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Eingeständnis des Innenministers: Deutsche Dschihadisten kämpfen in Syrien

Im syrischen Bürgerkrieg sind nach Erkenntnis deutscher Behörden radikale Islamisten aus Deutschland im Einsatz. Innenminister Friedrich fürchtet, dass sie hierzulande den "heiligen Krieg" fortsetzen.

Die Bundesregierung hat bestätigt, dass auch Extremisten aus Deutschland am Kampf gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad beteiligt sind. "Wir wissen, dass auch Dschihadisten aus Deutschland, die wir hierzulande bereits im Visier hatten, sich in Syrien aufhalten und dort an der Seite der Rebellen kämpfen", sagte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) dem Nachrichtenportal "Spiegel online".

Die Sicherheitsbehörden beobachteten die Reisen von deutschen Extremisten nach Syrien "mit großer Sorge", sagte Friedrich. Es gebe auch Aufrufe an "die im Kampf ausgebildeten Europäer", später in ihre Heimat zurückzukehren und dort den Dschihad, also den "heiligen Krieg", weiterzuführen. Auch aus anderen Ländern Europas wird berichtet, dass sich zahlreiche radikale Islamisten den Aufständischen in Syrien angeschlossen haben.

Die Proteste gegen Präsident Assad weiteten sich seit ihrem Beginn im März 2011 mit der zunehmenden Radikalisierung der Opposition zu einem Bürgerkrieg aus. Im Westen wird mit Sorge beobachtet, dass vielerorts der bewaffnete Widerstand von radikalen Islamisten aus Syrien und anderen Ländern angeführt wird. Nach UN-Schätzungen wurden bereits mehr als 70.000 Menschen in dem Konflikt getötet.

Auch unter dem Eindruck des Anschlags auf den Marathon in Boston Anfang vergangener Woche kündigte Friedrich an, dass hierzulande mehr Geld in die Videoüberwachung fließen soll. Das Attentat hatte vermutlich einen islamistischen Hintergrund, der überlebende mutmaßliche Attentäter wird derzeit verhört. Im Haushalt 2013 gebe es bereits mehr Geld für die Videoüberwachung hierzulande, sagte der Politiker.

Er hoffe, dass es auch für das kommende Jahr gelinge, mehr Mittel bereitzustellen. Er forderte zudem die Deutsche Bahn und die Flughafenbetreiber auf, sich an den Kosten zu beteiligen. Der Kauf und Betrieb der Kameras sowie eine gute Auswertung seien teuer. Er hoffe auf einen Konsens bei den Gesprächen, sagte Friedrich. Gleichzeitig warnte er vor der Gefahr durch terroristische Einzeltäter. "Statt großer Organisationen werden wir nun von Einzeltätern und Kleinstgruppen attackiert, die sich selbst radikalisieren", sagte Friedrich. "Das ist sehr beunruhigend." Einzeltäter machten den Behörden "zunehmend Sorgen". Zuvor hatte bereits der Verfassungsschutz mit Blick auf die Sicherheitslage in Deutschland auf eine unverändert hohe Gefahr hingewiesen.

Der CSU-Politiker sprach in Bezug auf die Täter von Boston von einem "gefährlichen Phänomen", das spätestens seit dem Anschlag von Arid Uka gegen amerikanische Soldaten am Flughafen Frankfurt auch in Deutschland angekommen sei. "Wer zu Hause am Rechner Propagandavideos schaut, sich mehr und mehr abschottet und mit Anschlagsplanungen beginnt, ist schwer zu entdecken", warnte Friedrich.

Der Kosovo-Albaner Uka hatte vor zwei Jahren am Frankfurter Flughafen zwei amerikanische Soldaten erschossen und zwei weitere lebensgefährlich verletzt. Es war der erste islamistisch motivierte Terroranschlag auf deutschem Boden. Der junge Täter war kein Mitglied einer Terrorgruppe, sondern ein Einzeltäter.

anb/AFP/Reuters / Reuters