Geiselrettung Der steinige Weg in die Freiheit


"Das war wohl die langwierigste und aufwendigste Rettungsaktion deutscher Touristen im Ausland", beschreibt der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, seine nun beendete Misson.

Sonnenstrahlen durchbrechen den bedeckten Himmel über dem Flughafen Köln-Wahn. Es ist Mittwoch, 7.21 Uhr. Gerade hat der weiße Airbus "Konrad Adenauer" der Bundesregierung auf der Landebahn aufgesetzt und rollt langsam in den abgesperrten militärischen Teil des Airports. Zehn Minuten später kommt die Maschine zum Stillstand. An Bord sind die 14 Sahara-Geiseln, deren Heimreise sich in den vergangenen Tagen immer wieder verzögert hatte. Von Wüstendrama, Zitterpartie und Nervenkrieg war die Rede.

Immer wieder das Gespräch gesucht

"Das war wohl die langwierigste und aufwendigste Rettungsaktion deutscher Touristen im Ausland", beschreibt der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, seine nun beendete Misson. Immer wieder hatte er Gespräche gesucht, um die neun Deutschen, einen Niederländer und vier Schweizer aus der Gefangenschaft islamistischer Geiselnehmer freizubekommen.

Reise-Strapazen

Nach Angaben Chrobogs waren die Geiseln als Gruppe zusammen. Über 30 Stunden Reise-Strapazen haben die Freigelassenen hinter sich, als sie den Airbus in Köln verlassen: In Jeeps über Wüstenpisten aus dem Norden Malis nach Gao, der rund zweistündige Flug von dort in die malische Hauptstadt Bamako und die Heimreise nach Europa.

Ein Lachen im Gesicht

Gekleidet in frische Trainingsanzüge, Shorts, Jeans oder T-Shirts steigen sie ohne ein Wort in bereit stehende olivfarbene Busse. Dennoch: Auch ohne lange Erklärungen sieht man den Männern und Frauen die Erleichterung an. Viele haben ein Lachen im Gesicht, wirken glücklich über die Ankunft in Deutschland. Einige winken den rund 150 wartenden Journalisten zu.

Entspannte Stimmung

"Die Stimmung in der Maschine war sehr entspannt und sehr herzlich. Sie waren froh zu erzählen", beschreibt Chrobog den rund sechsstündigen Heimflug nach Köln. Schon auf dem Weg von Afrika nach Europa hatten Mediziner und Psychologen mit den Freigelassenen gesprochen. "Jetzt wollen alle nur noch nach Hause", sagt Chrobog.

Abgeschirmt von der Öffentlichkeit treffen die Touristen nach sechs Monaten Trennung in der Nähe des Flughafens erstmals wieder ihre Angehörigen, die im Laufe der Nacht angereist waren. Die vier Schweizer Geiseln setzen gleich nach der Landung in Köln-Wahn die Reise in ihre Heimat fort. "Sie fliegen nonstop weiter mit einer Maschine der Schweizer Luftwaffe", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts.

"Mein Eindruck heute Nacht im Flugzeug war, der Gesundheitszustand der Geiseln ist außerordentlich gut", sagt Chrobog. Dennoch benötigten die Menschen nach dem Erlebten nun auch Zeit, um alles zu verarbeiten.

Abstand von kritischen Fragen

Doch trotz der lang ersehnten Rückkehr nach Europa fällt ein Schatten auf die geglückte Freilassung der 14 Männer und Frauen. Kaum der Gefangenschaft entkommen werden sie in Deutschland eine Diskussion um die Kosten der Rückführung verfolgen müssen. Chrobog versuchte dabei zu bremsen. "Wir sollten jetzt mal Abstand nehmen von allen kritischen Fragen. Aufarbeiten können wir viele Dinge später.

Mit Blick auf seine eigene, vielfach gelobte Rolle bei den Bemühungen um die Freilassung zeigte sich Chrobog bescheiden: "Dies ist keine Aktion einer einzelnen Person, dies ist eine Aktion, an der viele Kolleginnen und Kollegen mitgearbeitet haben."

Sabine Kwapik DPA

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