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Politischer Aschermittwoch: FDP feiert Präsidentenmacher Rösler

Jede Menge große Auftritte beim politischen Aschermittwoch: Die FDP feiert Philipp Rösler, bei der CSU gibt es Standing Ovations für einen längst Abgetretenen.

Die Machtspiele rund um die Nominierung des Bundespräsidentschaftskandidaten Joachim Gauck machen sich für Philipp Rösler bezahlt: Die bayerische FDP hat den Bundesparteichef beim Politischen Aschermittwoch mit frenetischem Beifall empfangen, wie er ihn zuletzt kaum gewohnt war. Rösler verkaufte die Nominierung Gaucks mit feuchter Stirn und hochgekrempelten Hemdsärmeln als seinen Erfolg. "Wenn man uns droht, lassen wir uns davon nicht einschüchtern, sondern wir werden nur noch größer", sagte er über seinen Kurs gegenüber der Union bei der Aufstellung Gaucks. Rösler gab sich kämpferisch, auch mit Blick auf die bevorstehenden Landtagswahlen im Saarland und in Schleswig-Holstein: "Wer sich selbst zum Weißwürstchen macht, darf sich nicht wundern, dass er als solches verspeist wird." Die rund 400 Parteianhänger in Dingolfing jubelten laut.

Die Landesvorsitzende und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger meinte, Rösler habe die Stürme bei der Suche nach einem neuen Bundespräsidenten "standfest überstanden". Doch sie versuchte auch, die Wogen nach dem Koalitionskrach mit der CDU/CSU zu dämpfen: "Weder Drohgebärden noch Triumphgeheul sind jetzt das Gebot der Stunde." Dem Streit wollen die Liberalen offenbar aus dem Weg gehen.

Bayerns FDP-Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch zeigte dagegen nicht das geringste Verständnis für das "Gemaule" beim Koalitionspartner. Es sei Röslers Verdienst, dass Deutschland mit Gauck einen Bundespräsidenten bekomme, der von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung getragen werde. "Jetzt wird umgelegt, jetzt gehen wir nach vorn", sagte Heubisch und forderte: "Der Soli muss weg!" Das Publikum stimmte lautstark klatschend zu.

Stehende Ovationen für Stoiber

Auch der frühere CSU-Chef Edmund Stoiber hat sich bei seinem Comeback beim Politischen Aschermittwoch in Passau feiern lassen. "Stoiber, Stoiber", forderten die Gäste in der Dreiländerhalle in Passau schon vor seiner Rede den Ehrenvorsitzenden. Artig bedankte der sich für den herzlichen Empfang. "Man kann auch mit dem zweiten Aufschlag ein As verwandeln", rief Stoiber in die Halle und meint den Kandidaten für das Bundespräsidentenamt, Joachim Gauck. Der sei für die Freiheit und habe auch für Thilo Sarrazin ein gutes Wort gefunden. Er sei gegen einen übermächtigen Staat und gegen einen Beitritt der Türkei zur EU. Immer wieder ruderte der CSU-Ehrenvorsitzende dabei wild mit den Armen und wackelte mit seinem weißen Haupt. Gauck stehe zu Hartz IV - im Gegensatz zu einigen seiner Unterstützer. "Was soll ich denn eigentlich gegen den Mann einwenden? Das ist doch unsere Politik!" Ob Gauck dieses Lob gefällt?

Hunderte Gäste priesen Stoiber mit stehenden Ovationen. "Edmund Stoiber brennt", lobte auch Seehofer den 70-Jährigen mit Reibeisenstimme. "Ich danke Gott, das wir in eingeladen haben." Die Zuhörer – teilweise mit weiß-blauem CSU-Schal - sangen: "Oooooh, wie ist das schöön!"

"Wenn der Archaeopteryx aus Wolfratshausen die CSU wieder aufrichten soll, muss sie wahrlich auf dem Boden liegen", schimpfte hingegen der Bundesvorsitzende der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, in Deggendorf über Stoibers Auftritt. Der Aschermittwoch der CSU werde wohl bald unter dem Motto "Körperwelten an der Donau" veranstaltet. Die Freien Wähler wollen bei der kommenden Landtagswahl in Bayern in die Regierung. "Aber nicht um jeden Preis", betonte Aiwanger.

SPD-Chef Sigmar Gabriel attackierte im Bierzelt in Vilshofen derweil die Regierungspolitik, die die Zockerei auf den Finanzmärkten dulde. Die Finanztransaktionssteuer sei wichtig. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe unrecht, wenn sie sage, man müsse das Vertrauen der Märkte gewinnen. "Wir müssen das Vertrauen der Menschen gewinnen." Und im Freistaat müsse endlich Schluss sein mit der Machtversessenheit der CSU. "Bayern muss wieder den Bayern gehören und nicht der CSU", rief Gabriel durch das Zelt.

jar/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters