HOME

Kommentar: Kater Beck badet gerne lau

Wenn es nach Kurt Beck geht, gibt es keine Kritik an seiner neuen Strategie, geschweige denn an seiner Person. Dass um ihn herum die Mäuse auf den Tischen tanzen, will er nicht wahrhaben. Wäre die SPD noch die gute alte SPD, würde sie sich eines solchen Vorsitzenden schnellstmöglich entledigen.

Von Hans Peter Schütz

Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck sprach vor einigen Monaten ein klares Wort: Mit dieser Linkspartei läuft für die SPD nichts. Dann hat er vor kurzem seine Meinung geändert und erneut ein klares Wort gesprochen: In den alten Bundesländern läuft es für die SPD mit den Linken doch. War das ein Wortbruch? Bewahre! Nicht mal andeutungsweise kann dieser SPD-Chef erkennen, dass er sein Wort gebrochen hat. War nur ein Wechsel der Strategie.

Hätte man es je gedacht, dass sich ein SPD-internes Tohuwabohu so leicht erklären und klein reden lässt, wie dies Kurt Beck bei seinem ersten Auftritt nach zweiwöchiger Krankheit getan hat. Man könne es doch nicht eine Lüge nennen, so der wieder genesene Beck, wenn man gezwungen wird, einen anderen Weg zu gehen, als man vorher gedacht hat. Mit Glaubwürdigkeit habe dies rein gar nichts zu tun. Ach so ist das.

Aus der Tiefe des Raums

Bekanntlich kommt dieser SPD-Vorsitzende aus der Tiefe des ländlichen Raums. Daher bedient er das staunende Publikum mit so schönen Weisheiten wie: Es kommt nicht nur darauf an, fest im Sattel zu sitzen (wie er zum Beispiel), man muss das Pferd auch noch in die richtige Richtung lenken. Also alles ganz einfach. Vorausgesetzt nur, man kennt die Richtung. Kennt Beck sie? Der Blick in die abstürzenden jüngsten Umfragen lehrt: die Wähler glauben, dass es nicht so ist. Er selbst muss jetzt erst mal über die Richtung nachdenken lassen, bis zum Mai.

Falls jemand in den vergangenen Tagen den Eindruck gewonnen haben sollte, in der SPD gehe es drunter wie drüber, seien irgendwie schlicht alle politischen Teufel jedweder Richtung los, liegt er ebenfalls voll daneben. Alles nicht der Rede wert. Denn eine Bauernweisheit aus dem hinterpfälzischen Wald besagt laut Kurt Beck: Wenn die Katze aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse halt ein wenig heftiger.

Respekt für Steinmeier und Steinbrück

Welche Mäuse? Folgt man dem Kater Beck, könnte man an die hessische Abgeordnete Dagmar Metzger denken. Wagte es doch tatsächlich vor einer wichtigen Sitzung zum Skifahren zu gehen. Ziemlich pflichtvergessen, diese Dame, die Beck wohl eher für ein politisches Mäuschen hält. Aber glaube doch keiner, dass er sie deswegen aus der Partei werfen lasse.

Also noch einmal die Frage an den SPD-Chef: Haben auch richtige Mäuse auf dem SPD-Tisch getanzt, während er zu Bett liegen musste? Etwa sein Stellvertreter Peer Steinbrück, der beim Blick aufs Innenleben der SPD an "Psychiatrie" denken muss. Oder der Fraktionsvorsitzende Peter Struck, der seinem Parteichef vorgeworfen hat, er habe die politische Mitte geräumt und damit den Wahlsieg 2009 schon vorab verschenkt. Oder sein Stellvertreter Frank Walter Steinmeier, der zuhause selten eine Chance auslässt, am Kurs des Vorsitzenden herumzunörgeln, so man ihm nur Diskretion zusichert. Aber nein, hören wir vom Oberkater Beck, es waren nur die ganz kleinen Mäuschen, die da tanzten. Die Herren Stellvertreter und der Fraktionsvorsitzende genießen seinen "höchsten inhaltlichen Respekt." Er "schätzt sie im höchsten Maße."

Wer nach diesem müdmatten Auftritt des amtierenden Vorsitzenden an die Zukunft der SPD denkt, ihr personelles Angebot für die Bundestagswahl 2009 gewichtet, nach ihren inhaltlichen Linien sucht, kann unterm Strich nur notieren: Arme SPD. Es hätte ihrer Führung viel früher einfallen müssen, dass man der Linkspartei nur mit klaren Gegenpositionen beikommen kann. Ihrem Chef hätte früher auffallen müssen, dass sich die SPD in der extrem schwierigen Situation einer nach links rückenden Union und einer sträflich unterschätzten Linkspartei nicht vom behäbigen Mainz aus und in kommunikativen Alleingängen führen lässt. Ihr fehlt ein operatives Zentrum, wie es unter dem späten Schröder existierte, unter dem frühen Müntefering wenigstens noch in Ansätzen zu erkennen gewesen war.

Gäbe es in der SPD noch einen Herbert Wehner, er hätte nach dieser Pressekonferenz ziemlich laut gerufen: Dieser Herr badet gerne lau. Und anschließend hätte er ruckzuck für dessen Entsorgung an der Parteispitze gesorgt. Denn diesem Kater Beck wird die Maus Linkspartei noch lange auf dem Tisch vortanzen.