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CSU-Generalsekretär: Wer wird Söders Nachfolger?

Noch ist nicht klar, wie lange CSU-Generalsekretär Markus Söder in seinem Amt verbleiben wird. Wechselt ihn der neue Chef sofort aus? Oder muss er noch die anstehenden Wahlkämpfe organisieren? Einerlei. Heiße Kandidaten für die Söder-Nachfolge gibt es schon jetzt. stern.de stellt sie vor.

Von Hans Peter Schütz

Georg Fahrenschon

Georg Fahrenschon: Allzweckwaffe mit passendem Kaliber

Hinter ihm in der Bücherwand seines Bundestagsbüros steht ein gerahmtes Foto von Franz Josef Strauß. Handsigniert. Daneben ein Pappmaché-Kopf von Helmut Kohl. Aus Gaudi? "Ja mei," sagt Georg Fahrenschon und lacht, "dös passt scho." Und wo ist der Stoiber? "Der ist ja noch im Amt."

Man darf darauf größere Summen wetten: Der Stoiber steht dort auch nicht, wenn er demnächst nicht mehr Ministerpräsident ist. Zur Heldenverehrung, FJS ausgenommen, taugt der Abgeordnete Fahrenschon nicht. Zu jung dafür, zu selbstbewusst. Einer der wenigen, der jemals gegen Stoiber rebelliert hat, zum Beispiel als der das Gesundheitskonzept der Schwesterpartei CDU pauschal abgelehnt hat. Den Aufstand hatte die "Junge Gruppe" der CDU/CSU-Fraktion organisiert, in der Fahrenschon auf CSU-Seite der führende Kopf ist.

Ein maßgeschneiderter Kandidat

Eigentlich ist Fahrenschon maßgeschneidert als Generalsekretär für einen CSU-Chef Erwin Huber. Mit 39 Jahren noch - politisch gesehen - wirklich ein Junger. Andererseits im Geschäft alt gedient. Der studierte Finanzwissenschaftler ist seit 20 Jahren in der CSU. Besser noch: Er war 18 Jahre Mitglied der Jungen Union, saß lange im Bundesvorstand der Nachwuchsriege, amtierte acht Jahre lang als deren stellvertretender Parteivorsitzender.

Besser vernetzt in der Gesamtunion als Fahrenschon dürfte kaum einer sein. Ob Roland Koch, ob Christian Wulff oder Günther Oettinger - er kennt sie alle. Oberbayer ist der im Wahlkreis München-Land 2002 direkt in den Bundestag gewählte CSU-Abgeordnete obendrein. Und die Oberbayern sind jetzt dran mit Parteiämtern, nachdem die CSU künftig von Niederbayern und Franken dominiert wird.

Oder muss Huber eine Frau bringen?

Fahrenschon ist stellvertretender Chef der CSU-Grundsatzkommission, die auf dem bevorstehenden Parteitag ein neues Programm vorlegt. Er kennt sich aus bei den Parteifinanzen, denn er war schon Schatzmeister der CSU-Oberbayerns. War in der Kommunalpolitik als Gemeinderat und Kreisrat unterwegs. Sitzt in Berlin im Finanz- und Haushaltsausschuss. Gehört zur "Jungen Gruppe" der Unionsfraktion, die sich vor allem querlegt bei politischen Entscheidungen auf Kosten kommender Generationen. Das Parteiblatt Bayernkurier hat ihn schon einmal als "Markführer junger Politik" geadelt.

Kein Zufall, dass er jetzt erneut im Zentrum der Spekulationen über die Person des neuen Partei-Generals steht. Das war schon einmal der Fall, nach der Bayernwahl 2003. Doch damals ist Markus Söder der Absprung ins neue Kabinett nicht geglückt. An Söder dürfte es dieses Mal nicht scheitern. Huber wird Stoibers "Hofsänger" nicht übernehmen. Fahrenschon wäre sein idealer Mann. Einer mit Bundes- und Parteierfahrung. Einer der - wie fast alle in der Berliner CSU-Landesgruppe - Horst Seehofer als CSU-Chef ablehnen. Zu dessen Argument, Huber fehle bundespolitische Kompetenz, sagt Fahrenschon: "Wer das behauptet, sagt auch, Michael Schumacher habe keine Ahnung vom Autofahren."

Trotzdem: Ob er es wirklich wird, hängt an zwei Faktoren. Erstens, ob Huber nicht eben doch eine Frau bringen muss, weil die CSU-Frauen seit langem mehr Repräsentanz in der Führung fordern. Zweitens, ob Fahrenschon nicht an anderer Stelle dringlicher gebraucht wird. Denkbar ist nämlich auch, dass Huber ihn zu seinem Staatssekretär im Finanzministerium macht und ihn für die Führung der Parteigeschäfte im Ministerium entlastet. Für Fahrenschon wäre das natürlich auch eine Option. 2009, wenn Huber wie angekündigt nach Berlin wechselt, wäre für ihn sein Traumjob als bayerischer Finanzminister frei.

