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Corona-Talk bei "maybrit illner" Alles schon gesagt, Maybrit

Maybrit Illner und ihre Gäste
Und wieder ein Corona-Talk: Maybrit Illner und ihre Gäste
© Svea Pietschmann / ZDF
Nicht jedes Corona-Thema eignet sich für eine Talkshow. Dennoch wagte Maybrit Illner einen Talk über die neuen Coronaregeln. Kann man machen, langweilt aber sehr. 
Von Andrea Zschocher

"Masken, Tests und neue Strafen – was nützen die Corona-Regeln?", wollte Maybrit Illner wissen und zeigte vor allem eins: Nicht jede Corona-Entwicklung braucht einen eigenen Talk. Das liegt zum einen natürlich an einer gewissen Müdigkeit beim Thema generell, aber auch daran, dass alles Wichtige schon auf der Pressekonferenz, in den diversen Nachrichtensendungen, spätestens aber beim "ZDF spezial" klar war. Es gibt einfach keine neuen Erkenntnisse, daran ändern auch versierte Talkgäste wenig.

Zu Gast bei "maybrit illner" waren:

  • Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern
  • Prof. Dr. Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats
  • Prof. Dr. Melanie Brinkmann, Virologin
  • Nicole Grünewald, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Köln
  • Dr. Helge Braun (CDU), Chef des Bundeskanzleramts und Bundesminister für besondere Aufgaben
  • Dr. med. Michael Müller, Vorstandsvorsitzender der ALM e.V. – Berufsverband der Akkreditierten Labore in der Medizin

Altbekanntes neu im Talk

Die Mittel eines jeden Einzelnen, in dieser Pandemie etwas zu tun, sind begrenzt. Wir können und sollen Abstand halten und Mund-Nasenschutz tragen, nicht an ausufernden Partys teilnehmen und stattdessen das Wohl aller im Blick behalten. Diese Erkenntnis steht seit Monaten fest, und doch wurde genau das bei "maybrit illner" noch mal zum Thema des Abends erkoren. Mit all den Unterkategorien, die offensichtlich so dazu gehören.

Die neue Regelung, dass Menschen, die keinen Mund-Nasenschutz tragen, wo er zur Zeit Pflicht ist, in Zukunft 50 Euro Bußgeld zahlen müssen, wurde in Länge diskutiert. Nicht zur Debatte stand dagegen das Abstandhalten. Das gilt weiterhin und ist doch gerade in Kitas und Schulen beinahe unmöglich. Dabei sind dies die Bereiche, die laut Manuela Schwesig nun besonders in den Fokus rücken, "Kinder und Familien haben Vorfahrt". Man müsse, so die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, aber auch ehrlich mit den Bürgern und Bürgerinnen sein. "Alles gleichzeitig funktioniert nicht."

Deswegen liegt der Fokus nun (bei ihr) auf den geöffneten Schulen und Kitas, auf dem Aufrechterhalten der Wirtschaft, auf Kultur und Sport. Von allem also ein bisschen, nur nicht mehr vom Reiseverkehr in Risikogebiete. Der soll, auch durch die Pläne der Bundesregierung, am besten heruntergefahren werden. Richtig so, fanden alle Talkgäste, und Schwesig hofft, dass der Coronat-Test nach fünftägiger Quarantäne nach Einereis aus einem Risikogebiet eine Selbstzahlerleistung wird.

Ressourcen für Coronatests werden knapp

Liegt die 180-Grad-Wendung bei der Teststrategie an den knapper werdenden Ressourcen in den Laboren? Immerhin werden Testreagenzien knapp, weil sie weltweit nachgefragt werden. Und auch die Fachkräfte, die für die Durchführung und Auswertung der Tests benötigt werden, sind am Limit. Die neue Teststrategie ist daher die alte: Getestet werden sollen vor allem Menschen die andere versorgen, Risikogruppen, Menschen in systemrelevanten Berufen. "Dahinter wird es dann schwierig", fasste die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Prof. Dr. Alena Buyx, die Lage zusammen.

Es sei aber, betonte Bundeskanzleramtschef Dr. Helge Braun, nicht so, dass wegen der geringeren Testkapazitäten die Reiserückkehrer nun plötzlich nicht mehr getestet werden. Vielmehr hätte sich herausgestellt, dass das massenhafte Testen zwar jede Menge Kosten verursacht, das Ergebnis aber nicht immer aussagekräftig ist. Die Virologin Melanie Brinkmann erklärte, dass sich dies mit neueren Ergebnissen decke, die davon ausgehen, dass die meisten Menschen zwischen dem zweiten und vierten Tag der Infektion am ansteckendsten seien.

Winter der Entsagung

"Wir haben uns mit dem Reiseverkehr übernommen" und "es liegt eine lange und schwere Zeit vor uns", befand Manuela Schwesig im Hinblick auf die kommende Herbst- und Wintersaison. Uns erwartet ein "Winter der Entsagung", orakelte Buyx. Ganz so schlimm wird es hoffentlich nicht kommen, wenn wir alle uns an die einfachen Regeln halten. Denn natürlich wollen wir unseren bekannten Alltag zurück. Aber gleichzeitig wollen wohl die wenigsten nochmal zurück in Zeit von März und April, als sich das Leben massiv in den eigenen vier Wänden abspielte.  

Hygiene wie Händewaschen, Abstand halten und Mund-Nasen-Schutz tragen, wo das nicht möglich ist, sind der einzige Schutz, den wir momentan zur Verfügung haben. Keine ausschweifenden Partys besuchen, umsichtig sein, andere schützen und damit uns selbst. Eigentlich ganz einfach.

Weitere Themenpunkte:

Wirtschaftskrise:Nicole Grünewald zeichnete ein düsteres Bild von der aktuellen Lage im Wirtschaftsstandort Deutschland. Die Präsidentin der IHK begrüßte daher die bundeseinheitlichen Beschlüsse.

Demoverbot: Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats begrüßte das Demonstrationsverbot für die am Wochenende angekündigten Demos in Berlin. Es müsse immer individuell geprüft werden, aber in dem Fall sei es absehbar, dass die Hygieneauflagen für Demos in Deutschland nicht eingehalten werden und dies kann ein Verbot rechtfertigen. Manuela Schwesig sprach sich dafür aus, die Demonstrationen zu ermöglichen.

Der Talk bei "maybrit illner" zeigte deutlich, dass nicht jedes Corona-Thema zum Aufmacher taugt. Hoffentlich ist wenigstens die Erinnerung an Maskenpflicht und Abstand halten nicht ungehört verhallt. Dann hätte sich der Abend ja doch gelohnt.

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