VG-Wort Pixel

Merkel in den USA Differenzen zum Dinner

US-Präsident Barack Obama empfängt Angela Merkel wie eine alte Freundin. Dabei steht es nicht bestens um die Beziehung. Das Bankett am Abend glänzt mit illustrer Gästeschar.

Aus Sicht von Angela Merkel müsste dieser Empfang in den USA ihre Kritiker Lügen strafen. Etwa diejenigen, die behaupten, das Verhältnis zwischen Berlin und Washington im Allgemeinen und zwischen ihr und Barack Obama im Besonderen sei getrübt. Doch dann holte sie der US-Präsident mit dem Auto ab und entführte die Kanzlerin zum "1789 Restaurant" - eine altehrwürdige Adresse in Georgetown. Es war ein bisschen so wie bei einer Verabredung ganz normaler Bekannter.

Die Themen des vertraulichen Tischgesprächs waren staatstragender: die Schuldenkrise sowie Nordafrika, Afghanistan, die Weltwirtschaft sowie die Lage in Deutschland und den USA standen auf der Agenda.

Libyen, Finanzkrise - Differenzen nicht zu übersehen

Auf deutscher Seite wurde danach schon einmal von einem gelungenen Auftakt des großen Besuches gesprochen. Dabei hält sich bei manchen Politikern die Wahrnehmung einer gewissen transatlantischen Spannung. Vor allem wegen zwei Ereignissen: Als Merkel 2008 den damaligen Präsidentschaftskandidaten Obama nicht am Brandenburger Tor, sondern nur an der nicht ganz so symbolhaften Siegessäule in Berlin sprechen ließ, und er als Präsident dann zwei Mal nach Deutschland kam und einen Bogen um die Hauptstadt machte. Schließlich noch der Krach um die Bewältigung der Finanzkrise und zuletzt die Differenzen um das Vorgehen gegen Libyen.

Erst kurz nach Merkel Abreise hatte die SPD ihr noch mit auf den Weg gegeben, dass sie die transatlantischen Beziehungen vernachlässigen würde. Der sozialdemokratische Außenpolitiker Rolf Mützenich sagte im Deutschlandfunk, er halte es für fraglich, ob Merkels Regierung die Chance auf bessere Beziehungen zu den USA unter Präsident Obama wirklich aufgegriffen habe. Man sehe wie in der Innenpolitik auch in der Außenpolitik "eine gewisse Beliebigkeit".

Obama empfängt Merkel wie eine Präsidentin

Doch dann ein solches Willkommen - das hat es seit Jahren für keine deutsche Regierung mehr gegeben. Zwar ist Merkel keine Staatschefin, doch Obama empfängt sie wie eine Präsidentin. Die Kanzlerin bekommt vor dem Weißen Haus militärische Ehren mit einigen Tausend Gästen, 19 Salutschüsse werden abgegeben, die Nationalhymnen beider Staaten gespielt. Für den Abend wurde ein Staatsbankett mit 250 Gästen angesetzt - vor ihr lud Obama nur die Präsidenten von China, Mexiko und Indien zu einer solch erlauchten Runde ins Weiße Haus ein.

Ein Staatsbankett für Merkel - das hätte Obama nicht machen müssen, heißt es. Aber er tut es - genauso wie er ihr die Freiheitsmedaille für ihre beispiellose politische Karriere und ihr Streben nach Freiheit verleiht. Merkel ist erst die zweite Person aus Deutschland, die diese vom Präsidenten der Vereinigten Staaten seit 1963 verliehene höchste zivile Auszeichnung des Landes bekommt. Vor ihr war es nur Altkanzler Helmut Kohl. Für Mützenich ist die Verleihung allerdings "eine Auszeichnung an einen Partner, den man sich wünscht, aber den man wohl zurzeit noch nicht hat".

Angekündigt hat Obama ihr diese Ehre ausgerechnet an einem Tag im vorigen November, an dem beide vor der Weltöffentlichkeit beim G20-Gipfel in Südkorea aneinandergeraten waren. Während Merkel auf die Schuldenbremse trat, pochte Obama auf Konjunkturprogramme zur weiteren Ankurbelung der Weltwirtschaft und Eindämmung der Finanzkrise - auch auf Pump. Merkel hatte mit allerlei gerechnet, aber nicht damit, dass Obama ihr in dieser Situation eröffnet, dass sie die Freiheitsmedaille bekommen wird.

So sei ihr Verhältnis - Merkel und Obama schätzten sich trotz Differenzen, heißt es in deutschen Regierungskreisen. Das muss aber nicht unbedingt heißen, dass sie sich auch mögen.

Bahnbrechende Beschlüsse werden von diesem Besuch Merkels nicht erwartet. In der zwischen Deutschland und den USA strittigen Frage des Vorgehens gegen Libyen werden die Kanzlerin und ihr Außenminister Guido Westerwelle nicht hinter die von ihnen scharf gezogene Linie zurückgehen, wonach sich Deutschland nicht an dem Nato-Einsatz gegen das Regime von Machthaber Muammar al Gaddafi beteiligt. Ein bisschen mehr zivile Hilfe beim Aufbau von Wasser- und Elektrizitätsnetzen könnte angeboten werden. Und später, wenn die Lage in Libyen einmal befriedet sein sollte, Unterstützung bei der Polizeiausbildung. So ähnlich hat Merkel es den Nato-Partnern aber auch schon beim G8-Gipfel Ende Mai in Deauville erzählt.

Thomas Gottschalk ist auch dabei

Merkel wird von einer großen deutschen Delegation begleitet, zu der auch Vizekanzler Philipp Rösler, Verteidigungsminister Thomas de Maiziere, Außenminister Guido Westerwelle, Finanzminister Wolfgang Schäuble und Innenminister Hans-Peter Friedrich gehören. Zudem wird ihr Mann Joachim Sauer an dem abendlichen Staatsbankett teilnehmen. Ebenso wie Thomas Gottschalk, der in den USA lebt. Er findet, das deutsch-amerikanische Verhältnis wird schlechter dargestellt als es in Wirklichkeit sei. Obamas Einladung sei eine gute Geste. Der US-Präsident könne auch selbst davon profitieren, meint Gottschalk. Schließlich sei Deutschland als erstes Land aus der Finanzkrise herausgekommen. Vielleicht könne Merkel ihm ja ein paar Tipps für das hoch verschuldete Amerika geben.

Auch der ehemalige Fußball-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann begleitet die Kanzlerin. "Das ehrt mich, dass ich da dabei sein darf. Ich finde Obama echt gut", sagte er. Klinsmann lebt seit zwölf Jahren in Kalifornien.

nik/DPA/AFP DPA

Mehr zum Thema



Newsticker