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Staatsakt: Ausdruck höchster Würdigung

Mit einem Trauerstaatsakt nehmen Verwandte und Weggefährten im Berliner Dom Abschied vom gestorbenen Altbundespräsidenten Johannes Rau. Doch was genau ist ein Staatsakt eigentlich?

Das Sprichwort, aus etwas "einen Staatsakt zu machen", zeigt die Bedeutung dieser Feierlichkeit. Seit Jahrhunderten sind Staatsakte Ausdruck höchster Würdigung von Personen oder Ereignissen. Besonderen Festen im Privatbereich entsprechend richtet der Staat dabei eine aufwendige Feier aus, um dem Anlass politisches Gewicht zu verleihen. Dennoch ist das Zeremoniell in Deutschland vergleichsweise bescheiden.

Wichtig sind ein festlicher Rahmen mit geladenen Gästen, Wappen- und Fahnen-Dekoration und Nationalhymne sowie eine Rede des Staatsoberhaupts. Dieser ordnet die Staatsakte auch an. Für die Organisation ist normalerweise das Bundesinnenministerium zuständig. Die häufigste Art ist der so genannte Trauerstaatsakt, mit dem meist Politiker geehrt werden. Staatsakte aus Anlass eines bestimmten Ereignisses hat es in der Geschichte der Bundesrepublik bislang erst fünf Mal gegeben.

Staatsakte in Deutschland

Begonnen hat diese Serie mit dem 25. Geburtstag des Grundgesetzes im Mai 1974. Kurz vor der Wende feierte die Bundesrepublik 1989 ihr 40-jähriges Bestehen, im Oktober 1990 die deutsche Einheit. Am 8. Mai 1995 war der 50. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs Anlass für einen Staatsakt und vier Jahre später das 50-jährige Bestehen der Bundesrepublik Deutschland.

Im Januar vergangenen Jahres würdigte Deutschland die Opfer der Tsunami-Katastrophe mit einem so genannten Trauerstaatsakt. Weitaus häufiger werden einzelne Menschen gewürdigt, von Altbundespräsident Theodor Heuss im Jahr 1963 über Altbundeskanzler Ludwig Erhard anno 1977 bis zum ehemaligen Bundestagspräsidenten Richard Stücklen vor knapp vier Jahren. Für 24 Gestorbene wurden Trauerstaatsakte ausgerichtet, 16 Tote erhielten Staatsbegräbnisse. Zwölf Menschen wurden mit beidem geehrt, darunter die vier Opfer der Roten Armee Fraktion, Hanns-Martin Schleyer, Siegfried Buback, Wolfgang Göbel und Georg Wurster.

DPA / DPA
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