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CSU-Generalsekretär Söder: Karrieregeil auf Stoiber komm raus

Sein Chef tritt bald ab. Deshalb kämpft CSU-General Markus Söder - der Kettenhund Stoibers - verzweifelt um seine Karriere. Dafür ist ihm jedem Mittel recht. Obwohl ihm auch Parteikollegen raten: Öfter mal nachdenken und dann reden.

Von Hans-Peter Schütz

Peter Ramsauer eierte. Die Fragen, die den Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe im Bundestag beim Weißwurst-Frühstück mit Journalisten ins Schleudern brachten, zielten alle auf eine Person: Markus Söder, Generalsekretär der CSU. Der hatte getönt: Wenn Bundespräsident Horst Köhler den Terroristen Christian Klar begnadige, sei dessen Wiederwahl für eine zweite Amtszeit für die CSU fraglich.

Nein, sagte Ramsauer, er wolle Söder nicht weiter kommentieren. Und zitierte stattdessen lieber Schiller: "Kaum ist ihm das Wort entfahren, wollte er es im Busen gern bewahren." Aber es gelte nun einmal: "Raus ist raus - Pech gehabt." Nächste Frage: Sei einer wie Söder auch für den künftigen neuen CSU-Chef tragbar? Ramsauer: "Die Frage stellt sich für den neuen Parteichef." Noch 'ne Frage: Ist denn der Generalsekretär der CSU nicht das Sprachrohr des CSU-Chefs? Antwort: "Überwiegend ja". Und dann barmte Ramsauer um Nachsicht: "Es sind heute lauter so schwierige Fragen."

"Was sich reimt, ist wahr"

Man kann Peter Ramsauer verstehen. Er gilt als einer, der freiwillig CSU-Generalsekretär Markus Söder niemals die Hand geben würde. Aber wie sollte er sich an diesem Tag auch öffentlich zu seiner Abneigung bekennen, zumal in der Frühstücksrunde stets auch ein vorgeschobener Beobachter von Edmund Stoiber am Tisch sitzt, der anschließend alles Gesagte brühwarm nach München durchtelefoniert.

Solche Probleme im ehrlichen Umgang mit Söder hat der bayerische Sozialdemokrat Florian Pronold nicht. Er spricht für die bayerischen Genossen im Bundestag und kommentierte Söders Attacke aufs Staatsoberhaupt mit einem bekannten Kalauer. "Was sich reimt, ist wahr." Und dieser Reim geht so: Was ist die Steigerung von blöd? Blöd, blöder, Söder. Und von der Mitverantwortung für Söders Gerede könne sich Stoiber nicht freisprechen. Schließlich werde der "General" ja stets vom Parteichef vorgeschlagen. Pronold: "Söder ist Stoiber als dessen Kettenbund zuzurechnen." Und wie im wirklichen Leben sei nicht der Hund zu bestrafen, wenn der zubeiße, sondern der Hundebesitzer.

Man kann die CSU-Oberen verstehen, dass sie zum Parteifreund Söder so auf Distanz gehen. Kaum einer mag ihn. Denn er hat schon zu viel Unsinn geredet, der selbst in der CSU nicht gut ankam, in der ansonsten das kernige Wort geschätzt wird. Mal forderte er, Deutsch müsse UNO-Amtssprache werden. Mal sollten Arbeitgeber die E-Mails ihrer Arbeitnehmer kontrollieren dürfen. Schwarzfahrer wollte er im Internet veröffentlicht sehen, wer im Internet Pornos gucke, müsse in einem Zentralregister notiert werden, wer Straffreiheit für Cannabis-Konsum verlange wie die grüne Bundestagsfraktion, müsse zum Drogentest geführt werden und Jugendliche unter 14 Jahren müssten mit einem Ausgehverbot belegt werden. Undsoweiter, undsoweiter.

Fallbeil und Fallbeilchen

Dass Stoiber dennoch so treu zu seinem hemmungslos populistischen Lautsprecher gehalten hat, ist nur schwer verständlich. Das "schwarze Fallbeilchen" diene eben dem "blonden Fallbeil" hemmungslos, zuckten andere CSU-Politiker mit den Schultern. Söder wolle Karriere machen, auf Stoiber komm raus. Und jetzt, da Stoiber im September gehen müsse, suche Söder verzweifelt danach, sich beim neuen Parteichef zu profilieren, ob der nun Horst Seehofer oder Erwin Huber heiße. Und wenn er dennoch den Posten des Generalsekretärs räumen muss, will Söder wenigstens einen Platz im Kabinett des neuen Ministerpräsidenten Beckstein ergattern. Am liebsten wäre er neuer Umweltminister.

Ob das jedoch klappt, ist mehr als ungewiss. Denn der mit 1,94 Meter groß gewachsene Söder neigt dazu, Körpergröße mit politischer Größe zu verwechseln. In der bayerischen CSU-Fraktion ist er ebenso unbeliebt wie in der Berliner CSU-Landesgruppe. Zu oft schon hat er in den Augen der Parteifreunde vor Kameras und Mikrophonen die "Klappe zu weit aufgerissen, ohne etwas Gescheites zu sagen."

Der gebürtige Nürnberger und studierte Jurist Söder wechselte direkt von der Uni in den bayerischen Landtag, krallte sich die Junge Union in Bayern als Bühne und ließ fast jeden, der es nicht wissen wollte wissen, dass er irgendwann bayerischer Ministerpräsident werde. Dieses Ziel fest im Auge hat sich Söder seinem Stoiber bedingungslos ausgeliefert. War sich auch nicht zu schade, bei Stoibers Kanzlerkandidatur 2002 für den Chef in den italienischen Badeorten bei Urlaubern zu werben.

Es hat Gewicht, dass Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel Söder jetzt barsch mitgeteilt hat, er hätte besser geschwiegen und das Urteil von Köhler abgewartet. Gewicht deshalb, weil Goppel Vorgänger Söders auf dem Stuhl des Generalsekretärs war. Und Goppel gab Söder gewichtigen Rat: Öfter mal erst nachdenken und dann reden. Dies ist zugegebenermaßen nicht leicht, wenn man bisher Karriere als Bauchredner Stoibers gemacht hat.