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AfD-Chefin: Frauke Petrys Moskaureise: Firma fordert Geld und droht mit Klage

Neuer Ärger für Frauke Petry: Nach stern-Informationen fordert eine Firma vom AfD-Bundesvorstand Geld für die Anbahnung der Russland-Kontakte der Parteichefin.

Frauke Petry und Marcus Pretzell

Frauke Petry und Ehemann Marcus Pretzell beim Neujahrsempfang der AfD in Münster

Marcus Pretzell, Mann der AfD-Chefin Frauke Petry und Spitzenkandidat seiner Partei für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, macht gerade mal wieder Schlagzeilen mit finanziellen Angelegenheiten. Der "Spiegel" und dann auch die "Bild"-Zeitung berichteten vergangenen Freitag, dass der Redenschreiber und politische Berater Michael Klonovsky Geld von ihm fordere. Pretzell behauptete daraufhin, Klonovsky habe ihm seine Arbeitskraft nie angeboten. Klonovsky veröffentlichte dann SMS, die das widerlegen. Pretzell bemüht sich seinerseits, die Affäre als "Wahlkampf" darzustellen.

Schon früher hatte das Finanzielle in Pretzells AfD-Karriere hineingespielt. Einmal ließ das Finanzamt sogar ein Parteikonto pfänden, in der (nicht zutreffenden) Vermutung, die Partei überweise ihm ein Gehalt. Pretzells Gläubiger wollten endlich an ihr Geld.

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Nun holt auch Pretzells Ehefrau Frauke Petry die Vergangenheit ein. In ihrem Fall geht es um Dienste, die Petry beanspruchte, aber offenbar nicht bezahlen möchte, genauer: um ihre Moskau-Connection.

Anbahnung in Dresden

Die Reise in die russische Hauptstadt Mitte Februar hatte Schlagzeilen gemacht, weil Petry, Pretzell und der ebenfalls zum Tross zählende AfD-Bundesvorstand Julian Flak dort auch den Rechtsextremisten Wladimir Schirinowski trafen. Dieser Kontakt geschah offenbar ungewollt. Die ganze Operation aber war detailliert geplant. Das berichtet der stern in seiner neuen, diese Woche schon Mittwoch erscheinenden Ausgabe auf der Basis von internen Dokumenten.

Demnach ging das erste Treffen Frauke Petrys mit politisch einflussreichen Russen nicht in Moskau, sondern in Deutschland über die Bühne: Anfang Februar rund um den Ball der Semperoper in Dresden. Petry ging das Rendezvous auf gesellschaftlichem Parkett professionell an. Sie erhielt ein Ticket am VIP-Tisch, Hauptsaal Bühne, im Wert von 3660 Euro. Sie bekam für den festlichen Abend mehrere Kleider von Opernsängerinnen zur Auswahl vorgelegt. Sogar ein Tanzlehrer wurde gebucht, damit Petry und ihr Gatte beim Opernball eine gute Figur machen konnten. Alles sollte passen, denn zu dem gesellschaftlichen Ereignis erschienen Moskaus Vizebürgermeister Sergej Tscherjomin und ein hoher Berater der russischen Regierung.

Letztmals wird um "Begleichung der Verbindlichkeit" gebeten

Petry, das war die Idee, sollte die Russen dann in Dresden zu einem lockeren, kurzen Smalltalk treffen. So geschah es auch. Und die AfD-Chefin erhielt anschließend - wie ebenfalls angedacht - eine Einladung nach Moskau. Dort traf Petry dann unter anderem den Präsidenten der Duma.

Petry sich ließ von einer Firma helfen bei der Anbahnung ihrer Kontakte in die russischen Spitzenpolitik. Das ist an sich nicht ungewöhnlich. In der Wirtschaft werden oftmals Firmen damit beauftragt, Verbindungen in hohe russische Kreise zu erbringen. Ungewöhnlich hingegen: Die AfD-Chefin will nun kein Geld dafür zahlen, dass die Firma für sie aktiv wurde. In einer Email an Hans-Holger Malcomeß, ein Mitarbeiter der Bundesgeschäftsstelle, der aus Sachsen kommt und Petry eng verbunden ist, pocht die Firma jetzt auf ihr Geld. "Wir (...) bitten zur Vermeidung des Rechtsweges letztmalig um Begleichung der Verbindlichkeit", heißt es in dem Schreiben. Zuvor waren die finanziellen Forderungen von Petry-Mann Malcomeß abgelehnt worden.

Hat die AfD-Chefin einen Widerspruch vordatiert?

Die Email ist auch interessant, weil sie Rückschlüsse zum Verhalten der AfD-Chefin selbst in der Causa erlaubt. Die AfD-Chefin hat dem Schreiben zufolge nämlich "den Versuch unternommen, einen Widerspruch vorzudatieren". Dem Schreiben ist weiterhin zu entnehmen, dass eine Email mit Petrys Widerspruch zu den Kosten, die mit der Reiseanbahnung einhergingen, keineswegs vor der Reise abgesendet worden ist.

Frauke Petry hat gerade die Machtfrage in der AfD gestellt. Mit einem Antrag für den Bundesparteitag kämpft sie, wie der stern vergangenen Donnerstag enthüllte, gegen ihren Stellvertreter Alexander Gauland und all jene, die ihm politisch-strategisch folgen. Das sind offenbar doch ziemlich viele, weshalb sich Petrys Kampf als schwierig herausstellt. Bisher erhält sie in der erweiterten Parteispitze vor allem Gegenwind. Zu den finanziellen Forderungen der Firma, die Petrys Moskau-Reise anbahnte, wollte sich Frauke Petrys persönlicher Sprecher dem stern gegenüber nicht äußern.

Wie Frauke Petry um die Macht in der AfD kämpft, lesen Sie im neuen stern - diese Woche schon ab Mittwoch.