HOME

Stimmen zur Bayern-Wahl 2013: "Volle Kanne in Richtung Bundestagswahl"

Die Stunden nach den ersten Hochrechnungen bei der Landtagswahl in Bayern gehören dem Schönreden der Ergebnisse, den Deutungen für die Bundestagswahl und der ungetrübten Freude.

Eindeutiger kann das Ergebnis bei der Landtagswahl in Bayern kaum ausfallen. Bei den Christsozialen ist natürlich nur Raum für Freude und Überschwang. Bei 49 Prozent sehen die Hochrechnungen die CSU. Damit hat Horst Seehofer eine absolute Mehrheit geholt. "Uns freut das unglaublich", sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner am Sonntagabend in München. "Es ist für uns ein schöner Tag."

Horst Seehofer kostete das Ergebnis aus: "Wir sind wieder da", sagte der CSU-Parteichef. "Das ist ein großartiger Wahlerfolg. Die CSU lebt als Volkspartei." Sie sei tief in der bayerischen Bevölkerung verankert, sagte Seehofer. Jeder Zweite in Bayern habe die CSU gewählt.

Die große Schwesterpartei CDU reißt das Ergebnis sogleich an sich: "Das bringt für uns den notwendigen Schwung, die letzte Woche nochmal alles zu geben", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Grosse-Brömer.

Für Bayern ein gutes Ergebnis

Aber auch die SPD kann aus ihren knapp 21 Prozent ein positives Fazit ziehen. Das Ergebnis sei eine Trendwende für die Sozialdemokraten. Die CSU habe zwar die Wahl gewonnen, aber für die SPD gelte: "Es geht wieder aufwärts", sagte Ude am Sonntagabend in München. Zum ersten Mal seit längerer Zeit habe die SPD in Bayern wieder Stimmen hinzugewonnen. Dies sei "Anlass zur Freude".

"Die SPD hat als einzige Oppositionspartei zulegen können, wenn auch auf niedrigem Niveau", sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. "Das ist für uns, für die bayerischen Verhältnisse gesehen, ein gutes Ergebnis." Sie erwarte angesichts des guten CSU-Ergebnisses, dass deren Vorsitzender, Ministerpräsident Horst Seehofer, auftrumpfen werde. "Wer nicht möchte, dass Deutschland demnächst von München aus regiert wird, der sollte nächsten Sonntag die SPD wählen", fügte Nahles mit Blick auf die Bundestagswahl in einer Woche hinzu. Nach dem wahrscheinlichen Aus der FDP in Bayern sei nun das Rennen mit Schwarz-Gelb im Bund wieder offen.

Enttäuschte Grüne

Die Grünen sind mit ihren 8,5 Prozent keineswegs zufrieden und justieren umgehend die Wahlkampfstrategie für den Bundestagswahlkampf. Vor der Bundestagswahl am kommenden Sonntag sollten die Grünen nun die Energiewende stärker als bisher thematisieren, riet Grünen-Vorsitzende Claudia Roth am Sonntagabend. Sie appellierte an die Anhänger der Grünen: "Jetzt volle Kanne in Richtung Hessen, in Richtung Bundestagswahl!"

Die Grünen-Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl in Bayern, Margarete Bause, hat enttäuscht auf das Ergebnis ihrer Partei reagiert. "Wir haben uns mehr erwartet", sagte Bause. "Wir haben unsere Wahlziele leider nicht erreicht." Der Einsatz der grünen Wahlkämpfer "hätte ein besseres Ergebnis verdient".

Weckruf für die FDP

Der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler hat seine Partei dazu aufgerufen, nach der Niederlage in Bayern "jetzt erst recht" für einen Erfolg bei der Bundestagswahl zu kämpfen. "Ab jetzt geht es um Deutschland", rief er seinen Parteifreunden in Berlin zu. "In Bayern ticken die Uhren anders", sagte er. Die Liberalen scheiterten nach ersten Hochrechnungen mit drei Prozent klar an der Fünf-Prozent-Hürde. "Dieses Ergebnis ist ein Weckruf für alle Liberalen", sagte Rösler. Er übertrug das Bayern-Ergebnis auf den Bund. "Wenn Schwarz-Gelb keine Mehrheit bekommen sollte auf Bundesebene, dann ist nicht der erste Weg der Weg in eine große Koalition. Dann wird Sigmar Gabriel der mächtigste Mann in Deutschland. Er kann dann Angela Merkel erpressen und sagen "entweder Du machst zu meinen Bedingungen mit mir eine große Koalition, oder ich mache gleich Rot-Rot-Grün". Und das dürfen wir in Deutschland niemals zulassen."

SPD-Chef Sigmar Gabriel gab auf Röslers drohende Worte bereits eine Antwort. "Wir werden deshalb mit der Linkspartei keine Bundesregierung bilden und uns deshalb auch nicht tolerieren lassen, weil das eine in sich gespaltene Partei ist. Und die deutsche Sozialdemokratie ist in diesem Jahr 150 Jahre alt geworden. Diese Partei hat noch nie Vabanque mit ihrem eigenen Land gespielt."

swd/DPA / DPA