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NSU-Prozess: Die letzten Plädoyers für Beate Zschäpe - mit den Anwälten spricht sie seit Jahren nicht mehr

Mehr als fünf Jahre Verhandlung hat der NSU-Prozess um Beate Zschäpe schon verschlungen. Jetzt stehen die letzten Plädoyers ihrer Pflichtverteidiger an, mit denen die Angeklagte seit Jahren nicht spricht.

Letzte Plädoyers für Beate Zschäpe im NSU-Prozess

Beate Zschäpe mit ihren ursprünglichen Pflichtverteidigern des NSU-Prozesses: Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl (v.l.n.r.)

Picture Alliance / DPA

Im Münchner NSU-Prozess gegen Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Helfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" sollen ab Dienstag (9.30 Uhr) die drei ursprünglichen Pflichtverteidiger Zschäpes plädieren - Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm.

Die Anwälte vertreten Zschäpe seit Beginn des NSU-Prozesses im Jahr 2013, allerdings seit drei Jahren gegen den Willen der Angeklagten. Zschäpe wollte eine neue Verteidigungsstrategie und beantragte die Loslösung von Heer, Stahl und Sturm. Der Antrag allerdings scheiterte - auch Folgeanträge der Anwälte, die Arbeit mit der Angeklagten beenden zu dürfen, wurden abgelehnt.

Verteidigung wider Willen im NSU-Prozess

Stattdessen kamen zwei neue Verteidiger dazu, Mathias Grasel und Hermann Borchert, die dem Prozess eine neue Wendung gaben und ein deutlich geringeres Strafmaß für Zschäpe forderten. Ihre Plädoyers wurden bereits im April gehalten.

Zuletzt sind nun Heer, Stahl und Sturm an der Reihe, die als Pflichtverteidiger weiterhin für ihre Mandantin plädieren müssen, obwohl diese seit dem Bruch nicht mit ihnen kommuniziert. Dem Vernehmen nach werden die drei Verteidiger für ihr Plädoyer mehrere Tage benötigen.

Zschäpe ist in dem Mammutprozess vor dem Oberlandesgericht München die Hauptangeklagte. Sie hat eingestanden, fast 14 Jahre mit den beiden Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund gelebt zu haben. In dieser Zeit sollen Mundlos und Böhnhardt zehn Menschen in ganz Deutschland ermordet haben. Neun der Opfer waren türkisch- und griechischstämmige Zuwanderer, eines eine Polizistin. Die Motive waren Fremdenhass und Hass auf den Staat. Außerdem kam es zu mehreren Raubüberfällen durch die NSU.

Höchstmögliche Strafe für Beate Zschäpe gefordert

Die Bundesanwaltschaft hat für Zschäpe lebenslange Haft, die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und anschließende Sicherungsverwahrung gefordert. Eine höhere Strafe gibt es in Deutschland nicht.

Ihre beiden Wahlverteidiger halten dagegen eine Gefängnisstrafe von höchstens zehn Jahren für angemessen. Ihre Begründung: Beate Zschäpe soll nur mit den Raubüberfällen einverstanden gewesen sein, für die Morde machen die Verteidiger die NSU-Mitglieder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt verantwortlich. Zudem würde die Beweislage nicht ausreichen, um Beate Zschäpe zweifelsfrei als Gründungsmitglied der NSU zu identifizieren.

sve / DPA