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Künftige Staatsministerin Bär: Zwischen Flugtaxis und digitaler Revolution: Die Frau, die den Männerverein CSU aufwühlt

Dass ausgerechnet der Männerverein CSU nun eine junge Fachfrau für die digitale Zukunft des Landes stellt, damit muss so mancher noch zurechtkommen. Dorothee Bär hat viel vor. Und im Kanzleramt ist sie auch schon.

Künftig als Staatsministerin fürs Digitale zuständig: Dorothee Bär

Künftig als Staatsministerin fürs Digitale zuständig: Dorothee Bär

Wer etwas über den Charakter der designierten Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär, erfahren will, der kann einen kleinen Eindruck - standesgemäß - in den sozialen Medien erhaschen. Kaum war die CSU-Politikerin als Fachfrau für die digitale Zukunft des Landes vorgestellt worden, kamen auch schon erste ironische Mails: "Twittern reicht also aus um Staatssekretärin für Digitalisierung zu werden. Postenbeschaffung vom Feinsten", ätzte da ein Twitter-User. "Nö", blieb @DoroBaer ebenso gelassen wie souverän, "Facebook und Instagram braucht's schon auch." Das Ganze noch versehen mit einem Zwinker-Smiley.


Nur eine kleine Twitter-Episode, doch aus ihr spricht eine Haltung, an die sich so mancher bei Politikern wohl erst noch gewöhnen muss. Dorothee Bär, Jahrgang 1978, ist keine Fremde in der digitalen Welt. Ihre Twitter-, Facebook- und Instagram-Accounts unterhält sie nicht, weil man das als Politiker heutzutage wohl so machen muss. Ein digitales Leben, das führt sie ganz offensichtlich auch selbst, rutscht nicht, wie manch anderer, mit der Maus aus oder schiebt Mitarbeiter vor, sondern gibt auch schon Mal persönliche Einblicke in ihr Politikerinnendasein. Und nein, sie wurde nicht einfach mal so zur Staatsministerin für Digitales ernannt. Bär ist mit dem Thema schon seit Jahren beschäftigt - zuletzt als Staatssekretärin im Verkehrsministerium, wobei unter Alexander Dobrindt in Sachen Digitalisierung allerdings eher wenig voranging. Jetzt macht sie im Staatsministerinnen-Status weiter, und zwar angesiedelt bei der Kanzlerin.


Dorothee Bär - schon im Kanzleramt angekommen

Wenn man so will, ist die gebürtige Bambergerin also schon im Zentrum der Macht angekommen. Gekommen, um zu bleiben? Dorothee Bär könnte zu solchen Andeutungen sicher einen treffenden Kommentar abgeben. So wie zu ihrer nun anstehenden Arbeit, der flächendeckenden Digitalisierung des Landes. Das ist zweifellos eine der wichtigsten Aufgaben für die neue Groko. "Ich hab das spannendste Thema von allen. Ich bin da wirklich so, dass ich sag', die Aufgabe ist so riesig, und wenn die Aufgabe leicht wär', hätt's ja auch ein Mann machen können." Rums! So gesprochen in der "Aktuellen Stunde" des WDR und dabei sehr treffend, aber auch sehr charmant allen einen mitgegeben - Parteifreund und Ex-Chef Alexander Dobrindt, ihrer Partei und all' den Schnarchnasen, die die digitale Zukunft Deutschlands und die Gleichberechtigung zudem bisher aufgehalten haben.


Wer so redet, der muss auch liefern. Ganz besonders in diesem Bereich, den nicht wenige lieber als Ministerium gesehen hätten als das Thema Heimat, das bei ihrem Partei-Chef Horst Seehofer angesiedelt wurde. Es wäre eine Überraschung, wenn der 39-jährigen Fränkin nicht bewusst wäre, dass sie ganz besonders im Fokus stehen wird. Entsprechend selbstbewusst drückt sie auf die Tube. In ihrem neuen Amt wolle sie dazu beitragen, dass "Deutschland nicht nur eine erfolgreiche Industrienation bleiben kann, sondern auch eine erfolgreiche Digitalnation werden wird", will Bär jenes "Neuland", von dem die Kanzlerin einst etwas fremdelnd sprach, auf Vordermann bringen.


Auf in die digitale Champions Legaue

Auf der To-Do-Liste stehen eine "flächendeckende digitale Infrastruktur von Weltklasse", "mehr Sicherheit im Cyberraum" und "mehr Bürgernähe durch eine moderne, digitale Verwaltung". Kurz: Deutschland soll in der digitalen Champions League spielen, so wie ihr Lieblingsclub Bayern München in der Champions League spielt. Eine Herkulesaufgabe für die neue Bundesregierung.

Dorothee Bär, der nicht nur vom Digitalverband Bitkom bescheinigt wird, "eine ausgewiesene Kennerin der Materie" zu sein, dürfte das sehr bewusst sein. "Auf geht's!", möchte man ihr zurufen - zumal sie als Staatsministerin weder ein eigenes Ministerium noch allzu viel Machtfülle besitzt.

Dass sie sich mit ihrem Flugtaxi-Thema gleich ordentlich Spott im Web abholte, dürfte sie kaum umhauen. Denn mit der Überwindung von Widerständen hat die ausgebildete Rettungsschwimmerin, die schon mal in einem Freibad ein Interview im gepunkteten Bikini gab, um die Wichtigkeit des Schwimmens herauszustellen ("Der einzige Sport, den nicht zu beherrschen tödlich sein kann"), reichlich Erfahrung. Sich als Frau im konservativen Männerverein CSU durchzusetzen, braucht ganz bestimmt mehr als nur Durchhaltevermögen. Bärs Methode scheint zu sein, sich für ein Anliegen zu engagieren statt nur damit zufrieden zu sein, es vielleicht als einzige geschafft zu haben. Sie arbeite "schon seit Jahren dran, dass wir auch von den Mitgliedern her mehr junge Frauen bekommen", sagte sie dem Bayerischen Rundfunk am Dienstag. Dabei stoße sie sogar in ihrem eigenen Freundeskreis an Grenzen. Ihre Partei müsse am Thema Frauen auf jeden Fall noch arbeiten. Es gebe auch relativ wenige weibliche CSU-Bundestagsabgeordnete, "wir sind nur acht von 46", so Bär zum BR. "Und das ist natürlich auch schon mal von der Grundlage her viel zu wenig."


"Ob schön oder nicht, liegt im Auge des Betrachters"

Jung, klug, kompetent, durchsetzungsfähig und dazu wie bei der digitalen Moderne auch bei der bajuwarischen Tradition ohne Berührungsängste; High Heels und Dirndl - da kommt was auf die Berliner Politik zu. Nicht, dass man es auf der politischen Bühne und während etlicher TV-Auftritte nicht schon längst hätte sehen können, aber jetzt dürfte es ernst werden. Zumal sich Dorothee Bär auch nicht von Fragereien ausbremsen lässt, ob die ihr zugeschriebenen Attribute "jung und schön" für eine Polit-Karriere eher förderlich oder hinderlich seien: "Ob schön oder nicht, liegt immer im Auge des Betrachters", sagte sie der "Welt" einmal. "Und meine Oma sagt immer: 'Alt wirst du von alleine'. Ich bin mit 14 in die Junge Union eingetreten und mit 16 in die CSU. Natürlich haben sich am Anfang viele gedacht: Lass das Mädel erst mal kommen." Inzwischen ist Dorothee Bär längst voll da.


mit Material von DPA und AFP