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ARD-Talk zum Fall Lübcke: Vorab-Ärger bei "Hart aber fair": Plasberg lädt AfD-Scharfmacher Uwe Junge ein

Riesenärger für Frank Plasberg schon vor der Sendung. Zum Thema "Aus Worten werden Schüsse: Wie gefährlich ist rechter Hass?" hat der TV-Talker ausgerechnet AfD-Scharfmacher Uwe Junge zu "Hart aber fair" eingeladen. Das sorgt für massive Kritik.

Uwe Junge AfD

Umstrittener Gast bei "Hart aber fair" mit Frank Plasberg: Uwe Junge, als Scharfmacher bekannter Landeschef der AfD Rheinland-Pfalz.

Der politische Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) aus rechtsradikaler Motivation beschäftigt das Land. Grund genug für einen TV-Talk à la "Hart aber fair" das Thema aufzugreifen. "Aus Worten werden Schüsse: Wie gefährlich ist rechter Hass?", fragt Frank Plasberg in der Sendung am Abend (ARD, 21 Uhr) seine Experten-Runde. Einer der Gäste sorgte dabei schon seit Tagen für Ärger: Uwe Junge, Oberstleutnant a.D. der Bundeswehr, Chef der AfD in Rheinland-Pfalz sowie Vorsitzender der AfD-Fraktion im Mainzer Landtag.

Grund der Aufregung: Junge ist schon mehrfach als Scharfmacher aufgefallen. Nicht zuletzt durch einen Tweet vom Dezember 2017, indem er den praktisch allen Unterstützer der damaligen Willkommenskultur androhte, der Tage werde kommen, an dem alle "zur Rechenschaft" gezogen würden:

Immer wieder zitiert wird auch die Beleidigung des früheren Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck, den Junge als "drogenkonsumierenden linken Hetzer und Deutschlandhasser" verunglimpft haben soll. Auf seinem Twitter-Kanal bezeichnet er die SPD als "dahinsiechende Sekte" und präsentiert ein Statement von AfD-Fraktionschef Alexander Gauland, der den "Altparteien" die Instrumentalisierung des Mordfalls Lübcke vorwirft. Kurz: Durch Diplomatie ist Junge bisher nicht aufgefallen.

Zuschauer: Warum "Berufshetzer" eine Bühne geben?

Schon häufiger wurden die TV-Talks im öffentlich-rechtlichen Fernsehen kritisiert, dass sie der AfD ein zu großes Forum bieten würden. Dass dies bei "Hart aber fair" nun auch ausgerechnet beim Thema "Aus Worten werden Schüsse" geschieht, sorgt für Unverständnis und Verärgerung bei vielen Zuschauern. Zumal eine der von der Redaktion vorab veröffentlichten Leitfragen lautet: "Wer bereitet den Mördern das Feld mit Polemik und Hassbotschaften?"

"Wie könnt Ihr diesem Berufshetzer eine Bühne geben?", fragt beispielsweise User "@JordanGriz95" auf dem "Hart aber fair"-Twitterkanal stellvertretend für viele. Andere finden drastischere Worte:

"Hart aber fair"-Redaktion schweigt bisher

Sehr beeindruckt von der Kritik zeigte sich die "Hart aber fair"-Redaktion bisher nicht. Im Gegenteil. Am Vormittag warb sie auf ihrem Twitter-Kanal für die Sendung am Abend just mit einem Zitat des umstrittenen Gastes Uwe Junge: "AKK betreibt Volksverhetzung, wenn sie der AfD eine Mitschuld am Tod von Lübcke unterstellt. Von der AfD ist niemals Gewalt ausgegangen, sondern sie war stets Opfer linker Gewalt."

Zur Kritik der letzten Tage schweigen die Redaktion und Frank Plasberg sowohl auf Twitter als auch auf Facebook bisher. Der Westdeutsche Rundfunk beantwortete eine Anfrage der "Bild"-Zeitung mit den Worten: "'Hart aber fair' ist eine Diskussionssendung, in der je nach Thema die demokratisch gewählten Parteien zu Wort kommen. Die AfD ist die größte Oppositionspartei im Bundestag und gerade bei unserem aktuellen Thema von besonderer Relevanz."

"Hart aber fair" zum Thema "Aus Worten werden Schüsse: Wie gefährlich ist rechter Hass?" läuft an diesem Montag, 1. Juli, ab 21 Uhr in der ARD. 

Ein Mann hält eine Rede im Bundestag.

Quellen: "Hart aber fair" (TwitterFacebook), "Bild", "Der Westen", "Neue Westfälische"

dho