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RAF: Eva Haule kommt frei

Der Bombenanschlag vom 8. August 1985 war Anlass für die lebenslange Verurteilung der ehemaligen RAF-Terroristin Eva Haule. Jetzt kommt Haule, die als führende RAF-Terroristin gilt, frei. Von ihr gehe keine Gefahr für die Allgemeinheit mehr aus.

Nach 21 Jahren Haft kommt die ehemalige RAF-Terroristin Eva Haule frei. Das Oberlandesgericht Frankfurt hat den Rest ihrer Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Das teilte das Gericht am Freitag mit.

Attentat auf die Rhein Main-Airbase

In dem Urteil von 1994 hatte sich das Gericht überzeugt gezeigt, dass Haule dem Kommando angehörte, das das Attentat auf die Rhein- Main-Airbase verübte. In der Nacht zuvor hatten die Terroristen den US-Soldaten Edward Pimental in einem Wald bei Wiesbaden ermordet, um in den Besitz seines Ausweises zu gelangen. Mit diesem Ausweis fuhr dann einer der Täter einen mit 126 Kilogramm Sprengstoff beladenen Wagen auf den Parkplatz hinter dem US-Hauptquartier auf dem Flughafen.

Die Explosion der Autobombe tötete einen US-Soldaten und eine amerikanische Zivilangestellte. Zwei Menschen erlitten lebensgefährliche Verletzungen, 23 wurden schwerverletzt. Der Sachschaden betrug rund eine Million Mark (rund 500.000 Euro). Zu dem Anschlag hatten sich seinerzeit die RAF und die französische Terror- Organisation "Action Direct" bekannt. In dem Prozess hatten mehrere frühere Gesinnungsgenossen Haules ausgesagt, darunter die bei dem missglückten Anti-Terror-Einsatz von Bad Kleinen festgenommene Birgit Hogefeld.

Die 53-Jährige verbüßte ihre Strafe zuletzt als Freigängerin im Frauengefängnis Berlin-Neukölln. Das Gericht setzte die Bewährungszeit auf fünf Jahre fest. Haule erhielt einen Bewährungshelfer. Der zuständige Senat hatte die Verurteilte zwei Mal persönlich angehört. Er sei zu der Überzeugung gelangt, dass von Haule derzeit keine Gefahr für die Allgemeinheit mehr ausgehe. Haule habe überzeugend klargemacht, Gewalt in Form des "bewaffneten Kampfes" nicht mehr als geeignetes Mittel zur Erreichung politischer Ziele anzusehen.

Eva Haule galt als führende RAF-Terroristin

Die am 16. Juli 1954 in Baden-Württemberg geborene Eva Sybille Haule galt als eine der meistgesuchten Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF), als sie im August 1986 gefasst wurde. Damals wurde die heute 53-Jährige mit zwei anderen Verdächtigen in einem Eiscafé in Rüsselsheim festgenommen, als sie nach Feststellungen der Fahnder gerade eine Lageskizze des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit studierten.

Im Juni 1988 verurteilte das Stuttgarter Oberlandesgericht die damals 33-jährige Haule zu 15 Jahren Haft. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie 1984 an einem versuchten Sprengstoffanschlag auf die NATO-Schule in Oberammergau und an einem Raubüberfall auf einen Waffenhändler beteiligt war. Nach Überzeugung des Gerichts war sie nach der Festnahme führender RAF-Mitglieder im Jahr 1984 zur "ranghöchsten" Frau in der Terrororganisation aufgestiegen. So soll sie eine führende Rolle im "Kommando Jan Carl Raspe" gespielt haben.

Empörung über Haules Fotoausstellung

Als Freigängerin machte Haule, die Sozialpädagogik studierte, eine Ausbildung zur Fotografin. Für Ärger sorgte im März 2005 eine Ausstellung einiger ihrer Porträts von mitinhaftierten Frauen im Berliner Abgeordnetenhaus. Abgeordnete von FDP und CDU empörten sich über die Ausstellung im Parlamentsgebäude. Der Sprecher von Parlamentspräsident Walter Momper hatte dagegen die Auffassung vertreten, es dürfe kein lebenslanges Verbot für die Teilnahme an Kunstausstellungen geben. Die Rückkehr in die Gesellschaft müsse auch einstigen RAF-Terroristen ermöglicht werden. Haules Fotos wurden auch in einem Bildband veröffentlicht.

Nach der Haftentlassung von Brigitte Mohnhaupt im März aus einer bayerischen Justizvollzugsanstalt ist Haule die zweite Ex-Terroristin in diesem Jahr, die freikommt. Im Mai dieses Jahres lehnte Bundespräsident Horst Köhler ein Gnadengesuch des ehemaligen RAF- Mitglieds Christian Klar ab. Er kann frühestens im Januar 2009 entlassen werden.

Zwei weitere RAF-Terroristen bleiben in Haft

Christian Klar, 55, Der Sohn eines Freiburger Lehrer-Ehepaares sitzt seit mehr als 24 Jahren im Gefängnis, derzeit in Bruchsal (Baden-Württemberg). Er zählte Mitte der 70er Jahre zum inneren Führungszirkel der RAF. Fahnder hielten den studierten Historiker für besonders gewaltbereit. Klar war 1977 mitverantwortlich für die Entführung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer. 1985 erhielt er eine lebenslange Haftstrafe wegen gemeinschaftlich verübten Mordes an Schleyer, Generalbundesanwalt Siegfried Buback und Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto sowie deren Begleitern. Bundespräsident Horst Köhler lehnte im Mai dieses Jahres Klars Gnadengesuch ab. Der Ex-Terrorist kann frühestens im Januar 2009 zur Bewährung entlassen werden.

Birgit Hogefeld, 51, war eine Leitfigur der dritten RAF-Generation. Im Juni 1993 wurde sie in Bad Kleinen in Mecklenburg-Vorpommern festgenommen. Dabei starben ein GSG-9-Beamter sowie Hogefelds Komplize und Lebensgefährte Wolfgang Grams. Der Bundesgerichtshof bestätigte 1999 ihre Verurteilung zu lebenslanger Haft wegen der Ermordung eines US-Soldaten und des Bombenanschlags auf die Frankfurter US-Airbase im Jahr 1985. Da eine besondere Schwere der Schuld festgestellt wurde, kann Hogefeld nicht mit ihrer Entlassung aus einem Frankfurter Gefängnis nach 15 Jahren rechnen. Ihr Gnadengesuch wies Köhler im Mai ab.

DPA / DPA