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Liebesbeziehung mit Teenager: Boettichers Rücktritt beruhigt die Moralisten

Seine Affäre mit einer 16-Jährigen bringt Christian von Boetticher immer mehr Ärger. Nach seinem Rücktritt als Schleswig-Holsteins CDU-Chef distanziert sich nun auch die eigene Partei von ihm.

Von Friederike Ott

Es war ein Auftritt, wie man ihn selten bei Politikern erlebt. Als Christian von Boetticher am Sonntag seinen Rücktritt als Parteichef der CDU in Schleswig-Holstein bekannt gab, wirkte er fahrig und schaute kaum von seinem Skript auf. Schließlich versagte ihm die Stimme und er verlangte nach einem Taschentuch. Er kämpfte sichtlich mit den Tränen.

"Ja, es ist wahr, ich habe mich im Frühjahr 2010 in eine junge Frau verliebt und bin mehrere Monate mit ihr zusammen gewesen", gestand er vor Pressevertretern. Am 19. Juli habe ihn Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) mit Spekulationen konfrontiert, die eine Beziehung zu einer jungen, zum damaligen Zeitpunkt 16-jährigen Frau im Frühjahr 2010 betrafen.

"Diese sehr ungewöhnliche Liebe ist auch von unserem Umfeld akzeptiert und unterstützt worden", sagte Boetticher. "Es war schlichtweg Liebe." Dann macht er eine Pause und ringt um Fassung. Eine solche Liebesbeziehung sei zwar legal, treffe aber bei vielen Menschen auf verständliche und moralische Vorbehalte.

"Das überschreitet die Grenze zu dem, was akzeptiert werden kann"

Wohl wahr, auch in seiner eigenen Partei. Seit Bekanntwerden der Affäre bröckelt der Rückhalt des 40-jährigen Politikers in der CDU. Zwar spricht juristisch gesehen tatsächlich nichts gegen die Beziehung mit einer 16-Jährigen. Viele Parteikollegen des einstigen CDU-Nachwuchsstars sind jedoch der Meinung, dass die Beziehung moralisch anders zu beurteilen ist.

"Die Konsequenz, die von Boetticher gezogen hat, war richtig", sagt etwa Ingbert Liebing, CDU-Bundestagsabgeordneter aus dem Wahlkreis Nordfriesland und Dithmarschen Nord zu stern.de. "Das Verhältnis zu einer Minderjährigen überschreitet eine Grenze zu dem, was akzeptiert werden kann."

Auch Johann Wadephul, der bis 2009 Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kieler Landtag war, findet den Rücktritt notwendig. "Es ist nicht alles richtig, was strafrechtlich nicht verfolgt wird. Eine 16-Jährige ist noch ein Mädchen, keine Frau."

Für Hans-Jörn Arp, CDU-Mittelstandsbeauftragter in Schleswig-Holstein, kam die Nachricht überraschend. "Es hat uns tief getroffen, wir fühlen uns gelähmt", sagte er im Gespräch mit stern.de. "Er war ein Hoffnungsträger, wir haben viel auf ihn gesetzt." Doch zu seinem eigenen Schutz sei der Rücktritt richtig. "Es ist die Frage, wie er das moralisch durchstehen würde, wenn er auf Wahlkampfveranstaltungen geht und mit Müttern und Vätern konfrontiert ist, deren Töchte auch 16 sind."

"Ich kann bis heute nichts Schlechtes über Christian sagen"

Auch Ministerpräsident Carstensen sagte dem NDR, es sei richtig, dass Boetticher die Entscheidung selbst getroffen habe. "Mir tut es leid um ihn. Dass ich auch eine gewisse Enttäuschung habe, ist selbstverständlich", sagte er. Von Boetticher sei ein exzellenter Politiker. Aber ein Spitzenamt anzustreben, habe andere Ansprüche, denen man auch gerecht werden müsse.

Von Boetticher hatte sein Privatleben bisher vor der Öffentlichkeit weitgehend verborgen. Schon seit der Übernahme des Landesvorsitzes im September vergangenen Jahres wurde er immer wieder mit Spekulationen über seine sexuelle Orientierung konfrontiert. "Es gab mehrere Journalisten, die sicher zu wissen glaubten, dass ich schwul sei und ein Outing erwarteten", sagte Boetticher am Sonntag, als er seinen Rücktritt bekannt gab. Es sei sogar behauptet worden, seine aktuelle Partnerin sei nicht seine Partnerin, schließlich hätten sie nicht zusammengelebt.

Das 16-jährige Mädchen bekannte sich inzwischen im Kölner "Express" zu der damaligen Beziehung und sagte: "Ich kann bis heute nichts Schlechtes über Christian sagen."

In Kiel versuchte die CDU-Spitze derweil, möglichst schnell die peinliche Affäre zu beenden. Am Montagnachmittag verdichteten sich die Anzeichen, dass Wirtschaftsminister Jost de Jager neuer Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in neun Monaten wird. Der 46-Jährige soll bereits seine Bereitschaft signalisiert haben. Auf ihn könnte auch der Posten des Landesvorsitzenden hinauslaufen.

Inzwischen hat von Boetticher auch das Amt als Fraktionsvorsitzender im Landtag niedergelegt. Er habe sich zu dem Rücktritt entschieden, um "weiteren Schaden von meinem Umfeld, von meiner Fraktion und von meiner Person abzuwenden", erklärte er am Montagabend in Kiel.