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Terrorismus: Anklage gegen Sauerland-Attentäter

Vor knapp einem Jahr sorgten drei Männer mit ihren Anschlagsplänen für Wirbel in Deutschland - jetzt wird die Bundesanwaltschaft gegen die sogenannten Sauerland-Attentäter Anklage erheben.

Knapp ein Jahr nach der Verhaftung von drei mutmaßlichen islamischen Terroristen im Sauerland hat die Bundesanwaltschaft am Dienstag Anklage erhoben. Ihnen wird nach früheren Angaben der Karlsruher Anklagebehörde unter anderem die Mitgliedschaft in einer in- sowie ausländischen terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Der Prozess gegen Fritz Gelowicz (29), Daniel Schneider (22) und den Türken Adem Yilmaz (29) soll vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf stattfinden, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit.

Versuchter Mord an Polizisten

Schneider muss sich zudem wegen versuchten Mordes an einem Polizisten verantworten, weil er bei seiner Festnahme Anfang September auf einen Beamten des Bundeskriminalamts (BKA) geschossen hatte. Nähere Angaben zum Inhalt der Anklage machte der Sprecher der Bundesanwaltschaft nicht.

Die beiden zum Islam konvertierten Deutschen und der Türke sollen der international operierenden "Islamischen Dschihad Union" angehören und Bombenanschläge in Deutschland geplant haben. Bei der größten Polizeiaktion gegen mutmaßliche Terroristen seit der Entführung von Hanns-Martin Schleyer 1977 waren sie vor dem Zugriff monatelang observiert worden. Am 4. September 2007 wurden die Männer in einem Ferienhaus im Sauerland festgenommen.

Bis zu 550 Kilo Sprengstoff möglich

Zum Mischen von Sprengstoff hatte sich das Trio den Erkenntnissen zufolge zwölf Fässer mit Wasserstoffperoxid beschafft. Dieses hatten die Fahnder zum Zeitpunkt der Festnahme bereits heimlich gegen eine verdünnte Substanz ausgetauscht. Aus den mit Wasserstoffperoxid gefüllten Fässern hätten sich einem früheren Haftbeschluss zufolge 550 Kilogramm produzieren lassen, mit einer Sprengkraft von mehr als 400 Kilo TNT. Entsprechende Zünder sollen sich die drei aus der Türkei besorgt haben.

Mit der Festnahme waren die Ermittler nach eigenen Angaben den mutmaßlichen Bombenbauern nur knapp zuvorgekommen. Nach früheren Angaben des Bundesgerichtshofs (BGH) sollten damals die Anschläge "in naher Zukunft" begangen werden. Die Ermittler gehen davon aus, dass mehrere mit Sprengstoff beladene Mietfahrzeuge vor Flughäfen sowie vor Diskotheken und Pubs mit vorwiegend US-amerikanischem Publikum gezündet werden sollten.

Die Anschläge sollen von der im pakistanisch-afghanischen Grenzland agierenden "Islamischen Dschihad Union" gesteuert worden sein. Der BGH geht bislang davon aus, dass das Trio dieser aus Usbekistan stammenden Terrorgruppe angehört. Zuvor hatte das oberste deutsche Strafgericht in Karlsruhe von einer "schon jetzt relativ klaren Beweislage" gesprochen.

Nach Berichten der Magazine "Der Spiegel" und "Focus" sind die in Autos und Wohnungen abgehörten Gespräche wichtiger Teil der Anklage. Demnach beschloss der Ulmer Gelowicz, den die Bundesanwaltschaft als "Rädelsführer" bezeichnet, vor fünf Jahren, in den "Heiligen Krieg" zu ziehen. Ursprünglich suchten die jungen Männer den Aufzeichnungen zufolge in Afghanistan den "Märtyrertod". Ihre "Kommandeure" hätten jedoch andere Pläne verfolgt und das Trio im Herbst 2006 mit einem klar definierten Auftrag nach Hause geschickt: Deutschland mit Anschlägen anzugreifen.

DPA/DPA

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