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Ernst und Lötzsch, Dreibus und Lay: Linkspartei wählt doppelte Doppelspitze

Der Linke-Parteitag in Rostock hat begonnen. Am Samstagnachmittag sollen Klaus Ernst und Gesine Lötzsch zum neuen Führungsduo gewählt werden. Ebenfalls zur Wahl steht die Doppelspitze der Geschäftsführung.

Die Delegierten der Linkspartei sind am Samstag in Rostock zusammengekommen, um auf ihrem Bundesparteitag eine neue Führung zu wählen. Als Nachfolger für die scheidenden Vorsitzenden Oskar Lafontaine und Lothar Bisky bewerben sich die Ostberliner Haushaltsexpertin Gesine Lötzsch und der bisherige Parteivize Klaus Ernst aus Bayern - nur der parteiintern umstrittene Gewerkschafter Ernst hat einen Gegenkandidaten, den weitgehend unbekannten niedersächsischen Kommunalpolitiker Heinz-Josef Weich. Die Wahl der Parteispitze ist für den frühen Abend geplant.

Nach der Absage der FDP an eine Ampel-Koalition in Nordrhein-Westfalen dürfte in Rostock auch eine mögliche Beteiligung der Linkspartei an einer Koalition mit SPD und Grünen in NRW am Rande des Treffens die Gespräche bestimmen.

Der scheidende Parteichef Lafontaine zog kurz vor Beginn des Parteitages eine zufriedene Bilanz seiner Amtszeit. "Wir haben jetzt eine sehr erfolgreiche Strecke hinter uns", sagte Lafontaine der Nachrichtenagentur dpa. "Wir sind jetzt in 13 Landtagen und wir sind im Bundestag stärker als die Grünen und als die CSU. Jetzt ist die Zeit, um die Staffette weiterzugeben."

Lafontaine hatte nach einer Krebserkrankung im Januar seinen Rückzug vom Amt des Parteichefs erklärt - sein Co-Vorsitzender Bisky kandidiert ebenfalls nicht mehr. Per Mitgliederentscheid hatte die Linke sich im April dafür entschieden, dass die Partei auch künftig von einer Doppelspitze, davon aber mindestens eine Frau, geführt werden soll - der Parteitag muss das Votum noch absegnen.

Der 66 Jahre alte Lafontaine betonte, er sei sich sicher, dass sowohl Klaus Ernst als auch Gesine Lötzsch der Partei eigene Impulse geben werden. Lötzsch sei sehr erfahren und habe von 2002 bis 2005 als Gewinnerin eines Direktmandats zusammen mit Petra Pau alleine im Bundestag gesessen. "Das prägt ja." Und Ernst sei ein erfahrener Gewerkschafter. "Sie werden also ihre eigene Handschrift haben", betonte der Saarländer.

Bei dem zweitägigen Bundesparteitag soll neben dem Parteivorsitz auch die Position des Bundesgeschäftsführers doppelt besetzt werden, ebenfalls mit einem Mann und einer Frau. Als Bundesgeschäftsführer kandidieren die Bundestagsabgeordneten Caren Lay und Werner Dreibus. Sie sollen Dietmar Bartsch ablösen, der nach Illoyalitätsvorwürfen gegen ihn nicht erneut antreten wird.

DPA/APN / DPA