Klaus Uwe Benneter "Benni Bürgerschreck"


Klaus Uwe Benneter von der Berliner SPD soll neuer Generalsekretär der Sozialdemokraten werden. Der Schröder-Freund und ehemalige Juso-Vorsitzende gilt als "Lieblingslinker" des Kanzlers.

Der frühere Parteirebell Klaus Uwe Benneter hat in der SPD nicht nur Freunde. Beim letzten Parteitag im November rasselte der Fraktionslinke im Bundestag bei der Wahl des 45-köpfigen Vorstands mit Pauken und Trompeten durch. Jetzt soll der seit gemeinsamen Juso-Tagen mit Kanzler Gerhard Schröder befreundete Benneter den designierten Parteichef Franz Müntefering dabei unterstützen, die Sozialdemokraten aus ihrer tiefen Krise zu führen.

Der heute 56-jährige Benneter war in den 70er Jahren Schröders Vorgänger als Bundesvorsitzender der in heillosen Flügelkämpfen zerfallenen Jungsozialisten. Im März 1977 übernahm er die SPD-Jugendorganisation als Führer des marxistischen und DKP-freundlichen Stamokap-Flügels (Theorie vom staatsmonopolistischen Kapitalismus). Zu den schärfsten Gegnern gehörten die "Refos" (Reformsozialisten), zu deren Aktivisten etwa die hessische Lehrerin Heidemarie Wieczorek-Zeul zählte. Dazwischen agierten die weniger theoriebesessenen "Anti-Revis" (Anti-Revisionisten) mit Schröder.

1977 aus der Partei ausgeschlossen

Nach vier Monaten als Juso-Chef hatten die Parteigranden von "Benni Bürgerschreck" genug: Er erregte den Verdacht, die SPD unterwandern zu wollen. Der Vorstand entzog ihm kurzerhand die 1965 erworbene Mitgliedschaft. Parteimanager und für die Durchsetzung von Unvereinbarkeitsbeschlüssen zuständig war damals Egon Bahr als Bundesgeschäftsführer, dessen Amt Benneter nun übernehmen soll. Nur die Amtsbezeichnung hat sich geändert.

Als Nachfolger Benneters wurde Schröder nominiert. Der soll später einmal gesagt haben: "Benni war wie ich, für Theorie interessierte er sich wenig. Der machte Politik aus dem Bauch heraus."

Sechs Jahre später, 1983, kehrte Benneter in Ehren in den Schoß der Partei zurück. Neben Schröder und Helmut Schmidt soll sich auch Herbert Wehner bei Parteipatriarch Willy Brandt für ihn eingesetzt haben.

Rückkehr in die Berliner SPD

In Berlin hielt sich Benneter dem politischen Rampenlicht zunächst fern: Er wurde Landesschatzmeister. Schröder scherzte damals über die Rückkehr Benneters in die Partei, wie dessen Biograf Reinhard Urschel schrieb: "Wenn der Onkel (Wehner) wüsste, dass Benneter heute in Berlin die Kasse hat, hätte er das vielleicht nicht gemacht."

Benneter wurde auch stellvertretender SPD-Landesvorsitzender sowie Bezirksstadtrat. Von 1999 bis 2002 war er Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und als solches Vorsitzender des Untersuchungsausschusses zur Bankenaffäre, die zum Kollaps der großen Koalition unter Führung des CDU-Politikers Eberhard Diepgen führte.

Als Linker gilt er schon lange nicht mehr

Als politisches Kunststück gilt, dass es Benneter bei der Bundestagswahl 2002 gelang, in Steglitz-Zehlendorf, wo sich die Villenviertel der Stadt befinden, mit 40,8 Prozent direkt in den Bundestag gewählt zu werden. Als Linker und Rebell gilt er schon lange nicht mehr, eher als Verkörperung von Parteidisziplin mit guten Kontakten zur Parteirechten. Von des Kanzlers "Lieblingslinken" ist sogar die Rede.

Kurz nach der Wahl übernahm der Rechtsanwalt und Notar den Vorsitz des von der Union beantragten Untersuchungs- ausschusses zum Vorwurf des Wahlbetrugs. Sein Lebensmotto steht auf seiner Homepage unter "Privat": "Wer nur von alten Zeiten träumt, wird keine besseren erleben!"

Frieder Reimold

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