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Der politische Abwasch der Woche FCB, Rüttgers und ein Wallraff-Vergleich


Im Mai droht der Doppel-GAU: Bayern könnte Meister werden und Jürgen Rüttgers wieder Ministerpräsident. Und ist es Zufall, dass Giorgos Papandreou aussieht wie Günter Wallraff? Zeit für den Abwasch.
Von Andreas Hoidn-Borchers

Langsam wird's ernst, ziemlich ernst, und ehe die Katastrophe am 8. Mai eintritt (nein, Herr Rüttgers, das ist kein Tippfehler, hier geht es nicht um Sie und Ihre komische Wahl einen Tag später, hier geht es um wirklich wichtige Dinge!), bevor sich wieder die halbe Nation griesgrämig ins scheinbar unvermeidliche Schicksal fügt, wollen wir doch noch eine Warnung loslassen, ein "Letztes Wort an alle". Und zwar in den unübertroffenen Worten des großen deutschen Dichters Thomas Gsella: "Wenn Bayern wieder Meister wird,/dann hör ich auf zu dichten/und werde kühl und ungeniert/die ganze Welt vernichten.//Kurzum: Wenn Bayern Meister wird,/dann kommt auch meine Stunde./Dann wird der Globus ausradiert, und ihr geht vor die Hunde.//Drum macht, dass es ein andrer wird./Sonst lass ich's Schreiben bleiben/und werde kühl, doch passioniert/euch allesamt entleiben."

Und das will doch hoffentlich keiner. Na also! Wenn das mal geklärt ist, können wir uns ja wieder dem üblichen Alltagswahnsinn widmen.

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Wir neigen ja nicht zu Verschwörungstheorien, wir nicht!, aber wenn wir Guido Westerwelle wären, würden wir uns jetzt doch schon mal ein paar Gedanken machen. Darüber zum Beispiel, dass die Kanzlerin den Griechen zwar eigentlich kein Geld geben will, jedenfalls kein deutsches, aber den griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou außerordentlich schätzt. Dass dieser Papandreou jetzt aber doch EU-Hilfen beantragt hat, die er wohl auch kriegen wird, und der deutsche Anteil daran 16,8 Milliarden Euro ausmachen soll, was in etwa genau jener Summe entspricht, die die FDP für ihre Steuerreform eingeplant hatte… Sollen wir mal einen Tipp abgeben, was damit jetzt passieren wird? Na? Soll jedenfalls keiner sagen, wir hätten ihn nicht gewarnt.

Im Übrigen könnte es sich durchaus mal lohnen, diesen Herrn Papandreou etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Man muss sich nur mal diesen Schnauzer angucken, das energische Kinn, die tiefgefurchten Stirnfalten, die großen abstehenden Ohren und die breite Schneise im Haupthaar - fehlt nur noch der Afro und die Schuhwichse im Gesicht und schon haben wir Kwami Ogonno vor uns, aus "Schwarz auf Weiß". Oh ja, wir erkennen unseren Günter Wallraff, wenn wir ihn sehen! Alter Grieche! Der Mann, der Giorgos Papandreou war.

Vielleicht kann sich Westerwelle doch wieder entspannen. Von wegen Finanzkrise. Alles nur Rollenreportage. Demnächst erscheint wahrscheinlich ein neues Wallraffwerk: Ganz unten. Teil zwei.

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Wer über Geld redet, kann über Kohl nicht schweigen. Eine Million Euro wird er am Montag bekommen. Wir wissen nicht, wie: ob per Scheck, per Überweisung oder bar im Koffer. Wir wissen nur, wofür: weil er sich "vorbildlich und erfolgreich um die Achtung, Förderung und den Schutz der Menschenwürde und Menschenrechte verdient gemacht" hat. Sagt wer? Sagt die Roland Berger Stiftung, die den "Roland Berger Preis für Menschenwürde - zur Förderung eines friedlichen Miteinanders in der Welt" vergibt.

Wir aber sagen: Recht so! Es gibt auch den Schutz der Menschenwürde illegaler Parteispender und ein Menschenrecht auf Verschweigen, das gewürdigt und gepriesen gehört.

Helmut Kohl kann am Montag leider nicht nach Berlin reisen, um den Preis entgegenzunehmen. Aber er hat einen würdigen Vertreter gefunden: Roland Koch, der sich in zahlreichen Wahlkämpfen um das friedliche Miteinander zum Beispiel von Migranten und Einheimischen in Deutschland, äh, bemüht und sich um die hessische CDU-Kasse verdient gemacht hat. Aber wahrscheinlich hat sich einfach kein anderer getraut. Keine cojones, wie Oliver Kahn gesagt haben würde.

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Und schwupps, wie Angela Merkel sagen würde, schwupps landen wir dann doch noch bei Jürgen Rüttgers. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident, der nun gar keine Ähnlichkeit mit Wallraff aufweist, agiert momentan nach der Devise: Es genügt nicht, einen Haufen Fehler zu machen, man muss auch dafür sorgen, dass die Leute es merken. Kein Tag, an dem Rüttgers seinen Kampf um die Wiederwahl nicht dadurch erschwert bekäme, dass ihm einstige oder aktuelle Mitarbeiter, denen er mal auf die Füße gelatscht ist, "eins auf die Omme geben" (um mal den Sprachgebrauch des Hauses zu zitieren) und Geschichten, in denen ihr Chef keine ganz so gute Figur macht, an die Presse durchstechen. Sponsoring, interne Mails, Affärchen. So 'n Zeug. Muss man nicht haben, im Wahlkampf schon zweimal nicht. Und erst recht nicht, wenn der ohnehin durch das schwarz-gelbe Tohuwabohu in Berlin gestört wird.

Erinnert sich übrigens noch jemand an Rüttgers' Landsmann, Leidensgenossen und Vornamensvetter Jürgen Wegmann? Die "Kobra" aus dem Kohlenpott, "giftiger als die giftigste Schlange". Wegmann gehört zu der etwas älteren Generation der Fußballer, die in den Füßen haben, was sie nicht im Kopf haben müssen. Er hat mal einige Jahre beim FC Bayern gekickt und ein paar schöne Tore geschossen. Später hat ihm Uli Hoeness einen Job als Lagerist in einem Bayern-Fanshop verschafft. Das wird Rüttgers mal nicht nötig haben. Unsterblich gemacht hat sich Wegmann allerdings nicht mit seinen Treffern, sondern mit einem einzigen Satz. Der Satz ins Hochphilosophische lappende Satz lautet: "Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu."

Manchmal ist nach dem Spiel eben doch am schönsten. Und jetzt alle: Wenn Rüttgers, tschuldigung: Bayern wieder Meister wird...


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