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Debatte nach Reaktor-Katastrophe Baden-Württemberg überprüft seine Atomkraftwerke


Baden-Württemberg reagiert schnell, es ist schließlich Wahlkampf. Bereits heute lässt das Land seine Atomreaktoren in Philippsburg und Neckarwestheim überprüfen. SPD-Spitzenkandidat Nils Schmid will im Falle eines Regierungswechsels die beiden ältesten Atommeiler des Bundeslandes bis Jahresende abschalten.

Nach den Atomunfällen in Japan ist in Baden-Württemberg ein Expertenteam auf dem Weg, um die beiden Kernkraftwerke des Landes einer Sonderprüfung zu unterziehen. Dem Team gehören Inspektoren des Umweltministeriums und externe Fachleute an, wie ein Ministeriumssprecher am Montag sagte. Im Mittelpunkt der Besuche eines Inspekteurs des Umweltministeriums und eines externen Experten in Neckarwestheim und anschließend in Philippsburg stehe die Notstromversorgung, sagte ein Sprecher von Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) in Stuttgart.

Unter die Lupe nehmen die Fachleute insbesondere die Sicherheitsnetze für den Fall, dass die reguläre Stromversorgung ausfällt. Der Sprecher wies darauf hin, dass bei den japanischen Meilern die Notstromaggregate nicht durch das Erdbeben, sondern wegen des Tsunamis ausgefallen seien.

Begleitend wird im Südwesten eine fünfköpfige Expertenkommission eingesetzt, die im Laufe des Montags komplettiert werden soll. Sie soll analysieren, was in Fukushima passiert ist und ob es in den Südwestmeilern Fehlerquellen gibt. Mitglieder der Kommission sind unter anderen die ehemaligen Vorsitzenden der Reaktorsicherheitskommission, Klaus-Dieter Bandholz (Energiesysteme Nord) und Michael Sailer (Öko-Institut Darmstadt). "Sollte sich eine bisher nicht bekannte Fehlerquelle herausstellen, werden alle nötigen Konsequenzen vorbehaltlos gezogen", kündigte CDU-Ministerpräsident Stefan Mappus an.

Der baden-württembergische SPD-Spitzenkandidat Nils Schmid will im Falle eines Regierungswechsels die beiden ältesten Atommeiler in dem Bundesland bis Jahresende abschalten. Er wolle dafür alles in Bewegung setzen, sagte Schmid der "Rheinischen Post". Betroffen davon wären die Reaktoren Neckarwestheim I und Philippsburg I. "Wir müssen den Schröderschen Atomausstieg konsequent fortsetzen, weil die Risiken der Atomkraft eben nicht beherrschbar sind, wie das traurige Beispiel im Hightech-Land Japan zeigt", sagte der SPD-Politiker. Nach einem Regierungswechsel werde sich Baden-Württemberg der Verfassungsklage der SPD-regierten Länder gegen die Verlängerung der Atomlaufzeiten anschließen. In Baden-Württemberg wird am 27. März gewählt.

Auslöser der deutschen Debatte ist die Atomkatastrophe in Japan. In mehreren Kraftwerken versuchen Techniker, den Austritt von Strahlung zu verhindern. Die Kühlung in den betroffenen Meilern fiel nach dem Erdbeben und einem verheerenden Tsunami aus.

cjf/DPA/Reuters DPA Reuters

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