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Berlin³ zur Bayern-Wahl: Es darf mit dem Schlimmsten gerechnet werden: Horst Seehofer geht in Deckung

Die Bayern-Wahl ist gelaufen und das ist nicht gut für die CSU. Verantwortung? Ja, vielleicht. Aber später. CSU-Chef Horst Seehofer spielt auf Zeit. Für Angela Merkel ist das keine gute Nachricht.

Seehofer nach Bayernwahl

Horst Seehofer sitzt im Off und kann überlegen, ob er es bei Blechschäden belassen oder einen Totalschaden anrichten will

AFP

Es gibt diese Momente, da weißt du: Es ist nichts zu retten. Du kannst keine gute Figur mehr machen. Also: Scheiß drauf - das können Sie am Donnerstag genauso im neuen stern lesen. Es ist der Anfang einer Geschichte über Andrea Nahles und ihrer bei der Bayern-Wahl geschredderten SPD. Guter Anfang. Super Text. Warum den Anfang hier nicht wieder verwenden, wenn er passt.

Verantwortung? Irgendwann 2018

Und er passt ja so gut auch auf Horst Seehofer, den CSU-Chef, der, doch, doch, sehr gerne auch dieses ziemlich miese Wahlergebnis seiner Partei im Freistaat mitverantworten will – 37, 2 Prozent, schlechter war es nur 1950. Ja, da will er Verantwortung übernehmen. Nur halt nicht jetzt sofort, äh, unverzüglich. Sondern lieber ein bisschen später, also vielleicht so Ende November. Oder Anfang Dezember. Oder, das aber garantiert, spätestens Mitte Dezember.

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Wir mutmaßen mal, er meint 2018. Präzise gesagt hat er das nicht, der Horst, und für offene Hintertüren ist er ja bekannt. Egal. Wochen werden so oder so vergangen sein, eine, mutmaßlich aus CSU und Freien Wählern bestehende Koalition gebildet und Markus Söder zum Ministerpräsidenten gewählt sein, bevor die CSU und mit ihr ihr Chef konsequent analysierend in sich gehen wollen. Das alles sieht schwer nach rascher Tatortreinigung á la CSU aus, wenn man so will. Spuren beseitigen, dann schaun mer mal. Und wenn das geschehen ist, dann sieht die Welt von Horst Seehofer möglicherweise schon wieder ganz anders, sagen wir: rosiger aus.

Hauptsache der Ball ist in den eigenen Reihen

Es ist dieser Moment. Eigentlich nichts zu retten – also Scheiß drauf? Nicht mit dem großen Taktiker Horst Seehofer. Der Mann spielt gerade gnadenlos auf Zeit. Das letzte Mal hat der erfahrende Beobachter das bei Europapokal-Spielen (so hieß das damals noch) von Inter Mailand in den 70er Jahren gesehen - Hauptsache der Ball ist in den eigenen Reihen. Und wenn Spielfluss von anderer Seite droht, dann schnell mal minutenlang am Boden, dabei eine Verletzung vortäuschend.

Seehofer schindet Zeit in eigener Sache. Nichts anderes kann die Lesart seines Auftritts an diesem Dienstag zur Mittagsstunde vor der Bundespressekonferenz in Berlin sein. Er hält sich damit alle Optionen offen, vom altväterlichen Weitermachen im Amt des CSU-Chefs und des Bundesinnenministers bis hin zum großen Finale, dem unheimlich starken Abgang, bei dem er (aus seiner Sicht bestenfalls) auch die Kanzlerin mitreißen kann.

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Für Angela Merkel ist das alles keine gute Nachricht. Denn Seehofer behält sich seine persönliche Unantastbarkeitsphase exakt für den Zeitraum vor, in dem die Kanzlerin mutmaßlich in schwere Wasser gerät. Sie muss in knapp zwei Wochen das wahrscheinlich schlechte CDU-Ergebnis in Hessen überstehen - und sie muss aufpassen, dass die Unruhe in ihrer Partei vor dem CDU-Parteitag im Dezember in Hamburg, bei dem ihre Wiederwahl eigentlich ansteht, nicht zu groß wird. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat die Tage schon vorausgesagt, dass es Verwerfungen in der Partei geben werde. Ausgang offen?

Horst vor der Wahl: Blech- oder Totalschaden?

Exakt in diesen entscheidenden Wochen für den künftigen Kurs der Union sitzt Horst Seehofer im selbst-gezimmerten Off und kann überlegen, ob er es bei Blechschäden belassen oder einen Totalschaden anrichten will. Es ist eine komfortable Position. Man lässt sie ihm durchgehen in der CSU, was bitter ist. "Ich werde mich nicht häuten", hat der CSU-Chef gesagt. Was heißt, er werde in den nächsten Wochen kein anderer werden. Was wiederum heißt: Mit dem Schlimmsten darf gerechnet werden. The Horst-Show must go on.