HOME

Überblick: Die bisherigen SPD-Vorsitzenden

Von den bislang acht SPD-Vorsitzenden in der Nachkriegsgeschichte traten neben Gerhard Schröder auch Brandt, Engholm, Scharping und Lafontaine vorzeitig ab. Kurt Schumacher und Erich Ollenhauer verstarben, als sie das Amt noch innehatten.

Der vorzeitige Rückzug Gerhard Schröders vom SPD-Vorsitz war nicht der erste spektakuläre Wechsel an der Parteispitze der Sozialdemokraten. Von den bislang acht Vorsitzenden in der Nachkriegsgeschichte traten auch Willy Brandt, Björn Engholm, Rudolf Scharping und Oskar Lafontaine vorzeitig oder unfreiwillig ab. Mit knapp fünf Jahren ist Schröder der SPD-Chef mit der viertlängsten Amtszeit: Nur Brandt sowie die im Amt verstorbenen Kurt Schumacher und Erich Ollenhauer hatten die Funktion länger bekleidet.

Kurt Schumacher

Der in der Nazi-Zeit verfolgte frühere Reichstagsabgeordnete wurde 1946 erster SPD-Vorsitzender der Nachkriegszeit. Er hatte im Ersten Weltkrieg einen Arm verloren, 1948 musste ihm nach schwerer Krankheit auch ein Bein amputiert werden, so dass er seine politische Arbeit nur schwerbehindert fortsetzen konnte. Schumacher profilierte die SPD als Oppositionsführer gegen die Adenauer-Regierung. Er starb am 20. August 1952 im Alter von 56 Jahren.

Erich Ollenhauer

Zu seinem Nachfolger wurde der aus Magdeburg stammende Ollenhauer gewählt. Im so genannten "Ollenhauer-Plan" forderte er statt der Militärbündnisse NATO und Warschauer Pakt ein gesamteuropäisches Sicherheitssystem mit einem wiedervereinigten Deutschland als Kern. In seine Amtszeit fällt auch die Verabschiedung des Godesberger Programms, mit dem die SPD 1959 ideologischen Ballast abwarf. Am 14. Dezember 1963 erlag Ollenhauer im Alter von 62 Jahren einer langen, schweren Krankheit.

Willy Brandt

Der dritte und wohl bedeutendste SPD-Vorsitzende in der Geschichte der Bundesrepublik war auch der mit der längsten Amtszeit: Brandt stand von 1964 bis 1987 an der Spitze der Sozialdemokraten. Der ehemalige Journalist, der die Kriegszeit im Exil in Norwegen und Schweden verbracht hatte, war seit 1961 Regierender Bürgermeister von Berlin. In der großen Koalition des CDU-Politikers Kurt Georg Kiesinger war er ab 1966 Bundesaußenminister und Vizekanzler. 1969 wurde Brandt als erster Sozialdemokrat Bundeskanzler. Er prägte als Regierungschef der sozialliberalen Koalition vor allem die Versöhnung mit dem Osten, für die er 1971 den Friedensnobelpreis erhielt.

1974 trat Brandt wegen der Affäre um den DDR-Spion Günter Guillaume als Kanzler zurück, blieb aber Parteichef. Am 23. Mai 1987 gab Brandt den Posten ab, nachdem die von ihm betriebene Berufung der parteilosen Journalistin Margarita Mathiopoulos zur Pressesprecherin gescheitert war.

Hans-Jochen Vogel

Seine Nachfolge trat der frühere Münchner und Berliner Bürgermeister Vogel an, der zu der Zeit schon Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion war. Dem ehemaligen Bundesjustizminister gelang es, die widerstreitenden Parteiflügel zusammenzuführen. Nach der SPD-Niederlage bei der Bundestagswahl Ende 1990 kündigte er seinen Rückzug an.

Björn Engholm

Neuer Vorsitzender wurde im Mai 1991 der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Engholm. Der frühere Bildungsminister im Kabinett Schmidt war der SPD-Chef mit der kürzesten Amtszeit nach dem Krieg. Er trat am 3. Mai 1993 von allen politischen Ämtern zurück, nachdem ihm in der Affäre um den CDU-Politiker Uwe Barschel eine Falschaussage vor dem Untersuchungsausschuss des Landtages vorgeworfen worden war.

Rudolf Scharping

Im Juni wählte ein SPD-Parteitag den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Scharping zum neuen Vorsitzenden. Er hatte sich zuvor im ersten Mitgliederentscheid zu dieser Frage gegen Schröder und die Parteilinke Heidemarie Wieczorek-Zeul durchgesetzt. Als Kanzlerkandidat verlor Scharping 1994 gegen Helmut Kohl. Im November 1995 musste er sich dem überraschend als Gegenkandidat angetretenen Oskar Lafontaine geschlagen geben.

Oskar Lafontaine

Der saarländische Ministerpräsident begeisterte die Delegierten mit einer Aufbruchrede und führte die Partei daraufhin quasi von der Bundesratsbank aus. Lafontaine blieb zunächst auch SPD-Vorsitzender, nachdem Schröder 1998 Kanzler geworden war. Als Finanzminister überwarf er sich aber mit diesem und trat am 11. März 1999 überraschend von allen Ämtern zurück. Schröder wurde daraufhin am 13. April 1999 auch zum Parteichef gewählt.

Gerhard Schröder

Trotz teils scharfer Kritik an seiner Reformpolitik erhielt Schröder bei Wahlen zum Parteivorsitz passable Ergebnisse. Am 6. Februar kündigte er - auch zur Überraschung der Parteibasis - an, den Posten nach fünf Jahren an Müntefering abzutreten. Er begründete dies vor allem mit Mangel an Zeit. Sie reiche nicht aus, das Regierungsamt auszuüben und zugleich die Reformagenda 2010 SPD und Öffentlichkeit näher zu bringen. Diese "sehr schwierige Vermittlungsarbeit" könne "der Franz besser als ich".

Gerhard Kneier / DPA