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Trauerfeier: Jung fordert USA zur Vorsicht auf

Bei der Trauerfeier in Köln hat Verteidigungsminister Franz Josef Jung an den Särgen der drei getöteten Soldaten ihre Verdienste hervorgehoben. Angesichts der Gewaltspirale in Afghanistan forderte die Bundesregierung von den US-Streitkräften mehr Rücksicht auf die Zivilbevölkerung.

"Sie haben durch ihren Dienst zum Frieden in der Welt beigetragen", sagte er am Mittwochabend auf dem militärischen Teil des Kölner Flughafens vor den Angehörigen. "Sie haben es für die Sicherheit und eine friedliche Entwicklung des afghanischen Volkes und für unsere eigene Sicherheit getan." Die Leichen der Soldaten aus Bonn, Darmstadt und Kiel waren am Mittwoch von einem Airbus A 310 nach Deutschland geflogen worden.

Angesichts der Gewaltspirale in Afghanistan forderte die Bundesregierung von den US-Streitkräften mehr Rücksicht auf die Zivilbevölkerung. "Tatsache ist, dass wir weiterhin Terrorismusbekämpfung brauchen. Aber wir müssen auch in diesem Bereich angemessen und verhältnismäßig reagieren", sagte Jung vor seiner Abreise nach Köln über den US-geführten Anti-Terrorkampf "Operation Enduring Freedom" (OEF). Opfer unter Zivilisten beschädigten Bemühungen um Frieden. "Damit gewinnen wir eben nicht das Vertrauen der Bevölkerung", sagte Jung im ZDF. In einer Umfrage sprachen sich 63 Prozent der Deutschen für einen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan aus.

"Feige" und "hinterhältig"

Bei der Trauerfeier in Köln waren die Särge mit der Deutschlandfahne bedeckt, ein Wachbataillon hielt die Totenwache. Außer den Angehörigen nahm auch der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, teil. Die Ministerpräsidenten der Heimatländer der Soldaten waren ebenfalls anwesend: Jürgen Rüttgers (CDU) für Nordrhein-Westfalen, Roland Koch (CDU) für Hessen und Peter Harry Carstensen (CDU) für Schleswig-Holstein. Die Soldaten waren am Samstag zusammen mit fünf afghanischen Zivilisten getötet worden, als sich in Kundus ein Selbstmordattentäter neben ihnen in die Luft sprengte. Jung bezeichnete den Anschlag als "feige" und "hinterhältig".

Drei Tage nach dem Anschlag wurde der Bundeswehrstandort in Feisabad am Dienstagabend mit drei Raketen angegriffen. Es habe keine Verletzten oder Tote gegeben, teilte das Verteidigungsministerium mit. Das Bundeskabinett gedachte unter Vorsitz von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit einer Schweigeminute der drei Toten von Kundus.

Zivilbevölkerung gewinnen

SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte im Deutschlandfunk, Deutschland müsse intensiv über die OEF-Mission diskutieren und sich enger mit den USA abstimmen. Manche Afghanen hätten den Eindruck, es werde ohne Rücksicht auf Verluste und zivile Opfer vorgegangen. In der SPD regt sich Widerstand gegen die weitere Beteiligung der Bundeswehr an OEF in Afghanistan mit bis zu 100 Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK).

Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, warf der internationalen Politik Strategielosigkeit vor. Wenn man nicht in der Lage sei, die eigentlichen Probleme zu analysieren und mit einer Gesamtstrategie dagegen vorzugehen, könne man keinen Erfolg haben, sagte er im RBB-Inforadio. Das Problem Drogenhandel sei nicht gelöst und wachse noch. "Der Drogenhandel nährt den Krieg der Taliban. Und hier ist nichts geschehen."

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, sagte: "Insgesamt liegt vieles im Argen." Deutschland habe die Aufgabe übernommen, die Polizei aufzubauen. "Dafür haben wir ganze 40 Beamte in Marsch gesetzt."

Jung sagte, es seien schon große Fortschritte erreicht worden. Deutschland habe 650 Wiederaufbauprojekte vorangetrieben: Für Wasser- und Stromversorgung, den Bau von Schulen, Kindergärten und Straßen. Dieser Prozess müsse ausgedehnt werden. Ein Ende des Afghanistan- Einsatzes der Bundeswehr sei nicht absehbar. 35 000 afghanische Soldaten seien ausgebildet worden, das Ziel seien 70 000. Jung wird in Kürze die deutschen Soldaten in Afghanistan besuchen.

DPA / DPA