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UNWETTER: Ausnahmezustand in Passau

Nach den neuen Unwettern in Südbayern mit Dauerregen und zahlreichen Überschwemmungen stand die niederbayerische Stadt Passau am Montag vor einem neuen Rekord- Hochwasser.

Alarm in Passau

Nach den neuen Unwettern in Südbayern mit Dauerregen und zahlreichen Überschwemmungen stand die niederbayerische Stadt Passau am Montag vor einem neuen Rekord- Hochwasser. In der Drei-Flüsse-Stadt wurde für den Abend ein Pegelstand an der Donau von 10,50 Metern erwartet - fast ein Meter mehr als beim dramatischen »Jahrhunderthochwasser« vom Mai 1999. Der Dauerregen hatte die Zuflüsse zur Donau massiv anschwellen lassen.

Neben dem Landkreis Passau wurde am Montag auch in den oberbayerischen Landkreisen Traunstein, Rosenheim, Weilheim-Schongau, Berchtesgadener Land und Garmisch-Partenkirchen für einzelne Bereiche Katastrophenalarm ausgelöst. Im Landkreis Ebersberg wurde der bereits am Wochenende ausgerufene Katastrophenalarm aufrecht erhalten.

Zahlreiche Straßen, Bahngleise, Keller, Häuser und Tiefgaragen waren überflutet. Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) dankte den tausenden Helfern von Feuerwehren, Rettungsdiensten, Technischem Hilfswerk (THW) und Bundeswehr für ihren unermüdlichen Einsatz. Sie waren mit Abpumparbeiten und dem Aufschichten von Sandsäcken im Dauereinsatz. Die Höhe des Sachschadens war nach Behördenangaben noch nicht abzusehen.

Besonders kritisch war die Lage in der oberbayerischen Kreisstadt Traunstein. »Der Stadtteil Miesenbach ist komplett überflutet«, sagte der Traunsteiner Polizeisprecher Fritz Braun. Da in Traunstein ein Damm zu brechen drohte, wurden die Häuser und die Jugendherberge in der Unteren Stadt evakuiert.

Mehr als 100 Keller liefen voll. Straßen standen teilweise mehr als einen Meter hoch unter Wasser

Im Landkreis Traunstein war die Ortschaft Ruhpolding wegen der Überflutungen vollständig von der Außenwelt abgeschnitten, in der Gemeinden Unterwössen und Grassau standen fast alle Straßen unter Wasser. In Unterwössen fiel der Strom komplett aus. In Marquartstein kämpften die Hilfskräfte gegen einen drohenden Dammbruch an der Tiroler Ache, auch in Grassau drohte der Achendamm zu brechen. Dort wurde ein Asylbewerberheim vorsorglich evakuiert. An der Mangfall konnte ein drohender Dammbruch in Feldkirchen-Westerham (Landkreis Rosenheim) nach stundenlangem Einsatz abgewendet werden.

Im Landkreis Traunstein brach in Siegsdorf eine Fußgängerbrücke über die Traun und in Altenmarkt war die Eisenbahnbrücke vom Einsturz bedroht. Die Bahnlinie wurde wie auch andere Strecken in Oberbayern und im Allgäu gesperrt. Nicht überall konnten Ersatzbusse eingesetzt werden, da zum Teil auch die entsprechenden Straßen wegen Überflutung gesperrt waren.

Knapp zwei Stunden musste die Autobahn München-Salzburg (A 8) am Vormittag in beiden Richtungen wegen Überflutung gesperrt werden. Das Wasser stand dort nach Polizeiangaben in einer Senke zwischen den Anschlussstellen Neukirchen und Bad Reichenhall einen halben Meter hoch. Auch als der Verkehr auf der Autobahn wieder lief, musste die Ausfahrt Piding weiterhin gesperrt bleiben.

In Lindau dagegen entspannte sich die Lage. Große Teile der Innenstadt standen in der Nacht zum Montag unter Wasser. 26 Menschen aus gefährdeten Häusern mussten in Sicherheit gebracht werden, sagte Polizeisprecher Ulrich Hieber in Kempten. Mehr als 100 Keller liefen voll. Straßen standen teilweise mehr als einen Meter hoch unter Wasser.

Teile der Innenstadt nur noch durch Boote erreichbar

Auch in Augsburg sorgte das Unwetter für Chaos: Einige Straßen waren gesperrt, eine Speditionshalle stürzte unter der Wucht und der Masse der Regengüsse ein. Es entstand Sachschaden von rund zwei Millionen Euro. Entlang der Günz blieb die Hochwassersituation gespannt, die Feuerwehren stellten Tausende von Sandsäcken bereit. In der Gemeinde Hutthurm (Landkreis Passau) drohte ein Haus einzustürzen.

In Passau selbst ließen die Behörden die aufgestellten Hochwasserstege wieder abbauen. Denn am Montagabend würden Teile der Innenstadt wohl nur noch über Boote erreichbar sein, sagte ein Polizeisprecher. Für die erwartete Rekord-Flutwelle seien die Stege nicht hoch genug.

In Schneizlreuth bei Berchtesgaden mussten mehrere überflutete Anwesen geräumt und die Bewohner in Sicherheit gebracht werden. Im Traunreuter Ortsteil Matzing musste die Feuerwehr eine vom Hochwasser eingeschlossene Schafherde bergen. Die Ortschaften Graswang und Linderhof der Gemeinde Ettal waren wegen überfluteter Straßen vorübergehend von der Außenwelt abgeschnitten.