wiesbadener Landtag muss er sich wegen möglicher Rechtsverstöße noch vor einem Untersuchungsausschuss verantworten. Aus Baden-Württemberg hat sich Ministerpräsident Stefan Mappus durch seine beharrlichen Forderungen in der Debatte um die Atom-Laufzeiten häufig auf Bundesebene eingeschaltet - sich aber mit seiner Kritik an der Bundesregierung auch nicht nur Freunde gemacht. Ob er als Merkels Stellvertreter ins Präsidium einziehen könnte, hängt auch von Schavan ab - zwei Vize aus Baden-Württemberg wären einer zuviel.

Unklar ist die Lage in Nordrhein-Westfalen: Der gerade zum Fraktionsführer im Landtag gewählte Karl-Josef Laumann hat laut Presseberichten Ambitionen auf den Vizeposten eine Absage erteilt - obwohl Beobachter den bodenständigen Vorsitzenden der Arbeitnehmervereinigung CDA für geeignet halten, den Ruf der CDU als Volkspartei zu festigen. Entscheidend dürfte sein, wen die NRW-CDU am 2. Oktober zum Nachfolger des zurückgetretenen Landeschefs Rüttgers wählt. Als mögliche Bewerber werden der Generalsekretär Andreas Krautscheid und Ex-Integrationsminister Armin Laschet gehandelt. Ob vielleicht sogar Bundesumweltminister Norbert Röttgen oder Kanzleramtsminister Ronald Pofalla für den Landesvorsitz kandidieren, ist noch offen.

Forderungen vor allem von Christdemokraten in den östlichen Bundesländern, den sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich zum Merkel-Stellvertreter zu küren, dürften wegen des Einflusses der mitgliederstarken Landesverbände im Westen schwer durchsetzbar sein. Tillich selbst hatte zudem zuletzt mehrfach betont, kein Interesse an dem Posten zu haben.

ben/APN / APN