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Warnungen im Briefkasten: Rechtsradikale bedrohen Heidenaus Bürgermeister

Der rechte Terror in der sächsischen Stadt Heidenau macht auch vor der Politik nicht Halt. Bürgermeister Jürgen Opitz erhielt Drohbriefe. Unterdessen sieht der Verfassungsschutz die Verantwortung für die Gewalt der letzten Tage bei der NPD.

Heidenaus Bürgermeister Jürgen Opitz geht über einen Parkplatz. Er trägt ein Jacket und wird von einem weiteren Mann begleitet.

Heindenaus Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU) wurde nach der Eröffnung einer Notunterkunft für Flüchtlinge Gewalt angedroht

DPA

Der Bürgermeister von Heidenau in Sachsen, Jürgen Opitz, wird wegen seines Engagements für Flüchtlinge von Rechtsextremen mit Gewalt bedroht. "Meine Frau hat am Donnerstag einen Zettel im Briefkasten gefunden, als sie die Zeitung herausholen wollte: Konkrete Gewaltandrohung. Es gibt Möglichkeiten, sich schützen zu lassen. Die nehme ich jetzt in Anspruch", sagte der CDU-Politiker dem "Sonntag-Express". Er lasse sich aber nicht unterkriegen. "Ich werde weiter gegen Rassismus sprechen und werde mich weiter dafür einsetzen, dass die Heidenauer Solidarität mit den Asylbewerbern zeigen und sich ordentlich benehmen. Ich habe keine Angst."

Vor einer neuen Flüchtlingsunterkunft in der Kleinstadt bei Dresden haben seit vergangener Woche mehrmals Rechtsextreme und Rassisten Flüchtlinge bedroht und Polizisten angegriffen.

Verfassungsschutz sieht NPD in der Verantwortung für Gewaltausbrüche

Der sächsische Verfassungsschutz spricht von einer neuen Dimension der Gewalt. "Neu ist die Brutalität und die Bereitschaft, Polizisten zu attackieren", sagte der Präsident des Landesamts für Verfassungsschutz, Gordian Meyer-Plath, der "Welt am Sonntag". Früher hätten sich "Rechtsextremisten bemüht, als Saubermänner gegenüber der Polizei aufzutreten".

Bei den gewaltsamen Ausschreitungen gegen Asylbewerber in der Kleinstadt nahe Dresden waren in der vergangenen Woche mehr als 30 Polizeibeamten verletzt worden. So etwas habe er in Sachsen noch nicht erlebt, sagte Meyer-Plath. "Die NPD muss sich die gewalttätigen Übergriffe anrechnen lassen."

Trotz der zuletzt dramatisch angestiegenen Angriffe auf Flüchtlinge und deren Unterkünfte geht das Bundeskriminalamt von regional organisierten Straftaten aus. "Aktuell liegen dem BKA keine Informationen auf vernetzte oder bundesweit gesteuerte Aktivitäten vor", hieß es.

ono / DPA