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HAMBURG: Festnahme eines mutmaßlichen Terroristenhelfers

Ein weiterer mutmaßlicher Unterstützer der Terrorzelle um Mohamed Atta ist in Hamburg festgenommen worden. Es handele sich um einen Marokkaner namens Abdelghani Mzoudi.

Erneut ist den Terrorfahndern in Hamburg ein mutmaßlicher Helfer der Attentäter vom 11. September ins Netz gegangen. Wie Generalbundesanwalt Kay Nehm mitteilte, besteht bei dem festgenommenen 29-jährigen Marokkaner Abdelghani Mzoudi der dringende Verdacht auf Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Der Mann, der zeitweise wie Terrorpilot Mohammed Atta in der Wohnung in der Harburger Marienstraße 54 lebte, soll sich im Sommer 2000 mit Mitgliedern der Terrorzelle in Ausbildungslagern in Afghanistan aufgehalten haben.

Mzoudi war nicht in seiner eigenen Wohnung

Nach Informationen des NDR wurde Mzoudi am Morgen gegen 06.30 Uhr in einer Wohnung im Hamburger Stadtteil Hamm festgenommen. Die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke-Katrin Scheuten, erklärte lediglich, er habe sich zum Zeitpunkt des Zugriffs nicht in seiner eigenen Wohnung aufgehalten.

Geld für Flugausbildung besorgt

Mzoudi soll unter anderem den Todespiloten Marwan Al Shehhi vor dessen Abreise in die USA in einem Hamburger Studentenwohnheim versteckt haben. So sei der Aufenthaltsort Al Shehhis verschleiert worden. Außerdem wird ihm vorgeworfen, dem international gesuchten Zakariya Essabar Anfang 2001 Geld für dessen Flugausbildung in den USA besorgt zu haben. Essabar war offenbar als Ersatzpilot eingeplant, bekam aber kein Visum für die USA.

War Mzoudi in alles eingeweiht?

Laut Nehm kannte Mzoudi die Ziele der Terrorvereinigung und unterstützte sie. Es werde aber noch ermittelt, ob der Marokkaner genau über die geplanten Anschläge informiert war. Sollte sich herausstellen, dass Mzoudi in die Planung des 11. September eingeweiht war, soll die Anklage auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zum Mord erweitert werden, wie Nehm mitteilte.

Der Beschuldigte unterhielt nach Erkenntnis der Ermittler zu sämtlichen Mitgliedern der vor den Anschlägen in Hamburg operierenden Zelle um Atta langjährige enge Beziehungen. Besonders engen Kontakt habe er mit Essabar und Mounir Al Motassadeq gepflegt. Gegen letzteren ist inzwischen vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg Anklage erhoben worden.

Der Name Mzoudis tauchte im Sommer bereits im Zusammenhang mit einer mutmaßlichen Hamburger Islamistengruppe auf, gegen die im Juli vorgegangen wurde. Die Ermittlungen gegen die Männer, die sich in einem islamischen Buchladen trafen, liefen aber ins Leere, wie die Ermittler kürzlich einräumen mussten.

Ermittlungen bereits seit Oktober 2001

Generalbundesanwalt Nehm leitete bereits am 25. Oktober 2001 das Verfahren gegen den Beschuldigten ein. Erst im Sommer diesen Jahres habe es eine ausschlaggebende Zeugenaussage über Mzoudis Aufenthalt in Afghanistan gegeben. Der zuständige Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs hatte am Mittwoch Haftbefehl erlassen. Der Festgenommene soll am Freitag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes vorgeführt werden.

Die Aufenthalte der mutmaßlichen Terroristen in Afghanistan dienten nach Angaben Nehms unter anderem dazu, mit den Verantwortlichen des von der El Kaida bestimmten internationalen Netzwerks die Einzelheiten der Anschläge abzustimmen. Die Hamburger Terrorzelle, die seit 1999 bestand, habe als Teil dieses Netzwerks an der Planung, Vorbereitung und Durchführung der Terroranschläge mitgewirkt. Dazu gehörten auch Todespilot Ziad Jarrah, der kürzlich in Pakistan festgenommene Ramzi Binalshibh und der flüchtige Said Bahaji.