Ilse Aigner

Ilse Aigner: Farbtupfer in der Männerpartei CSU

Genannt worden für höhere Ämter ist sie schon oft. Tatsächlich angekommen ist sie dort bisher nie. Dabei ist Ilse Aigner ein Blickfang. Sei es, dass die 42-jährige CSU-Politikerin auf ihrer Homepage bei ihrer früheren Arbeit als Elektrotechnikerin mit rosarotem Röckchen an einem TV-Antennenmast auf hohem Hausdach herumturnt. Sei es, dass sie im Plenum des Bundestags spricht, dem sie seit 1998 angehört. Sie sieht genau so aus, wie man sich die durchschnittliche CSU-Volksvertreterin nicht vorstellt. 1 Meter 80 groß und schlank, gut trainierte Inline-Skaterin, einst Erfinderin eines nächtlichen Disco-Überlandbusses, fährt gerne mit dem Rad durch Berlin. So lange sie Politik macht - und dies seit mehr als 20 Jahren - trat sie stets mit der Devise in der CSU an: "Da darf der Frauenanteil noch verbessert werden."

"Das schönste Gesicht der CSU"

Politische Erfahrung spricht ihr niemand ab, zumal sie vor ihrer Zeit als Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Starnberg, Bad Tölz, Wolfratshausen (ganz nahe an Stoibers also) auch schon vier Jahre im bayerischen Landtag aktiv war. Sie ist stellvertretende Vorsitzende der CSU-Landesgruppe und Bildungs- und Forschungspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Auch sie kennt die Basis in Bayern, ist Oberbayerin, sitzt im CSU-Parteivorstand, ist stellvertretende Bezirksvorsitzende der CSU Oberbayern. Vor allem aber ist die attraktive Frau - Die Neue Revue: "Das schönste Gesicht der CSU" - ein Wählermagnet: Sie erreichte bei der Bundestagswahl 2002 mit 63,3 Prozent das beste Erststimmenergebnis aller Frauen, bundesweit. 2005 kam sie auf 59,6 Prozent.

Sie fremdelt ganz gewiss nicht in der noch immer männerlastigen Politik-Welt Berlins und Bayerns. "Wenn manche Männer gucken wollen," sagt sie selbstbewußt, "bitte sehr!" Wie man mit den Kerlen richtig umspringt, hat sie bereits in der Technikschule in Rosenheim bei ihrer Ausbildung zur Elektrotechnikerin gelernt. Als einzige Frau unter 120 männlichen Lehrern und Schülern. "Da wusste ich bald, wie bei Männern der Strom fließt. Das ist eine Frage des Instinkts. In der Politik ist es nicht anders."

Beckstein und die Frauenquote

Ob er ihr Instinkt bei der Berufung ins Amt des CSU-Generalsekretärs helfen wird, steht allerdings dahin. Da spielen taktische Überlegungen auch eine erhebliche Rolle. Ihre Chance gegen Fahrenschon hängt zunächst einmal davon ab, welches Gewicht das Argument "Frau" beim künftigen Parteichef Huber annimmt. Bekommt der Ruf nach besserer weiblicher Präsenz in der CSU-Spitze so viel Gewicht, dass er Ihr aus diesem Grunde schon den Vorzug geben muss? Vom neuen Ministerpräsidenten Günther Beckstein kennt man die künftige Zusammensetzung des Kabinetts noch nicht, aber es sieht nicht danach aus, als ob er die Frauenquote dramatisch erhöhen würde. Sicher ist nur, dass Beate Merk und Barbara Stamm stellvertretende Parteivorsitzende bleiben. Offen ist, ob das schon den Druck von Huber nimmt, eine Frau zur Generalin zu machen.

Von Gewicht bei der Entscheidung dürfte zudem die Frage sein, wem er die effektive Vertretung seiner Interessen in Berlin eher zutraut - Aigner oder Fahrenschon? Ilse Aigner genieße, so das CSU-interne Geflüster, die stille Sympathie von CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer und Noch-Generalsekretär Markus Söder. "Die glauben beide, bei ihr als Generalsekretärin könnten sie leichter mitmischen."

Christine Haderthauer

Christine Haderthauer

Aber selbst wenn die Frauen-Komponente das größere Gewicht bei einem möglichen Parteichef Erwin Huber bekommt, ist Ilse Aigner noch nicht als oberste Partei-Managerin gesetzt. Vertraute des kommenden CSU-Chef glauben nämlich eine Alternative nach dem Geschmack Hubers zu kennen: Genannt wird da die Ingolstädter Rechtsanwältin und CSU-Landtagsabgeordnete Christine Haderthauer. Eine Frau, die stark in der einflussreichen Parteigliederung der Frauen-Union verankert ist. Und Oberbayerin ist die 44-Jährige obendrein auch.