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stern-Interview mit Forsa-Chef Güllner: "89 Prozent der Dresdner lehnen Pegida ab"

Pegida-Demonstranten seien anfällig für Fremdenhass, sagt Forsa-Chef Manfred Güllner – und erklärt, weshalb die Bewegung für die Dresdner zum größten Problem ihrer Stadt geworden ist.

Forsa-Chef Manfred Güllner hat die Bürger von Dresden über Pegida befragt

Forsa-Chef Manfred Güllner hat die Bürger von Dresden über Pegida befragt

Herr Professor Güllner, Sie haben in einer repräsentativen Untersuchung im Auftrag des stern 1016 über 18 Jahre alte Bürgerinnen und Bürger der sächsischen Landeshauptstadt Dresden nach ihren Ansichten über die islamkritische Pegida-Bewegung befragt. Was ist das Ergebnis dieser Studie?

Dass die Einstellungen und Meinungen der großen Mehrheit der Dresdner nicht fundamental von denen der Bürger in den neuen Bundesländern und der gesamten Bundesrepublik abweichen. Die Befunde zeigen auch, dass die übergroße Mehrheit der Bürger Dresdens nicht die Pegida-Bewegung unterstützt. Im Gegenteil: Pegida wird von den meisten Dresdnern als großes Problem für die Stadt gesehen, weil man befürchtet, dass das Ansehen Dresdens Schaden nimmt.

Sie haben auch nach der Einstellung der Dresdner zum Islam gefragt. Was kam dabei heraus?

Während eine Mehrheit von 56 Prozent aller Bundesbürger der Meinung ist, dass der Islam zu Deutschland gehört, teilen diese Auffassung nur 38 Prozent der Bürger Dresdens. Von den älteren Dresdnern über 60 sind 74 Prozent und von den Anhängern der AfD sogar 94 Prozent nicht dieser Meinung. Die Einschätzung der jüngeren Dresdner bis zum Alter von 45 Jahren allerdings liegt wieder im gesamtdeutschen Schnitt. Immerhin jeder fünfte Dresdner meint, der Einfluss des Islam auf das Leben in Deutschland sei so groß, dass man dagegen protestieren müsse, bei den AfD-Anhängern sind es sogar 68 Prozent. Drei Viertel der Bürger der Stadt sehen das nicht so.

Wie schätzen die Dresdner Pegida und die Pegida-Sympathisanten sich selbst ein?

Dass die Pegida-Protestierer für die breite Mitte der Gesellschaft stehen, sagen 39 Prozent der Dresdner, aber nur 26 Prozent der Deutschen insgesamt. Von den Dresdner Anhängern der AfD halten 84 Prozent die Pegida für eine Bewegung aus der bürgerlichen Mitte. 46 Prozent aller Dresdner meinen dagegen, dass Pegida-Sympathisanten nur eine kleine Minderheit am rechten Rand des politischen Spektrums sind – bundesweit ist diese Auffassung mit 64 Prozent verbreitet.

Stammt die Mehrzahl der Pegida-Demonstranten aus der bürgerlichen Mitte?

Keinesfalls. Die, die an solchen Aufmärschen teilnehmen oder teilgenommen haben, sind eindeutig anfällig für Fremdenhass und rechtsradikales Gedankengut. Das belegen sämtliche Zahlen unserer Erhebung.

Hat es durch die Aufmerksamkeit für Pegida einen Rutsch nach rechts in Dresden gegeben?

Wir haben anhand der Parteipräferenzen in Dresden tatsächlich eine minimale Bewegung registrieren können: Der Anteil derer, die bei einer Landtagswahl AfD oder die rechtsextreme NPD wählen würden, steigt von 6,5 auf 8 Prozent der befragten Dresdner. Auf Basis der gültigen Stimmen würde somit der AfD/NPD-Anteil von 11,5 auf rund 14 Prozent klettern.

Wie viele Dresdner stehen denn hinter der Pegida-Bewegung?

Nur eine winzige Minderheit von drei Prozent hat schon einmal an einer Pegida-Demonstration teilgenommen. Hochgerechnet sind das noch nicht einmal 13.000 der rund 430.000 Wahlberechtigten in der Stadt. Weitere acht Prozent könnten sich unter Umständen vorstellen, möglicherweise mal bei Pegida mit zu demonstrieren. Für 89 Prozent der Dresdner – also über 380.000 der 430.000 Wahlberechtigten – kommt das nicht in Frage, sie lehnen Pegida ab.

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Interview: Werner Mathes / print
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