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Asylsuchende im März: Zahl der Flüchtlinge sinkt drastisch - aber wohl nicht lange

Nach Schließung der Balkanroute ist die Zahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, deutlich gesunken. Doch an der Mittelmeerküste warten bereits Hunderttausende auf ihre Überfahrt nach Europa.

Mit erhobenen Armen protestieren Flüchtlinge auf Lesbos gegen ihre Abschiebung in die Türkei.

In einem Abschiebezentrum auf Lesbos demonstrieren Flüchtlinge aus Pakistan und Afghanistan gegen ihre Ausweisung in die Türkei

Die Zahl der Einreisen von Flüchtlingen nach Deutschland ist im März drastisch gesunken. Wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Freitag in Berlin bekanntgab, wurden im sogenannten Easy-System des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) im vergangenen Monat rund 20.000 Asylsuchende registriert. Im Februar waren es noch rund 60.000 gewesen, im Januar 90.000 und im Dezember 120.000.

Seit Jahresanfang haben 181.405 Geflüchtete einen Asylantrag in Deutschland gestellt. Das seien mehr als doppelt so viele wie in den ersten drei Monaten 2015 gewesen, teilte das Innenministerium am Freitag in Berlin mit. Im Vergleich zum Jahresende 2015 sinke die Zahl der Menschen aber, die nach Deutschland kämen, sagte Innenminister Thomas de Maiziere (CDU). Die Bundespolizei habe von Januar bis März rund 107.000 Flüchtlinge beim Grenzübertritt erfasst. "Auch hier ist der Trend im Jahresverlauf stark rückläufig", sagte de Maiziere. "Wir sind im Tagesdurchschnitt bei deutlich unter 200 pro Tag."

Müller erwartet bis zu 200.000 Flüchtlinge aus Afrika

Es sei zu früh, für das gesamte laufende Jahr eine Prognose abzugeben. "Wir wissen nicht, wie sich die Umsetzung des Türkei-Griechenland-EU-Abkommens dauerhaft entwickelt", sagte de Maiziere. Es sei auch nicht einzuschätzen, auf welche Routen Flüchtlinge auswichen. Für die vergangenen Monate zog der Minister eine positive Bilanz: "Die von uns ergriffenen Maßnahmen wirken."

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) rechnet mit einer baldigen Zunahme des Flüchtlingsandrangs aus Afrika nach Europa. "Nach unseren Informationen warten allein in Libyen 100.000 bis 200.000 Afrikaner, die aus Staaten südlich der Sahara kommen, auf ihre Überfahrt nach Europa", sagte der Minister der Düsseldorfer "Rheinischen Post". Die Schlepperbanden seien schon "voll in Aktion".

Müller fordert bessere Zusammenarbeit in Europa

Müller warb mit Blick auf die wartenden afrikanischen Flüchtlinge um Unterstützung für die neue libysche Regierung: "Die libysche Regierung braucht Autorität, Institutionen, Ausbildung von Polizei und den Ausbau der Küstenwache." Müller sprach sich auch für "einen gesamteuropäischen Marshall-Plan" für die Bewältigung der Flüchtlingskrise mit einem eigenständigen EU-Flüchtlingskommissar aus. Es sei eine Schande, dass "Europa bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise nicht besser zusammenarbeitet".

tkr / AFP / DPA