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Schlag 12 - der Mittagskommentar aus Berlin: Herr Albig sagt den Wahlkampf ab

Merkel forever and ever! Das sagt nicht etwa ein Christdemokrat. Nein, sondern Torsten Albig von der SPD. Ist schon eine schrecklich nette Familie, diese Partei.

Von Lutz Kinkel

Torsten Albig, Ministerpräsident in Schleswig-Holstein

Lieber Merkel als Gabriel: SPD-Parteifreund Torsten Albig

Wenn bei Sozialdemokraten auf eines Verlass ist, dann auf ihre Fähigkeit, die eigene Partei in Schutt und Asche zu diskutieren. Einer, der ganz genau weiß, wie das geht, ist Torsten Albig, Ministerpräsident in Schleswig-Holstein. Vor der Wahl 2013 empfahl er Peer Steinbrück öffentlich, es mit der Kanzlerkandidatur sein zu lassen. Nun riet er seiner Partei, für die Bundestagswahl 2017 überhaupt keinen Kanzlerkandidaten aufzustellen, sondern nur einen Spitzenkandidaten. So wie es Grüne, Linke und FDP  tun. Willkommen im Land der politischen Gartenzwerge.

Albigs Begründung: Es falle schwer, gegen Angela Merkel eine Wahl zu gewinnen. Zumal sie ihre Sache ausgezeichnet mache. Für die SPD bleibe das Wahlziel einer Regierungsbeteiligung. Also: die Juniorrolle neben der Union. Um diesen Platz müssten sich die Sozialdemokraten aber mit den Grünen kloppen. Na dann: viel Spaß.

Realismus und Idiotie

Nichts als haltlose Spekulation? Nein. Das Szenario, das Albig aufmacht, ist realistisch. Kaum einer hält es für möglich, dass die SPD an Merkel vorbeikommt, sollte sie 2017 wieder kandidieren. Vermutlich bleibt tatsächlich nur die Juniorrolle. Für die Ehrlichkeit, mit der Albig das benennt, hätte er einen Preis verdient. Klartextpolitiker des Jahres 2015. 

Andererseits: Wer weiß schon, was in zwei Jahren ist? Sicher ist nur: Wer so daher redet wie Albig, killt seine eigene Partei. Er killt den unabdingbaren Rest Glaube,  Hoffnung, vielleicht auch nur Illusion, dass es die SPD mal wieder ins Kanzleramt schaffen könnte. Ohne diesen emotionalen Treibstoff jedoch kann keine Volkspartei Wahlkampf machen, die SPD schon gleich gar nicht. Würde sie nur mit einem Kandidaten antreten, der Merkels Adlatus werden will, könnte sie gleich zuhause bleiben. Denn dann hätte die Partei auch ihre Würde verloren.

Albig gegen Gabriel

Warum also hat Albig gesagt, was er gesagt hat? These 1: Er will sich gegen Berlin profilieren, eine alte Tradition unter Ministerpräsidenten. These 2: Er hält Gabriel, den mutmaßlichen künftigen Kanzlerkandidaten, für unfähig und will ihn verhindern. These 3: Es ist ihm halt so rausgerutscht.

Unwahrscheinlich ist nur These 3.