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Geplatzte Opel-Übernahme: Roland Koch in Sorge um Arbeitsplätze

Der monatelange Übernahme-Poker um Opel ist mit einem Paukenschlag zu Ende gegangen. Der Verwaltungsrat des US-Autokonzerns General Motors entschied am Dienstag, die deutsche Tochter doch nicht zu verkaufen.

Der monatelange Übernahme-Poker um Opel ist mit einem Paukenschlag zu Ende gegangen. Der Verwaltungsrat des US-Autokonzerns General Motors entschied am Dienstag, die deutsche Tochter doch nicht zu verkaufen und verwies dabei auf das sich "verbessernde Geschäftsumfeld" und die Bedeutung von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall für die "globale Strategie" des Unternehmens. Die Bundesregierung reagierte mit Bedauern.

Das Ziel General Motors sei es gewesen, "die beste langfristige Lösung für unsere Kunden, Angestellten, Zulieferer und Händler zu finden" - "das spiegelt sich in der heute getroffenen Entscheidung wider", erklärte GM-Chef Fritz Henderson. In Kürze wolle der Konzern Deutschland und den anderen Ländern mit GM-Standorten einen Restrukturierungsplan vorlegen. Zugleich kündigte das Unternehmen an, Berlin um Hilfe bei der Umsetzung der Pläne zu bitten. Henderson bezifferte die Kosten für die Sanierung auf drei Milliarden Euro. Der Verwaltungsrat von GM hatte sich noch im September für einen Verkauf der Anteilsmehrheit von Opel an den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna und die russische Sberbank ausgesprochen.

Allerdings meldete die EU-Kommission Mitte Oktober Bedenken an. Mit der Entscheidung gegen einen Verkauf von Opel sei "ein Investorenprozess abgebrochen worden, der über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten von allen Beteiligten - einschließlich GM - intensiv geführt wurde", erklärte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in der Nacht zu Mittwoch. Die Bundesregierung erwarte, dass GM die Brückenfinanzierung von 1,5 Milliarden Euro fristgerecht zurückzahle, erklärte Wilhelm. Das Thema Opel steht auch auf der Tagesordnung der ersten Arbeitssitzung des neuen Bundeskabinetts. Regierungssprecher Wilhelm zufolge bat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), im Kabinett über das Thema zu berichten.

Merkel hatte sich persönlich für einen Verkauf von Opel an Magna stark gemacht - auch gegenüber US-Präsident Barack Obama, den sie noch am Dienstag vor ihrer Rede vor dem Kongress getroffen hatte. Die US-Regierung ist mit Anteilen in Höhe von 60 Prozent Mehrheitseigner bei GM. Eine Sprecherin des US-Finanzministeriums erklärte jedoch, dass die Regierung an der Entscheidung nicht beteiligt gewesen sei. Magna-Vizechef Siegfried Wolf zeigte Verständnis für die Entscheidung von GM. "Wir verstehen, dass der Verwaltungsrat zu dem Schluss gekommen ist, dass es im besten Interesse von GM ist, Opel zu behalten", erklärte er.

Hessens Ministerpräsident Roland Koch zeigte sich "betroffen" und "verärgert". "Angesichts der negativen Erfahrungen der letzten Jahre mit der Unternehmenspolitik von GM mache ich mir große Sorgen um die Zukunft des Unternehmens und seiner Arbeitsplätze", erklärte er. Noch am Dienstag hatte sich der Opel-Betriebsrat mit Magna auf Beiträge der Belegschaft zur Kostensenkung verständigt und damit eigentlich den Weg für die Übernahme freigemacht.

Der Betriebsratschef des Bochumer Opel-Werks, Rainer Einenkel, forderte den Erhalt der deutschen Standorte. "Ohne Opel hat GM keine Zukunft in Europa", sagte er der in Essen erscheinenden "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung". Einenkel wies darauf hin, dass der zweite Rettungsplan, den GM im Frühjahr der Bundesregierung vorgelegt hatte, einen Erhalt der deutschen Standorte vorgesehen habe. Für die Beschäftigten sei die "Hängepartie" allerdings "unerträglich", sagte der Betriebsratschef. "Wir brauchen endlich Klarheit."

AFP / AFP