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Endlager für radioaktiven Atommüll: Gorleben kommt wieder auf den Prüfstand

Der Bund will die Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll angehen. Schwarz-Gelb setzt dabei allein auf Gorleben - und hat jetzt grünes Licht aus Hannover. Ab Oktober können Bergleute und Geologen wieder an die Arbeit. Atomkraftgegner laufen Sturm.

Ungeachtet des anhaltenden Protestes wird der Salzstock Gorleben ab Oktober als einziger Standort in Deutschland wieder auf seine Eignung als Endlager für hoch radioaktiven Atommüll erkundet. Das Land Niedersachsen hat am Dienstag in Hannover dafür die Genehmigung erteilt. Nach zehn Jahren Pause lässt die schwarz- gelbe Bundesregierung das Bergwerk im niedersächsischen Wendland wieder unter Tage untersuchen. Atomkraftgegner kündigten für den 2. Oktober Proteste im Wendland an. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) will zudem noch in diesem Jahr nach Gorleben reisen. Ein Termin steht aber noch nicht fest.

Zugleich wächst die Sorge vor Ausschreitungen beim bevorstehenden Castor-Transport mit Atommüll im November ins nur wenige Meter vom Salzstock entfernte Zwischenlager Gorleben. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) rechnet mit besonders hohen Kosten für den Polizeieinsatz und fordert vom Bund finanzielle Unterstützung. Nach Angaben der Bürgerinitiative in Lüchow-Danneberg soll der Zug mit elf Atommüll-Behältern am 5. November im französischen La Hague starten.

Der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) forderte am Dienstag in Hannover, es müsse eine Art "gläserne Erkundung" im Salzstock Gorleben möglich sein: Bürger und Kommunalpolitiker sollten über die Erkenntnisse unterrichtet werden. "Wir möchten den Bund dazu bringen, dass er alle bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Gorleben, und zwar die geologisch günstigen und auch die kritischen, vollständig auf den Tisch legt." Die Erkundungsarbeiten sollen laut Umweltministerium rund sieben Jahre dauern.

Außerdem sollten die Abfallbehälter aus dem Bergwerk unbedingt auch wieder herausholbar sein - für den Fall, dass die Sicherheit nicht mehr gegeben ist oder es neue Techniken zur Entsorgung gibt. Es müsse möglich sein umzukehren, sagte Sander. Der FDP-Minister schätzt, dass die Einlagerung der hoch radioaktiven Abfällen um die 50 Jahre dauern wird. Betreiber des Bergwerks ist das Bundesamt für Strahlenschutz in Salzgitter. Sander pocht auch darauf, dass internationale Experten die Erkundung begleiten. Nur durch ein transparentes Verfahren könne es gelingen, die Akzeptanz in der Bevölkerung zu verbessern.

Die Opposition kritisierte das Vorgehen in Gorleben und forderte die schwarz-gelbe Regierung auf, in anderen Regionen Deutschlands nach einem Endlager-Standort zu suchen. "Mit der Entscheidung wird unser Bundesland den Konstrukteuren des nationalen Atom-Klos überlassen", sagte Grünen-Landtagsfraktionschef Stefan Wenzel in Hannover. Auch SPD und Linke gehen davon aus, dass sich die Bundesregierung schon auf Gorleben als Endlager festgelegt habe - die CDU-Politiker weisen das aber zurück.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte: "Unter dem Deckmantel der wissenschaftlichen Erkundung wird jetzt an einem Endlager im industriellen Maßstab weitergebaut. Dabei geht es nur darum, den Energiekonzernen den formellen Entsorgungsnachweis für ihren Atommüll zu verschaffen."

DPA / DPA