Einheitsdenkmal Böhmer fordert dezentrales Gedenken


Am Freitag, am 18. Jahrestag des Mauerfalls, berät der Bundestag erstmals über ein zentrales Einheitsdenkmal. Doch das Vorhaben ist umstritten: Nun hat sich ein Ost-Ministerpräsident gegen eine zentrale Gedenkstelle ausgesprochen.

Zum 18. Jahrestag des Mauerfalls hat sich Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) gegen ein zentrales Einheitsdenkmal ausgesprochen. "Ich bin dafür, dass wir die Erinnerung an den Fall der Mauer und die Wiedervereinigung möglichst dezentral feierlich begehen - wie wir es mit dem Tag der Einheit machen, der immer von einem Bundesland in ein anderes Bundesland wandert", sagte Böhmer in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (DPA) in Magdeburg. Zuletzt hatten Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) für ein zentrales Einheitsdenkmal in Berlin plädiert. Der Bundestag berät am Freitag erstmals über einen entsprechenden Antrag von CDU und SPD.

Böhmer dagegen schätzt Stätten der Erinnerung an möglichst vielen Orten als sinnvoller ein. "Wenn auch in den einzelnen Ländern oder Kreisen zum Teil in der äußeren Form durchaus unterschiedliche Möglichkeiten gesucht werden, an diesen Tag zu erinnern, stärkt das meiner Ansicht nach das Demokratieverständnis", sagte er.

Von vielen, aber nicht von allen gewünscht

Zur Bilanz 18 Jahre nach dem Mauerfall sagte Böhmer: "Es ist eine Tatsache, dass die Wiedervereinigung von vielen gewünscht und erhofft war, aber eben nicht von allen. Manche haben dadurch auch ihre früheren hervorgehobenen Positionen verloren. Die werden ihr ganzes Leben lang darüber nicht glücklich werden."

Böhmer forderte die Menschen in den ostdeutschen Bundesländern indirekt auf, die seit der Wende erzielten Fortschritte positiver zu sehen. "Überall dort, wo westliche Bundesländer besser sind als wir, da leiden wir darunter und schreien nach der Einheitlichkeit der Lebensverhältnisse. In Bereichen, wo wir besser sind und uns mehr leisten, da reden wir nicht davon, das ist scheinbar Normalität und keiner findet das einer besonderen Erwähnung wert. Das halte ich nicht für sehr gerecht."

Stefan Kruse und Thomas Struk/DPA DPA

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