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Neues Konzept vorgelegt "Wir können jeden Tag starten" – Kulturszene bereit für Zuschauer

Wenige Besucher sitzen mit weitem Abstand zueinander aufgrund der Corona-Pandemie in einem Kinosaal (Archivfoto)
Wenige Besucher sitzen mit weitem Abstand zueinander aufgrund der Corona-Pandemie in einem Kinosaal (Archivfoto)
© Daniel Reinhardt / DPA
Die Corona-Pandemie wirkt wie ein dicker Vorhang zwischen Kulturszene und Zuschauern. Ein neues Konzept gibt den Spielstätten Hoffnung. Aus der Politik kommen zudem positive Signale.

Die Kultur macht sich Hoffnung auf die Rückkehr von Zuschauern. Ein umfassendes Konzept will Möglichkeiten von Besuchern auch in der Corona-Pandemie aufzeigen. Theaterchefs und Veranstalter sehen in dem am Montag präsentierten Papier gute Möglichkeiten für zunehmend besetzte Säle.

Das Papier haben 20 Wissenschaftler in den vergangenen Wochen erarbeitet, es wird von gut 40 Sport- und Kultureinrichtungen getragen. Es sieht in mehreren Stufen die Rückkehr von Zuschauern bis hin zur Vollauslastung bei Kontaktmanagement und Antigen-Tests vor. 

Verschiedene Auslastungen mit verschiedenen Maßnahmen

Mit einem modularen Konzept wollen Wissenschaft, Sport und Kultur wieder mehr Zuschauer in ihre Spielstätten holen – bis hin zu Vollbesetzung. "Wir wollen der Politik einen Weg aufzeigen, wie es zurück gehen könnte", sagte der Berliner Gesundheitsökonom Florian Kainzinger am Montag in Berlin während der Präsentation des von gut 40 Sport- und Kultureinrichtungen getragenen Konzeptes.

Der Leitfaden sieht zunächst ein Basiskonzept zur Rückkehr von Zuschauern vor. Bei geschlossenen Räumen wie Konzerthäusern, Theatern, Opern, Hallen oder Arenen soll jeweils ein Hygiene-, Lüftungs- und Infektionsschutzkonzept notwendig sein. Zudem werden Konzepte zum Ein- und Auslass sowie für An- und Abreise verlangt. Damit werde eine Besetzung zwischen 25 und 30 Prozent möglich. Im Außenbereich wird bei vergleichbaren Standards eine Auslastung von bis zu 40 Prozent als möglich betrachtet. Weitere mögliche Maßnahmen sind etwa personenbezogene Tickets,  Maskenpflicht und Alkoholverbote.

Für mehr Auslastung dienen Spezialkonzepte, wobei ein Hygienekonzept mit hohen Standards "Wildwuchs" verhindern soll. Ein Maximalmodell erfordert etwa digitales Kontaktmanagement und Antigen-Tests vor jeder Veranstaltung. Mit solchen Maßnahmen ist laut Konzept eine "Vollauslastung von Opern, Konzerten und Sportereignissen" möglich.

"Senken der Inzidenz bleibt im Moment vordringlich"

Von einem "richtigen Weg" sprach Berlins Kultursenator Klaus Lederer. "Die Initiative ist nicht hoch genug einzuschätzen", sagte der Linke-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Abgestufte Konzepte mit der Kombination aus wissenschaftlicher und praktischer Expertise, interdisziplinärer Zusammenarbeit und die Differenzierung mit großer Bandbreite seien ein "starkes Signal".

"Es braucht eine Perspektive, die uns Hoffnung und Ansporn gibt, damit wir wegkommen von den Durchhalteappellen ohne Aussichten auf Verbesserungen", sagte Lederer, der derzeit auch die Kulturministerkonferenz der Länder leitet. Dies müsse allerdings im vollen Wissen um die Gefahren des Virus und entsprechend realistischer Einschätzung geschehen.

Gleichzeitig warnte Lederer: "Das Senken der allgemeinen Inzidenz bleibt im Moment absolut vordringlich, sonst laufen wir in eine Situation, in der solche guten Konzepte noch länger im Schrank bleiben müssen." Dennoch müsse an Umsetzung und gegebenenfalls Investitionen in Infrastruktur gearbeitet werden. 

Positive Resonanz aus der Kultur

"Sobald Öffnungen möglich sind, müssen Kultur, Sport und Veranstaltungen unter Einschätzung des spezifischen Risikos von Formaten dabei sein", sagte Lederer. Die Konzepte ermöglichten sehr viel Risikobeherrschung und eine größere Sicherheit als in vielen Alltagssituationen. "Dem muss die Politik Rechnung tragen."

Positive Resonanz gab es auch in vielen Kultureinrichtungen. "Wir können jeden Tag starten", sagte Klaus Dörr, Intendant der Volksbühne Berlin, der für die Theater bei der Präsentation dabei war. Das modulare Konzept sei "wichtiger Baustein in der Diskussion um eine verantwortungsvolle und kontrollierte Öffnung für Kunst, Kultur und gesellschaftliches Leben".

Andrea Zietzschmann, Intendantin der Berliner Philharmoniker, sprach von der Notwendigkeit, das kulturelle Leben "so gut es geht mit Corona zu gestalten". Es werde eine konkrete Perspektive aufgezeigt für Zuschauer bei Veranstaltungen. "Die Kunst lebt davon", Kultur gehöre zu den Grundbedürfnissen der Gesellschaft. 

"Wir wollen wieder öffnen"

"Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass der Vorhang bald wieder hochgehen kann, und wir wieder für unser Publikum da sein können", sagte der Chef der Komödie Berlin, Martin Woelffer. Der Intendant des Friedrichstadt-Palastes, Berndt Schmidt, sieht in "endlosen Schließungen im Kunstbetrieb" keine politische Antwort auf Corona. "Auch eine Pandemie eröffnet Spielräume."

Für den Deutschen Kulturrat, Spitzenverband von 261 Kultureinrichtungen und -verbänden, sagte Geschäftsführer Olaf Zimmermann: "Wir wollen wieder öffnen und wir wollen die Menschen, die unsere Einrichtungen besuchen oder in ihnen arbeiten, vor dem Virus schützen." Das Konzept von Kultur, Sport und Wissenschaft zeige, dass beides gehen könne.

rw DPA AFP

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