Obama-Rede "Amerika hat keinen besseren Partner als Europa"


Barack Obama bekennt sich zum transatlantischen Bündnis: Bei seiner Rede in Berlin erinnerte er an die Solidarität zwischen den USA und Europa in der Vergangenheit und rief dazu auf, neue Brücken zu bauen, um die gemeinsamen Herausforderungen zu meistern.

Bei seinem umjubelten Auftritt in Berlin hat der Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, Barack Obama, für einen Neuanfang in den transatlantischen Beziehungen geworben. Vor mehr als 100 000 Zuhörern an der Berliner Siegessäule forderte er Amerikaner und Europäer am Donnerstag auf, ihre Konflikte hinter sich zu lassen und gemeinsam gegen globale Probleme wie Klimawandel und Terrorismus zu kämpfen. Keine Nation, so stark sie auch sei, könne die Herausforderungen der Welt alleine meistern, sagte Obama. „Amerika hat keinen besseren Partner als Europa.“ Jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, neue Brücken aufzubauen.

Konkret drängte Obama zu einem stärkeren gemeinsamen Engagement in Afghanistan. „Das afghanische Volk braucht unsere Truppen und eure Truppen, unsere und eure Unterstützung“, um gegen die Taliban vorzugehen und ihr Land wieder zu entwickeln. Zur Frage einer Aufstockung der internationalen Truppen äußerte er sich nicht.

In seiner Rede beschwor Obama den Geist der Solidarität zwischen Amerika und Europa, wie er sich vor 60 Jahren in der Luftbrücke für Berlin gezeigt habe. Er erinnerte an den Aufruf des früheren Berliner Bürgermeisters von Berlin, Ernst Reuter, der 1948 während der Blockade Berlins gesagt hatte: „Völker der Welt, schaut auf diese Stadt!“ Obama verband damit den Aufruf, frühere und künftige Konflikte gemeinsam zu überwinden.

Er räumte aber ein, dass sich Amerika und Europa in der Vergangenheit auseinandergelebt hätten. „Wenn wir ehrlich zueinander sind, wissen wir, dass wir manchmal auf beiden Seiten des Atlantik auseinandergedriftet sind und unser gemeinsames Schicksal vergessen haben.“ Die Verpflichtunger als Bürger der Erde würden aber beide Seiten weiter aneinanderbinden.

Überraschend deutlich bekannte sich Obama zu dem Ziel "einer Welt ohne Nuklearwaffen". Dies sei der Moment, an dem das Ziel einer Welt ohne Atomwaffen erneuert werden müsse, sagte der demokratische Präsidentschaftskandidat. Er forderte den Iran auf, sein Streben nach Atomwaffen aufzugeben.

Einen deutlichen Akzent setzte er auch beim Thema Klimapolitik. "Dies ist der Moment, wo wir zusammen kommen müssen, um den Planeten zu retten", sagte Obama. Alle Nationen, einschließlich der USA, müssten die gleiche Ernsthaftigkeit an den Tag legen wie Deutschland, um den Kohlendioxidausstoß zu verringern.

Obama hatte vor seiner Rede sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier getroffen. Steinmeier sagte nach seinem Gespräch mit dem demokratischen US-Senator, es gebe Übereinstimmungen in der Sicht auf die Krisenherde der Welt. Nach dem separaten Meinungsaustausch mit Merkel sprach Regierungssprecher Ulrich Wilhelm von einem "sehr offenen und in die Tiefe gehenden Gespräch in sehr guter Atmosphäre".

Bei den Gesprächen im Kanzleramt und im Außenministerium in Berlin standen vor allem die internationalen Krisenherde wie Afghanistan, Iran und Nahost im Mittelpunkt. Die beiden Treffen des designierten Präsidentschaftskandidaten dauerten jeweils knapp eine Stunde.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain, kritisierte unterdessen Obamas Entscheidung für einen öffentlichen Auftritt in Berlin. "Ich würde es lieben, eine Rede in Deutschland zu halten", sagte McCain. "Aber ich würde das viel lieber als Präsident der USA tun statt als Kandidat für das Amt des Präsidenten." Er werde sich in Amerika auf die Fragen konzentrieren, über die sich Amerikaner Sorgen machten, während Obama im Ausland reise.

Obamas Auftritt in Berlin ist die einzige öffentliche Rede während seiner einwöchigen Auslandsreise, die ihn zuvor nach Afghanistan, Irak, Jordanien und Israel führte. Am Freitag wird er nach Frankreich weiterreisen. Danach wird Obama in London erwartet. Dort stehen Gespräche mit Premierminister Gordon Brown und Oppositionsführer David Cameron auf dem Programm.

tob/ Reuters/ dpa Reuters

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