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Gewalt in NRW-Flüchtlingsheimen: Verfassungsschutz überprüft künftig Wachleute

Nach den Misshandlungen in Flüchtlingsheimen in Nordrhein-Westfalen hat Innenminister Ralf Jäger Maßnahmen angekündigt. So sollen Wachleute künftig von Polizei und Verfassungsschutz geprüft werden.

In Nordrhein-Westfalens Flüchtlingsheimen sollen nur noch Sicherheitskräfte eingesetzt werden, die einer Überprüfung durch Polizei und Verfassungsschutz zugestimmt haben. Das hat Innenminister Ralf Jäger (SPD) nun in Düsseldorf angekündigt. Er reagiert damit auf die Übergriffe privater Sicherheitskräfte auf Asylbewerber.

In mindestens drei Unterkünften in NRW soll es zu Misshandlungen von Flüchtlingen durch private Wachleute gekommen sein. Derzeit werde gegen elf Verdächtige ermittelt, teilte Jäger mit. Auch die Möglichkeit eines fremdenfeindlichen Hintergrunds werde geprüft. Ein zu den Verdächtigen gehörender Mann hatte in einem Zeitungsinterview von einem "deutlich erkennbaren rechten Hintergrund" bei einigen seiner ehemaligen Kollegen gesprochen.

"Es macht uns alle wütend"

Jäger entschuldigte sich bei den Asylbewerbern: Was geschehen sei, sei menschenverachtend. "Es macht uns alle wütend und beschämt uns." Jäger sicherte zu, dass jedem Hinweis auf solche Vorfälle nachgegangen werde: "Hier wird nichts unter den Teppich gekehrt."

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bezeichnete die Vorfälle als bestürzend. Er hielt sich aber mit politischen Schuldzuweisungen zurück. "Ich bin zuversichtlich, dass das Land Nordrhein-Westfalen die bestürzenden und bedrückenden Vorfälle restlos aufklären wird, und ich bin ebenso zuversichtlich, dass das Land Nordrhein-Westfalen diese Mängel unverzüglich abstellen wird", sagte er in München.

Viele Einrichtungen sind überbelegt

In Burbach im Siegerland sollen private Wachmänner einen Flüchtling gezwungen haben, sich auf eine mit Erbrochenem verschmutzte Matratze zu legen. Ein von den Männern aufgenommenes Video war in die Hände der Ermittler gelangt. Außerdem hatte die Polizei ein Foto gefunden, auf dem ein Sicherheitsmann einem gefesselt am Boden liegenden Flüchtling einen Fuß in den Nacken stellt. Hinzu kommen Verdachtsfälle in Essen und Bad Berleburg.

Stark steigende Asylbewerberzahlen stellen die Behörden derzeit vor massive Herausforderungen. Viele Einrichtungen sind überbelegt. Von Januar bis August 2014 haben 99.592 Menschen in Deutschland Asyl beantragt. Im Gesamtjahr erwartet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge rund 200.000 Bewerber.

nck/DPA / DPA