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Berlin³: Asylbewerber: Seehofers absurde Obergrenze

Angesichts der im vergangenen Jahr real eingereisten Asylbewerber wird der von CSU-Chef Horst Seehofer angezettelte und beharrlich weiter befeuerte Streit um eine Obergrenze immer bizarrer.

Horst Seehofer

Obwohl die Zahlen eine andere Sprache sprechen, beharrt Horst Seehofer auf seiner Forderung nach einer Obergrenze für Flüchtlinge

280.000 Menschen sind im vergangenen Jahr nach Deutschland eingereist und haben Asyl beantragt. Frage, mit der Bitte um eine ehrliche Antwort: Sind das: a) viele? b) wenige? c) geht so?

Kommt wahrscheinlich darauf an, wie man es betrachtet. Ja, es sind immer noch 80.000 Menschen pro Jahr mehr, als jene von CSU-Chef Horst Seehofer mit seiner imaginären "Obergrenze" geforderten 200000. Also a) – viele. Andererseits: Es sind über 600.000 (!) Menschen weniger als jene 890.000 Asylbewerber, die noch in 2015 registriert wurden – in jenem Jahr also, in dem wiederum Seehofer seine "Obergrenze" angesichts einwandernder Massen so eben aus dem Bauch heraus mal als zumutbares Quantum definierte. Das wäre dann doch:  b) wenige.

Seehofer schürt unnötig Ängste

Und wenn man beides zusammen nähme? Landete man dann nicht automatisch bei c) – geht so? Mit anderen Worten: Die von Bundesinnenminister Thomas de Maiziere heute vorgestellten Zahlen hätten bei nüchterner Betrachtung allemal das Zeug, einen tief sitzenden Streit zwischen Seehofer und Bundeskanzlerin Angela Merkel zu befrieden. Und zwar: subito! Es müsste nicht mal ein Friedensgipfel zwischen CDU und CSU her, es reichte ein kurzes Telefonat. Zur Not täte es auch eine Pressemitteilung aus München. Rein mengenmäßig, mit Verlaub und Respekt vor jedem Einzelschicksal, handelt es sich für einen Staat wie die Bundesrepublik Deutschland bei jenen 80.000, die vermeintlich zu viel sind und die betreut, versorgt und irgendwann integriert werden müssen, um "Peanuts".

Zumal, oder will das schon keiner mehr hören, da unten in Bayern...? Zumal die Tendenz eher abnehmend ist. Durch Dichtmachen der Balkan-Route und den berüchtigten "Flüchtlings-Deal" der EU mit der Türkei pendelt sich die Zahl der im Bundestagswahljahr ankommenden Asylbewerber mutmaßlich deutlich unter der Seehofer-Grenze ein.  Jegliches weiteres Draufrumreiten trägt auch und gerade im Wahljahr spätestens seit heute schwere Züge des Postfaktischen. Es schürt unnötige Ängste. Es macht Stimmung. Oder anders ausgedrückt: Seehofer will vorgeblich Probleme bewältigen, die in dieser Größenordnung längst nicht mehr vorhanden sind.

Ist das politisch klug? Das kommt darauf an, von welcher Seite aus man es betrachtet. a) von Seehofers Seite? b) von Seehofers Seite?

Politische Dummheit

Tippfehler? Aber nein, ganz und gar nicht! Zu besichtigen ist gerade das Dilemma eines Mannes, der nach den Gesetzen der Wallungsdemokratie funktioniert. Es kann sein, dass er a) noch eine Zeitlang das Zerrbild von den Massen, die reichlich ungebeten in unser Land kommen, aufrechterhalten kann, in dem er vermeintliche Erträglichkeitsquoten definiert. Kann aber auch sein,  dass er sich b) derart darin verbissen hat, dass er seinen Absprung von der Forderung nach einer Obergrenze nimmermehr findet.

Betrachtet man das alles mal c) nicht von Seehofers Seite. Dann stellt sich nicht die Frage nach der politischen Klug- sondern der politischen Dummheit. Die allerdings ist doch sehr eindeutig zu beantworten. Mit: Ja!!!