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Franz Josef Strauß: Der Säulenheilige der CSU

43 Prozent! Für die CSU! Was würde Franz Josef Strauß wohl dazu sagen, die Ikone der CSU. Gerade dieser Tage lässt sich darüber trefflich spekulieren, denn vor 20 Jahren starb der Übervater der einst stolzen Bayern-Partei. Ein Porträt.

Die CSU gedenkt ihres legendären Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. Die Partei feiert den am 3. Oktober 1988 gestorbenen Übervater mit Ausstellungen, Buchpräsentation und einem wissenschaftlichen Symposium in München. Kaum ein anderer deutscher Nachkriegspolitiker wurde von seinen Bewunderern so geliebt wie der Sohn eines Schwabinger Metzgers, der zu einer der prägenden Figuren der Bundesrepublik wurde. Kein anderer überstand so viele Skandale und Affären, wurde von seinen Gegnern so bekämpft. Außerhalb des Freistaats galt er als Urbild des Bajuwaren schlechthin.

Polarisiert noch nach seinem Tod

Strauß polarisiert noch nach seinem Tod. Ein als allgemeingültig anerkanntes historisches Verdikt steht nach wie vor aus. Wer Freunde und Feinde von einst befragt, mag kaum glauben, dass über ein und denselben Menschen gesprochen wird. Gleich zwei neue Strauß-Bücher sind in diesen Tagen erschienen. Strauß' langjähriger Vertrauter und "Bayernkurier"-Chefredakteur Wilfried Scharnagl stellte "Mein Strauß" vor, Sohn Franz Georg Strauß veröffentlicht "Mein Vater".

"Das Hauptmotiv war, gewisse Dinge richtig zu stellen und die Erinnerung an den Menschen wach zu halten", sagt Franz Georg Strauß (47), der sich Zeit seines Lebens aus der Politik herausgehalten hat. Scharnagl zeichnet das Bild eines Verkannten: großzügig, warmherzig, lebensfroh, charmant, gebildet, von ungeheurer Intelligenz. CSU-ler berichten von einem häufig zögernden, nachdenklichen, manchmal sogar unsicheren Mann - das genaue Gegenteil des öffentlichen Kraftmeiers.

Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause, die Strauß von 1986 bis 1988 in seinen letzten zwei Jahren im bayerischen Landtag erlebte, erinnert ihn dagegen als "verbittert und verbiestert". Ein Strauß, der die grünen Parlamentsneulinge ächtete und von offiziellen Anlässen ausschloss. "Sein Demokratieverständnis ließ zu wünschen übrig", sagt Bause. "Ein reiner Machtmensch, der Lebensart hatte", sagt Landtagsvizepräsident Peter Paul Gantzer (SPD). Die Skandale hätten im Freistaat "noch zur Erhöhung des Menschen beigetragen". Strauß sei ein "typisch bayerisches Phänomen" gewesen, meint der Sozialdemokrat Gantzer.

Ein Volkstribun mit Interlekt

"Franz Josef Strauß war eine Persönlichkeit, die polarisiert hat, die leidenschaftliche Zustimmung und leidenschaftliche Ablehnung erfuhr. Er hatte immer eine gewisse ambivalente Wirkung", sagt Bayerns Landtagspräsident Alois Glück (CSU), der selbst nie zur Strauß-Clique zählte. "Ich habe keinen anderen Menschen erlebt, bei dem so hohe intellektuelle Fähigkeiten und die Gaben eines Volkstribunen so nahe beieinander lagen. Er war ein äußerst präziser Kopf und gleichzeitig ein genialer, manchmal demagogischer Vereinfacher."

Die Skandale, Affären und Kontroversen spielen in der Erinnerung der CSU kaum eine Rolle - von der "Spiegel"-Affäre, in deren Verlauf Strauß den Bundestag belog, bis zur Flugbenzin-Debatte in den achtziger Jahren. Doch war der Stern des großen Vorsitzenden auch in Bayern bereits im Sinken, als Strauß 1988 plötzlich starb. Erste größere Irritationen seien mit dem Milliardenkredit für die DDR gekommen, sagt Glück. "Das war für viele CSU-Mitglieder nicht nachvollziehbar."

Verbindung von Tradition und Fortschritt

Fest steht, dass ohne Strauß vor allem die CSU und Bayern heute anders aussähen. "Er hat in besonderer Weise die Verbindung von Tradition und Fortschritt vorangetrieben und auch selbst verkörpert", sagt Glück. In Strauß' jahrzehntelanger Amtszeit als CSU-Chef von 1961 bis 1988 legten die Christsozialen die Grundlage für ihre jahrzehntelange Dominanz im Freistaat und ihre bundespolitische Sonderstellung. Bayern und die CSU wurden deutschlandweit im öffentlichen Bewusstsein zur Einheit. Erst mit dem Wahlergebnis vom vergangenen Sonntag beginnt dieses Bild zu bröckeln.

Strauß hatte gleichzeitig das konservative Gesellschaftsbild gepflegt, das den Freistaat im übrigen Deutschland rückständig aussehen ließ. "Frauen konnten erst als Beamtinnen zur bayerischen Polizei, nachdem Strauß gestorben war", nennt Gantzer ein Beispiel. "Strauß hat gesagt, der Beruf der Polizei sei mit dem Ansehen der Frau nicht vereinbar."

Visionär Strauß

Viele in der CSU beschwören lieber den Visionär Strauß: Der Mann, der Weltgeltung genoss, das einstige Armenhaus Bayern in einen führenden Industriestandort verwandelte, der Airbus mit erschuf. Bis heute ist er der Maßstab: Ein erfolgreicher CSU-Chef ist nur der, der sein Erbe mehrt. "Es bleibt ein Mysterium, warum er 20 Jahre nach seinem Tod die Menschen noch so fasziniert", sagt Sohn Franz Georg.

Gar nicht gern erinnern Strauß-Anhänger in der CSU, dass er in der Bundespolitik letztlich scheiterte: Strauß verlor 1980 die Bundestagswahl gegen Helmut Schmidt (SPD) und musste von der Trutzburg Bayern aus ohnmächtig beobachten, wie zwei Jahre später der von ihm für unfähig gehaltene - und erklärte - CDU-Rivale Helmut Kohl die Macht übernahm.

DPA / DPA